Schweizer Aktienmarkt - Die spekulationsgeladene Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Egal ob die Spekulationen rund um Schindler, ABB und UBS, die Ergebnisenttäuschung bei Stadler Rail oder Analystenhumor wider Willen: Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse der Woche.
06.09.2019 12:30
cash Insider
Die spekulationsgeladene Börsenwoche im Schnelldurchlauf
Bild: fotolia.com

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Der gestrige Donnerstag hatte es in sich. Ein Börsengerücht jagte das nächste. Schon frühmorgens wurde dem finanzkräftigen amerikanischen Firmenkonglomerat United Technologies in der italienischen Tagespresse ein Interesse am Aufzughersteller Schindler nachgesagt. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten liess das Dementi aus dem steuergünstigen Hergiswil nicht lange auf sich warten.

Und so kam es, wie es kommen musste: Nach einem frühen Vorstoss in die Nähe von 238 Franken fielen die Partizipationsscheine im weiteren Handelsverlauf deutlich zurück. Bei Börsenschluss resultierte dann nur noch ein mageres Plus von 0,3 Prozent.

Wie gewonne, so zerronnen: Das spekulationsgetriebene Kursfeuerwerk bei den Partizipationsscheinen von Schindler (Quelle: www.cash.ch)

Dass sich die Aufzugs- und Rolltreppenindustrie im Umbruch befindet, ist schon eine ganze Weile kein Geheimnis mehr. Spätestens seit der deutsche Stahlriese ThyssenKrupp sein Aufzugsgeschäft zum Verkauf ausgeschrieben hat, ist klar: Die Karten werden grundlegend neu gemischt. Früher oder später wird sich auch Schindler dem sich abzeichnenden Konzentrationsprozess nicht länger entziehen können. Kone-Chef Henrik Ehrnrooth bekennt seit dem frühen Freitagmorgen übrigens Farbe und bezeichnet das Aufzugsgeschäft von ThyssenKrupp als den idealen Partner für einen Zusammenschluss. Damit ist das Thema Schindler für Kone wohl endgültig vom Tisch.

Im Zentrum von Spekulationen stand auch ABB. Sobald Björn Rosengren den Chefsessel beim schweizerisch-schwedischen Industriekonzern übernehme, werde er seinen Arbeitgeber grundlegend neu ausrichten. Das meldete zumindest das Wirtschaftsblatt Dagens Industri und erwähnte bei dieser Gelegenheit ganz nebenbei, dass die Division Electrification zum Verkauf kommen könnte.

Unnötig zu sagen, dass Rosengren den Segen der Grossaktionäre für einen solchen Schritt vermutlich schon heute hätte. Wenn ich mich recht erinnere, kokettierten zumindest Cevian Capital und Artisan Partners in der Vergangenheit schon öffentlich mit dieser Idee. Wie Dagens Industri schreibt, scheint auch der grösste Einzelaktionär, Investor AB, einem solchen Schritt nicht abgeneigt. Fragt sich, ob diese Spekulationen nicht eher dem Wunschdenken einiger Grossaktionäre entspringen. Wie dem auch immer sein möge: Auf den neuen Firmenchef wartet ganz schön viel Arbeit und egal was er auch machen wird - der Traum von 35 Kursfranken hat sich wohl ausgeträumt.

Als dritte im Bunde musste die UBS für Mutmassungen herhalten. Die renommierte "Financial Times" sagt der grössten Schweizer Bank eine einschneidende Reorganisation des Investment Banking nach. Die Autoren des Artikels berufen sich auf gut informierte Kreise, wenn sie schreiben, dass der Reorganisation mehrere hundert gutbezahlte Stellen zum Opfer fallen könnten.

