Schweizer Aktienmarkt - Rekordjagd erwischt Grossinvestoren contre-pied

In den Portfolios vieler angelsächsischer Grossinvestoren sind Schweizer Aktien untervertreten. Das rächt sich nun. - Und: Mündet bei Julius Bär die Suche nach einem neuen Chef in einem Verkauf?
15.03.2019 12:30
cash Insider
Rekordjagd erwischt Grossinvestoren contre-pied
Bild: fotolia.com

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Seit Jahren räumen gerade die angelsächsischen Grossinvestoren dem Schweizer Aktienmarkt nur ein geringes Gewicht in ihren Wertschriftenportfolios ein. Zu defensiv, zu träge und sowieso viel zu langweilig - so lautet das geradezu vernichtende Urteil.

Das rächt sich nun. Denn am Swiss Market Index mit Dividenden-Korrektur (SMIC) gemessen, schreibt der Schweizer Aktienmarkt seit Mitte Februar fast täglich neue Rekorde. Mit einem Plus von fast 14 Prozent lässt der Schweizer Aktienmarkt die meisten anderen europäischen Börsenplätze seit Jahresbeginn alt aussehen, was viele Grossinvestoren auf dem falschen Fuss erwischt.

Das wäre nicht weiter tragisch, hätte der ££Schweizer Markt den viel beachteten Stoxx Europe 600 Index nicht schon in den beiden letzten Jahren weit hinter sich zurückgelassen.

Und als ob das alleine nicht schon genug wäre, scheinen sich einige angelsächsische Grossinvestoren im Vorfeld des Derivatverfalls von heute Freitag kräftig verspekuliert zu haben.

Der SMIC (rot) lässt den Stoxx Europe 600 Index (grün) seit Monaten weit hinter sich zurück. (Quelle: cash.ch)

Das alles würde auch erklären, weshalb sie hierzulande schon seit Tagen zusammenkaufen, was sich zusammenkaufen lässt - wobei der Preis nur von untergeordneter Bedeutung scheint. Eine gesunde Portion Schadenfreude sei mir an dieser Stelle erlaubt.

Die alles entscheidende Frage ist: Was folgt auf den grossen Derivatverfall? Die nächsten Wochen könnten für den Schweizer Aktienmarkt zu einer Bewährungsprobe werden. