Schweizer Aktienmarkt - Eine vollbepackte Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Egal ob die Kapitulation bei Fonds-Managern, die Börsenprognosen der UBS oder das Kursdesaster bei GAM: Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse der Woche und nennt seinen persönlichen Höhepunkt.
15.11.2019 12:30
cash Insider
Eine vollbepackte Börsenwoche im Schnelldurchlauf
Bild: fotolia.com

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Der Schweizer Aktienmarkt konnte in den vergangenen Tagen nicht an die Rekordjagd aus der Vorwoche anknüpfen. Treten an Ort ist angesagt. Mit den Valoren von Roche und Nestlé bekunden gleich zwei der drei Schwergewichte aus dem Swiss Market Index (SMI) sichtlich Mühe. Insbesondere bei den Genussscheinen von Roche haben gezielte Nadelstiche aus dem angelsächsischen Raum bisweilen einen Vorstoss auf über 300 Franken erfolgreich vereitelt - obwohl britische und amerikanische Analysten die Papiere unisono mit Kurszielen von 330 Franken und mehr zum Kauf empfehlen. Und auch von den Aktien von Nestlé gehen nicht die erhofften Impulse für den breiten Markt aus. Galten sie im September bei Kursen von 110 Franken noch als "blinder Kauf", fristen die Aktien schon fast so etwas wie ein Mauerblümchen-Dasein.

Ein Blick auf das Ergebnis einer monatlich durchgeführten Umfrage von Merrill Lynch bei Fonds-Managern und Vermögensverwaltern zeigt denn auch, wo der Schuh drückt: Aus Angst davor etwas verpassen zu können, kauften die Umfrageteilnehmer eigenen Angaben zufolge zwar im grossen Stil Aktien zu. Im Zuge dessen schmolz die durchschnittliche Barmittelquote innerhalb gerade mal eines Monats von 5 auf 4,2 Prozent, was die amerikanische Investmentbank selbst als stärksten Rückgang seit November 2016 feiert. Nur im Frühsommer 2013 war die durchschnittliche Barmittelquote noch tiefer. Man kann schon fast von einer Kapitulation sprechen. Das hielt die befragten Fonds-Manager und Vermögensverwalter allerdings nicht davon ab, einmal mehr Gelder aus den für den SMI wichtigen Pharma- und Nahrungsmittelaktien abzuziehen.

Mit der UBS wagte diese Woche eine erste Bank den Blick in die Kristallkugel und verriet, was uns im kommenden Jahr an den europäischen Aktienmärkten erwartet. Die grösste Schweizer Bank sieht den viel beachteten Stoxx Europe 600 Index bis Ende nächsten Jahres um rund 6 Prozent zurückfallen. Je nach Nachrichtenlage rund um den Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China und um den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union liegt die Prognosespannweite der für die UBS tätigen Strategen zwischen plus 16 und minus 26 Prozent.

So richtig festlegen will man sich nur in einem Punkt: Deutschen Aktien dürften in Zukunft sehr viel besser abschneiden als Aktien aus der Schweiz. Die Argumente der Strategen um Nick Nelson sind dieselben wie schon vor einigen Monaten und kreisen um das zuvor starke Abschneiden des Schweizer Aktienmarktes, die eher verhaltenen Gewinnaussichten hiesiger Unternehmen, die Dominanz der drei konjunkturresistenten Indexschwergewichte sowie die damit verbundenen Bewertungsunterschiede.

Verhält es sich wie in früheren Jahren, dann dürften in Kürze weitere Strategiepapiere anderer Banken bei mir eingehen. Vermutlich bleibt die UBS nicht die einzige Bank, die dem Schweizer Aktienmarkt auch im Hinblick auf das nächste Jahr wieder nur eine unterdurchschnittliche Bedeutung beimisst.

Für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre von GAM begann die Woche mit einer Hiobsbotschaft. Ein Investmentvehikel aus dem Hedgefonds-Imperium des bekannten Milliardärs George Soros zieht sich beim Vermögensverwalter aus Zürich zurück. Mit dem Ausstieg stirbt auch die Hoffnung, dass das von hausgemachten Problemen geplagte Unternehmen möglichst gewinnbringend ins Ausland verkauft wird.

Seit knapp zwei Wochen kranken die GAM-Aktien an einer Kursschwäche (Quelle: www.cash.ch)

Dass in den letzten Tagen vermehrt auch Call-Warrants wie etwa GAMFJB, WGAA7V oder GAMUDU auf den Markt kamen, lässt vermuten, dass mit dem Hedgefonds damals auch zahlreiche Trittbrettfahrer bei GAM aufsprangen. Dass auch der Soros-Fonds Geld verloren haben dürfte, ist wohl eher ein schwacher Trost.

Ähnlich erging es vor gut einer Woche schon den Trittbrettfahrern bei Clariant, als sich der bekannte Milliardär Israel Englander mit seinem Hedgefonds Millennium Partners nach gerade mal drei Wochen wieder beim Spezialitätenchemiekonzern verabschiedete.

Mit Kenneth Griffin sitzt dem Unternehmen aus dem Baselbiet aber noch immer ein berüchtigter Finanzinvestor im Nacken. Allerdings trennte sich zuletzt auch sein in Chicago beheimateter Hedgefonds Citadel von Titeln. Im Zuge dessen schmolz der Stimmenanteil auf 3,4 (zuvor 3,58) Prozent. 2,98 Prozent der Stimmen hält Griffin in Form von Aktien, den Rest über Derivate.

Sollte Clariant endlich einen Käufer für die Geschäftseinheiten Masterbatches und Pigmente findet, könnten dem Spezialitätenchemiekonzern geschätzte 2 Milliarden Franken für Sonderdividenden oder Aktienrückkäufe zufliessen - bei einer Börsenkapitalisierung von 7 Milliarden Franken sehr viel mehr als bloss ein Apropos. Allerdings war das Umfeld für solche Spartenverkäufe auch schon mal besser.

Nächsten Dienstag legt Sonova das Halbjahresergebnis vor. Die Frage ist nicht ob, sondern vielmehr in welchem Ausmass der führende Hörgerätehersteller seine diesjährigen Wachstums- und Margenvorgaben erhöhen wird. Bei den Aktien ist jedenfalls schon seit Monaten "Treten an Ort" angesagt. Da kämen neue Kursimpulse womöglich nicht ungelegen.

Am selben Tag wartet Julius Bär mit dem Zwischenbericht für die vergangenen zehn Monate auf. Zuletzt stand die heimliche dritte Schweizer Grossbank im Zentrum von Übernahmespekulationen. Angesichts des anstehenden Zwischenberichts rückt vermehrt wieder das Tagesgeschäft in den Vordergrund. Der Bankenanalyst der Mediobanca rechnet mit wenig erbaulichen Zahlenfakten und stuft die Aktien quasi in letzter Minute noch rasch mit einem Kursziel von 40 Franken von "Neutral" auf "Underperform" herunter.

Mein persönlicher Höhepunkt der Woche war, als meine 12-jährige Tochter mich am Donnerstag anlässlich des Zukunfts-Tages bei meiner Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist und Börsenkolumnist begleitete und mir einen Tag lang über die Schulter gucken durfte. Ein kurzer Text aus der Feder meiner jüngeren Tochter zum Thema Coca-Cola ist übrigens am Ende meiner gestrigen Kolumne zu finden.

Mal schauen, was für Höhepunkte die kommende Woche für uns auf Lager hat. Mehr dazu am Freitag in einer Woche, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

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