Schweizer Aktienmarkt - Favoriten sind nicht mehr dieselben wie noch vor wenigen Wochen

Das Börsenjahr ist erst wenige Wochen alt, da nehmen erste Analysten schon wieder Anpassungen bei ihren Schlüsselkaufempfehlungen für die Schweiz vor. - Und: Können die UBS-Aktionäre nachts nun wieder ruhig schlafen?
22.01.2020 12:30
cash Insider
Favoriten sind nicht mehr dieselben wie noch vor wenigen Wochen
Bild: fotolia.com

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Das Börsenjahr 2020 ist erst wenige Wochen alt, da nehmen erste Analysten schon wieder Anpassungen bei ihren Schlüsselkaufempfehlungen für den Schweizer Aktienmarkt vor.

Den Beginn machten vor wenigen Tagen jene von Kepler Cheuvreux. Auf ihrer "Swiss Top Picks List" ersetzten sie die Aktien von Logitech durch jene von Barry Callebaut, Arbonia, DKSH und Bâloise. Dort stossen sie auf die Papiere von Galenica, Richemont und SFS Group. Mit Barry Callebaut und Arbonia verliehen die Analysten ihrer Empfehlungsliste einen Hauch von Grün. Denn der Schokoladehersteller gilt als ein Vorzeigeunternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und der Bauzulieferer gilt als Gewinner einer energieeffizienteren Bauweise.

Die Richemont-Aktien: Von Kepler Cheuvreux zum Kauf empfohlen, von Merrill Lynch zum Verkauf empfohlen (Quelle: www.cash.ch)

Ihre Kollegen von der Credit Suisse setzen bei den hiesigen Nebenwerten neben Emmi neuerdings auf die Aktien von Dätwyler (Kursziel 220 Franken), Medacta (Kursziel 90 Franken) und der Partners Group (Kursziel 1000 Franken). Im Zuge dessen scheinen jene von Conzzeta, Landis+Gyr, SIG Combibloc und Straumann aus.

Auf Nebenwerte setzt man neuerdings auch bei der Berenberg Bank, besser gesagt auf die Papiere von Aluflexpack (Kursziel 26,20 Franken), Bucher (Kursziel 415 Franken) und Zur Rose (Kursziel 135 Franken). Dank hochkarätigen neuen Kunden sehen die verantwortlichen Analysten den Verpackungsspezialisten Aluxflexpack vor wachstumsreichen Jahren stehen. Bucher sollte als Landmaschinenspezialist hingegen von den stark gestiegenen Milchpreisen profitieren. Ausserdem könnte die Einigung im Handelsstreit zwischen Washington und Peking gar zu einem Superzyklus in der Landwirtschaft führen. Bei Zur Rose versprechen sich die Analysten einen Umsatzschub im Zusammenhang mit elektronischen Verschreibungen.

Was gleich auffällt: Langweilig ist nicht länger "en vogue". Mangels günstig bewerteter Standardwerte aus dem SMI weichen Analysten immer öfter auf Nebenwerte aus. Einzig jene von Merrill Lynch setzen bei ihren "Nicht der gängigen Meinung entsprechenden Ideen" auf die Aktien der UBS (Kursziel 16 Franken). Im Gegenzug raten sie bei den Papieren von Richemont (Kursziel 65 Franken) zu Leerverkäufen.

Ich werde diese Empfehlungen aus eigener Neugierde im Auge behalten und gelegentlich eine Zwischenbilanz ziehen.

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Gestern war kein guter Tag für die Aktionäre der UBS. Die grösste Schweizer Bank übertraf im Schlussquartal zwar selbst die höchsten Analystenschätzungen. Einmal mehr steckte der Teufel - in der hässlichen Gestalt eines schwachen Global Wealth Management - allerdings im Detail. Neben dem überraschend mageren Gewinnbeitrag sorgte auch der milliardenschwere Abfluss von Kundenvermögen für Gesprächsstoff.

Auch wer sich vom grossspurig angekündigten Strategie-Update den grossen Wurf erhoffte, wurde arg enttäuscht. Die Grossbank überarbeitete die Renditeziele mit dem dicken Rotstift und will bei der Dividendenpolitik ein gemächlicheres Tempo einlegen.

Die Börse kannte keine Gnade und watschte die Aktien mit einem satten Minus von fast 5 Prozent ab. Händler berichteten von Verleiderverkäufen aus dem angelsächsischen Raum - nachdem die Papiere schon im letzten Jahr zu den Schlusslichtern aus dem Swiss Market Index (SMI) zählten.

Ein empfindlicher Rücksetzer für die Aktien der UBS (Quelle: www.cash.ch)

Gleich zwei nicht unwichtige Aspekte gingen am gestrigen Dienstag jedoch völlig unter: Zum einen rechnet die UBS neuerdings schon im September oder Oktober mit einem Urteil im Pariser Berufungsprozess - früher als gedacht. Und zum anderen veröffentlichte sie ein überarbeitetes Positionspapier zu diesem Thema auf ihrer Webseite. Darin sieht sich die Grossbank von der Berechnung der gegen einen Rivalen verhängten Strafzahlung durch ein französisches Obergericht in ihrer Haltung bestätigt.

Diese Einschätzung deckt sich übrigens mit jener des für Kepler Cheuvreux tätigen Nicolas Payen. Auch dem bekannten Bankenanalyst ist das Urteil des französischen Obergerichts nicht entgangen. Seinen Berechnungen zufolge könnte die Strafzahlung gegen die UBS im Zuge des Berufungsprozesses von ursprünglich 3,7 Milliarden Euro auf 620 Millionen Euro zusammengestrichen werden. Hinzu käme die Schadenersatzzahlung in Höhe von 800 Millionen Euro.

Selbst wenn das Urteil im Berufungsprozess - dieser beginnt voraussichtlich im Juni - noch nicht gesprochen ist, dürften die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre der UBS nachts endlich wieder ruhig schlafen.

 

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