Schweizer Aktienmarkt - Eine bewegte Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche: Spekulationen um Julius Bär, Hilfe für Ypsomed und Logitech-Chef macht Kasse. Ausserdem sagt er, was er vom Zurich-Investorentag erwartet.
08.11.2019 12:30
cash Insider
Eine bewegte Börsenwoche im Schnelldurchlauf
Bild: fotolia.com

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Auch am Schweizer Aktienmarkt stehen die Ampeln auf Grün: Zeitweise mit harten Bandagen geführt, zeichnet sich im Handelsstreit zwischen Washington und Peking eine Entspannung ab. Darf man den Aussagen der amerikanischen Verhandlungsführer Glauben schenken, dann lautet die Frage nicht ob, sondern vielmehr wann die Vereinigten Staaten und China ein erstes Teilabkommen unterzeichnen.

Interessant ist, dass der Swiss Market Index (SMI) in den letzten Tagen auch ohne die Mithilfe der drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis neue Rekorde schreiben konnte. Impulse gingen für einmal - man glaubt es kaum - von den Aktien der drei Grossbanken aus.

Positiv konnten sich vor allem jene von Julius Bär in Szene setzen. Auffällige Käufe in Call-Warrants wie BAEYJB, BAZVJB oder BAEUHU liessen alte Spekulationen laut werden, wonach die Credit Suisse die kleinere Rivalin übernehmen könnte. Das Brisante dabei: Bei zwei der drei Derivate ist Julius Bär selbst die Emittentin. Die besagten Übernahmespekulationen gehen übrigens in den November 2017 zurück. Langjährige Leserinnen und Leser meiner Kolumne werden sich eventuell noch erinnern...

Seit etwas mehr als einer Woche liegen die Aktien von Julius Bär auffällig gut im Markt (Quelle: www.cash.ch)

Wie ich vor einer Woche an dieser Stelle schrieb, ist die Credit Suisse denn auch gefordert. Nachdem das kostenseitige Sparpotenzial weitestgehend ausgeschöpft ist, muss sich die Schweizer Grossbank dringend etwas neues einfallen lassen. Da kämen die Synergien mit Julius Bär vermutlich nicht ungelegen.

Als der bekannte amerikanische Milliardär Israel Englander vor vier Wochen mit seinem Hedgefonds Millennium Partners beim Baselbieter Spezialitätenchemiekonzern Clariant einstieg, war ihm die Aufmerksamkeit der hiesigen Medien gewiss. Englander könnte von einem Bereichsverkauf oder Übernahmeplänen des saudischen Ankeraktionärs Sabic wissen, so munkelte man damals.

Dass der amerikanische Milliardär sein Aktienpaket just am Tag vor der Quartalsergebnisveröffentlichung wieder auf unter 3 Prozent reduzierte, liess dieselben Medien dann aber völlig kalt. Womöglich ist Englander mittlerweile sogar ganz ausgestiegen - getreu dem Motto: "Après moi le déluge".

Eine kalte Dusche gab es diese Woche für die Aktionäre von Ypsomed. Nach einem Gewinneinbruch in den ersten sechs Monaten sah sich der Medizinaltechnikhersteller aus Burgdorf zu einer Reduktion seiner Zielvorgaben für das ganze Geschäftsjahr gezwungen. Firmenchef Simon Michel, Sohn des bekannten Firmengründers Willy Michel, strebt mittelfristig zwar weiterhin einen operativen Jahresgewinn (EBIT) von 100 Millionen Franken an. Davon ist das Unternehmen allerdings weit entfernt. Zur Erinnerung: Im laufenden Geschäftsjahr sollen auf Stufe des operativen Gewinns (EBIT) bestenfalls 25 Millionen Franken hängenbleiben.

Die Familie um Firmengründer Willy Michel sei als Käuferin in Erscheinung getreten und habe Schlimmeres verhindert, so verlautete am Dienstagnachmittag aus dem hiesigen Handel. Rückblickend gingen seitens des Unternehmens allerdings bis heute keine Offenlegungsmeldungen bei der Schweizer Börsenbetreiberin SIX ein, die diese Mutmassungen bestätigen würden. Die letzten Meldungen gehen auf Mitte Juni zurück - als hätte jemand den regen Handelsaktivitäten der Gründerfamilie einen Riegel vorgeschoben.

Titelverkäufe aus der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat sind hingegen bei Logitech zu verzeichnen. Seit der Veröffentlichung der Quartalszahlen trennten sich mehrere Personen von Aktien im Gegenwert von mehr als 3 Millionen Franken. Von diesem Verkaufserlös flossen angeblich mehr als 2 Millionen Franken auf das Konto von Firmenchef Bracken Darrell, wie die Nachrichtenagentur AWP am gestrigen Donnerstag berichtete.

Auch wenn die Börse ziemlich entspannt auf die Neuigkeiten reagierte, sei soviel verraten: In den letzten Jahren bewies Darrell bei den Titeln seiner Lausanner Arbeitgeberin stets eine ziemlich gute Nase.

Dass ein Unternehmen anlässlich des jährlichen Investorentags nicht zwingend auch überzeugen kann, zeigt der Genfer Warenprüfkonzern SGS. Vorsichtige Aussagen zur Umsatzentwicklung der zweiten Jahreshälfte reichten, um dem Kurs der Aktien zuzusetzen.

Während viele Analysten bisweilen von einer Wachstumsbeschleunigung gegenüber den ersten sechs Monaten ausgingen, rechnet das Unternehmen selber vielmehr mit einer Verlangsamung. Wenigstens bekräftigte es das mittelfristige Ziel einer operativen Marge (EBITA) von mindestens 17 Prozent.

Nächsten Donnerstag lädt auch die Zurich Insurance Group zum diesjährigen Investorentag. Bei dieser Gelegenheit will der traditionsreiche Versicherungskonzern seine neuen Mittelfristziele kommunizieren. Nachdem die bis Ende dieses Jahres definierten Ziele übertroffen werden dürften, sind die Erwartungen der Analysten schon heute ziemlich hoch.

Beeindruckende Kursentwicklung der dividendenstarken Zurich-Aktien über die letzten 10 Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Ob sich Firmenchef Mario Greco auch puncto Dividendenpolitik in die Karten blicken lässt, wird sich zeigen müssen. Denn wie der Zwischenbericht nach neun Monaten zeigt, lag die sogenannte Z-ECM-Quote per Ende September gerade mal noch bei geschätzten 113 Prozent. Die Kennzahl misst das Überschusskapital und gilt deshalb mitunter als entscheidend für die zukünftige Dividendenpolitik. Eigenen Angaben zufolge strebt die Zurich Insurance Group eine Z-ECM-Quote zwischen 100 und 120 Prozent an. Damit dürfte die Wahrscheinlichkeit einer satten Sonderdividende oder eines gewinnverdichtenden Aktienrückkaufprogramms gegen Null tendieren.

Meines Erachtens muss der traditionsreiche Versicherungskonzern die Hochsprunglatte am diesjährigen Investorentag ganz schon hoch legen, will er verhindern, dass seine heissgelaufenen Aktien Gewinnmitnahmen zum Opfer fallen.

Mehr zu diesem Thema kommenden Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

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