Schweizer Aktienmarkt - Eine ereignisreiche Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche: Aggressive Warrantskäufe bei Basilea, Spekulationen um SGS, ein Coup für Stadler-Rail-Chef Spuhler und Schnäppchenjäger bei DKSH und Bucher.
22.11.2019 12:30
cash Insider
Eine ereignisreiche Börsenwoche im Schnelldurchlauf
Bild: fotolia.com

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Seit Tagen ändert sich die Nachrichtenlage im Handelsstreit zwischen Washington und Peking beinahe stündlich. Angesichts der sich widersprechenden Berichte aus den verschiedensten Ecken weiss man gar nicht mehr, wem man was überhaupt noch glauben soll. Allerdings haben sich die Marktakteure am Schweizer Aktienmarkt an das laute Hintergrundgeräusch gewöhnt. Nur so lässt sich erklären, dass die hiesigen Aktienindizes auch in dieser Woche wieder neue Rekorde schreiben konnten.

Dass uns - anders als im letzten Jahr - eine Jahresendrally unter positiven Vorzeichen erwartet, gilt in Bankenkreisen mittlerweile als so sicher wie das Amen in der Kirche.

Interessant ist, dass nicht nur mir, sondern auch vielen alteingesessenen Analysten das Kurs- und Bewertungsniveau einiger Aktien nicht mehr ganz geheuer ist. In den letzten Tagen hagelte es hierzulande Herunterstufungen, egal ob für die Papiere von Swiss Re, Zurich Insurance Group, Julius Bär und Sonova oder für jene von Valora.

Einige andere Analysten erweisen sich hingegen als Schnäppchenjäger. Ich denke da etwa an die Heraufstufung der Aktien von DKSH von "Hold" auf "Buy" durch Jon Cox von Kepler Cheuvreux. Er veranschlagt neu ein Kursziel von 60 (zuvor 57) Franken und gibt damit den neuen Firmenverantwortlichen erste Vorschusslorbeeren.

Seine Berufskollegin Marta Bruska von der Berenberg Bank sieht hingegen in den Papieren von Bucher Industries einen ungeschliffenen Diamanten und empfiehlt diese neuerdings mit einem Kursziel von 415 Franken zum Kauf. Kurzfristig rechnet die Analystin insbesondere im Landmaschinengeschäft mit einer Belebung.

Die Aktien von DKSH und Bucher stehen stellvertretend für unzählige weitere Nebenwerte, die noch immer weit abgeschlagen von ihren Höchstkursen stehen - dies allerdings nicht immer grundlos.

Für Roche verkommt die milliardenschwere Übernahme von Spark Therapeutics zur Geduldsprobe. Der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern verlängert die Angebotsfrist um einen weiteren Monat. Eigenen Angaben zufolge wurden ihm zuletzt keine 15 Prozent der ausstehenden Aktien angedient. Zur Erinnerung: In der Spitze waren es 25 Prozent, vor vier Wochen dann nur noch gut 20 Prozent.

Die Genussscheine von Roche bekunden bei Kursen über 300 Franken Mühe (Quelle: www.cash.ch)

Dennoch lässt Firmenchef Severin Schwan keine Gelegenheit aus, um Zuversicht zu versprühen. Er sei guter Dinge, dass die Übernahme des amerikanischen Gentherapiespezialisten noch vor Ende Jahr in trockenen Tüchern sei, so liess er die eigenen Aktionäre in den letzten Monaten immer wieder wissen. Daran dürfte Schwan nun gemessen werden.

Noch immer werden die Aktien von Spark Therapeutics etwas unter den von Roche gebotenen 114,50 Dollar gehandelt. An der Leitbörse in New York wird wohl eher mit einem Handtuchwurf als mit einer Offertnachbesserung durch die Basler gerechnet.

Den "Coup der Woche" landete Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler. Er konnte Altbundesrätin Doris Leuthard als Verwaltungsrätin für sein Unternehmen verpflichten - ein geschickter Schachzug im Wissen, dass Leuthard bis zu ihrem Rücktritt als Verkehrsministerin tätig war. Reich macht das Mandat die Altbundesrätin allerdings nicht. Ihr winkt angeblich ein Honorar von 90'000 Franken im Jahr zuzüglich 20'000 Franken, sollte sie in einem der Ausschüsse tätig werden.

Nachdem die mit dem Börsengang betraute UBS den Aktien von Stadler Rail neuerdings die kalte Schulter zeigt, erhält das Vorzeigeunternehmen seit wenigen Tagen aus einer unerwarteten Ecke Zuspruch: Die französische Investmentbank Oddo rät - mittlerweile übrigens als einzige Bank - mit einem Kursziel von 58 Franken zum Einstieg.

Ins Zentrum von Spekulationen rückt der Genfer Warenprüfkonzern SGS. In den hiesigen Wirtschaftsmedien wird ihm seit diesem Mittwoch ein Interesse am französischen Rivalen Bureau Veritas nachgesagt. Das wiederum widerspräche den nur wenige Tage zuvor gemachten Aussagen von Firmenchef Frankie Ng, wonach man sich nun auch Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 200 bis 400 Millionen Franken anschaue. Zur Erinnerung: Bureau Veritas setzt jährlich umgerechnet 6 Milliarden Franken um und wird von der Börse mit satten 13 Milliarden Franken bewertet.

Seit Jahren wird SGS regelmässig entweder mit Bureau Veritas oder aber mit der britischen Intertek in Verbindung gebracht. Und das, obwohl sich die Genfer lieber kleine und leicht verdauliche Happen einverleiben.

Rätsel gaben in den letzten Tagen die Aktien des Pharmaunternehmens Basilea auf. Am heutigen Freitag kosten sie in der Spitze fast 56 Franken. Das entspricht einem satten Kursplus von 30 Prozent innerhalb von gerade mal vier Tagen.

Zu reden gaben insbesondere derivatseitige Käufe, wobei das Interesse vorwiegend den Call-Warrants BSZDJB, BSLOJB, BSLBJB und BSLGJB galt. Eines haben diese vier Derivate übrigens gemeinsam: Sie alle wurden von Julius Bär ausgegeben. Bloss ein Zufall - oder steckt mehr dahinter?

Seit Montag zeigt die Aktienkursentwicklung bei Basilea steil nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Während die Kapitulation einiger namhafter Leerverkäufer als wahrscheinlichste Erklärung für das Kursfeuerwerk naheliegt, deuten die aggressiven Warrantskäufe an, dass sich auch mehr dahinter verbergen könnte.

Vielleicht wissen wir kommenden Freitag Näheres, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

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