Nachdem die UBS in den letzten Jahren insbesondere im Global Wealth Management regelmässig enttäuschte, orte ich eher im Kerngeschäft Handlungsbedarf. Bis das neuverpflichtete "Wunderkind" Iqbal Khan im erklärten Kerngeschäft erste Resultate liefert, dürfte es allerdings noch dauern. Weshalb sollte die Grossbank das Warten der Aktionäre also nicht mit einer weiteren Gesundschrumpfung des Investment Bankings überbrücken? Die UBS müsste sich dann wenigstens nicht mehr den Vorwurf gefallen lassen, dass sie zu sehr an den bisherigen Strukturen festhält und dem sich stetig ändernden Branchenumfeld damit kaum Rechnung trägt.

Für die Enttäuschung der Woche sorgte ausgerechnet Stadler Rail. Nur wenige Monate nach dem Börsengang wirft das gefeierte Vorzeigeunternehmen seine diesjährigen Margenvorgaben bereits wieder über den Haufen. Es rechnet neuerdings nur noch mit einer operativen Marge von 7 (zuvor 7,5) Prozent.

Egal ob jetzt 7 oder 7,5 Prozent bewegt die Nadel nicht stark, dürften mir einfleischte Peter-Spuhler-Fans jetzt begegnen. Der eine oder andere Anleger wird sich allerdings auf die ursprünglichen Margenvorgaben verlassen haben, als er im April Aktien des Herstellers von Schienenfahrzeugen aus Emission zeichnete. Zudem lassen die tieferen Margenvorgaben für das laufende Jahr erste Zweifel an den Mittelfristzielen laut werden.

Fragt sich, ob in den Tagen nach der Reduktion der diesjährigen Margenvorgaben nur Titelkäufe aus der Geschäftsleitung von Stadler Rail Schlimmeres zu verhindern wusste. Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX zufolge erwarben ein oder mehrere Geschäftsleitungsmitglieder Aktien des eigenen Arbeitgebers im Gegenwert von fast 7 Millionen Franken. Gut möglich, dass es sich beim Käufer gar um Firmenpatron Peter Spuhler handelte.

Humor beweisen Morgan Stanley und J.P. Morgan - wenn auch ungewollt. Die beiden amerikanischen Investmentbanken empfehlen neuerdings Aktien zum Kauf, welche sie noch vor wenigen Jahren zu deutlich tieferen Kursen zurückhaltender beurteilten.

J.P. Morgan rät bei den Aktien von Temenos mit einem Kursziel von 190 Franken zum Einstieg. Zur Erinnerung: Als die Papiere der Genfer Softwareschmiede vor wenigen Jahren nur einen Bruchteil von heute kostete, stuften die Amerikaner diese gerade mal mit "Neutral" und einem Kursziel von 20 Franken ein.

Morgan Stanley entdeckt die Aktien von Lonza auf dem Rekordhoch wieder (Quelle: www.cash.ch)

Doch J.P. Morgan ist nicht die einige amerikanische Investmentbank, welche in den letzten Jahren einen Börsenüberflieger "verschlafen" hat. Nicht viel besser erging es Morgan Stanley bei den Aktien der Lonza Group. Vor wenigen Jahren stufte die amerikanische Grossbank die Papiere noch mit "Equal-weight" und einem Kursziel von 118 Franken ein, bevor sie die Abdeckung einstellte. Heute - wenige Jahre später und 240 Kursfranken höher - entdeckt sie die Valoren des Pharmazulieferers aus Basel urplötzlich wieder. Es braucht schon eine gehörige Portion Mut, den diesjährigen SMI-Gewinner nach einem Kursplus von gut 40 Prozent seit Jahresbeginn zum Kauf zu empfehlen. Man merke sich: Auch bei den Aktienanalysten kommt der Appetit meist erst beim Essen.

Die Zahl der Woche lautet 17'000'000'000'000. Sie steht für den Gesamtwert aller weltweit ausstehenden Anleihen mit einer negativen Rendite auf Verfall. Mal schauen, ob die eine oder andere Milliarde hinzukommt, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag ein neues Kapitel in der Geschichte der "Politik des billigen Geldes" aufschlägt. Mehr dazu heute in einer Woche, wenn es an dieser Stelle wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

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