Schweizer Aktienmarkt - Leerverkäufer mischen zu Jahresbeginn die Karten neu

Wetten gegen Aktien aus der Schweiz kosteten zuletzt viel Geld. Einigen amerikanischen Leerverkäufern reicht es nun. - Und: Was hat es mit der Kaufempfehlung von J.P. Morgan für Molecular Partners auf sich?
08.01.2020 12:30
cash Insider
Leerverkäufer mischen zu Jahresbeginn die Karten neu
Bild: fotolia.com

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Der Leerverkäufer ist in diesen Tagen eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Nicht nur bei uns am Schweizer Aktienmarkt, auch bei den in New York gehandelten Aktien hiesiger Grossunternehmen wird gezielt Jagd auf ihn gemacht.

Unter Artenschutz gestellt gehört der Leerverkäufer deswegen nicht. Ganz im Gegenteil: Geschützt gehören viel eher die Unternehmen, gegen die diese Spezies spekuliert, sowie deren Aktionäre.

Während die New York Stock Exchange (NYSE) alle zwei Wochen Leerverkaufsstatistiken veröffentlicht, betrachtet es unsere Schweizer Börse SIX noch immer nicht als notwendig, ebenfalls solche Erhebungen durchzuführen. In die Lücke springen findige Beratungsunternehmen wie etwa IHS Markit mit ihren Statistiken für die Wertpapierleihe. Von letzterer lässt sich ziemlich zuverlässig auf die gegen eine Aktie laufenden Leerverkäufe schliessen.

Für diese Informationen lassen sich IHS Markit und Co.  fürstlich entlohnen. So bleibt hiesigen Marktakteuren - und oft selbst den betroffenen Unternehmen - nichts anderes übrig, als regelmässig über den grossen Teich zu blicken.

Und dort befinden sich die Leerverkäufer auf dem Rückzug. Am deutlichsten haben sie ihre Wetten gegen die Credit Suisse zurückgefahren, auf zuletzt noch gut 4 Millionen Aktien. Das sind etwas mehr als halb so viele wie noch Mitte Oktober.

Offensichtliche unternehmensspezifische Gründe gibt es eigentlich keine. Anlässlich des Investorentages gab sich die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken im Dezember in Bezug auf die Eigenkapitalrendite erwartungsgemäss ziemlich kleinlaut. Abgesehen davon servierte sie ihren Aktionären - anders als in früheren Jahren - Schmalkost vom Feinsten.

In einem ähnlichen Umfang rückläufig waren die Wetten gegen die ewige Rivalin UBS. Zuletzt spekulierten die Leerverkäufer in New York noch mit knapp 8 Millionen Aktien auf fallende Kurse. Das sind 30 Prozent weniger als noch wenige Wochen zuvor und liegt weit unter dem Spitzenwert von Ende August letzten Jahres.

Seit wenigen Tagen haben die Aktien der UBS wieder Auftrieb (Quelle: www.cash.ch)

Am gestrigen Dienstag sickerte ein internes Mitarbeiterinformationsschreiben in die Medien durch, wonach die grösste Schweizer Bank ihr europäisches Wealth Management sowohl strukturell als auch personell umbaut. Angeblich fallen dem Umbau rund 500 Stellen zum Opfer. Weshalb die UBS im Anschluss an die Mitarbeiter nicht gleich auch die Öffentlichkeit informierte, erschliesst sich mir nur schwer.

Wie dem auch immer sein möge: Der von der Credit Suisse zur UBS gestossene Iqbal Khan drückt seiner neuen Arbeitgeberin früher als erwartet den persönlichen Stempel auf - ganz nach dem Strickmuster aus seiner Zeit bei der kleineren der beiden Grossbanken. Fragt sich, was der für die Deutsche Bank tätige Benjamin Goy von den Plänen Khans wusste. Der Bankenanalyst übernahm schon vor Bekanntwerden des Umbaus einen solchen in sein Bewertungsmodell für die Aktien.

Am deutlichsten schmolzen allerdings die Wetten gegen Roche. Um nicht weniger als 50 Prozent auf 2,29 Millionen American Deposit Receipts gingen letztere innerhalb weniger Wochen zurück. Gut möglich, dass der traditionsreiche Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel nach einem geradezu beeindruckenden dritten Quartal mit einem soliden Zahlenkranz für das Schlussquartal nachlegt.

Bei der UBS zeigt sich schon übernächsten Dienstag, bei Roche hingegen erst Ende Januar, ob die Zurückhaltung amerikanischer Leerverkäufer auch wirklich gerechtfertigt war.

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Es ist eine Charmeoffensive, die ihresgleichen sucht: Zuerst stuft J.P. Morgan die Aktien von Molecular Partners mit einem Kursziel von 21,50 (zuvor 15,50) Franken von "Neutral" auf "Overweight" herauf. Dann - nur wenige Stunden später - wird bekannt, dass das kleine Pharmaunternehmen am Donnerstag in einer Woche an der jährlichen Healthcare Conference der amerikanischen Investmentbank teilnimmt.

Da fragt sich doch, ob es sich bei dieser Abfolge von Ereignissen bloss um einen Zufall handelt. Oder kann die Konferenz-Delegation von Molecular Partners gar bahnbrechende Neuigkeiten verkünden?

Die Aktienkursentwicklung von Molecular Partners über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, geht der für J.P. Morgan tätige Pharmaanalyst Richard Vosser für das laufende Jahr neuerdings doch von fast doppelt so hohen Einnahmen aus Meilensteinzahlungen aus wie andere seiner Berufskollegen.

Interessant ist auch der hochkarätige Neuzugang im Aktionariat. Wie ich einer Offenlegungsmeldung entnehme, ist Federated Investors mit gut 5 Prozent beim Pharmaunternehmen eingestiegen. Der bekannte Vermögensverwalter ist Herr über Kundenvermögen in Höhe von 527 Milliarden Dollar, wovon 80 Milliarden in Aktien angelegt sind.

Lassen wir uns doch mal überraschen, was es mit der Kaufempfehlung von J.P. Morgan auf sich hat und ob Molecular Partners am Donnerstag in einer Woche mit Neuigkeiten aufwarten kann.

 

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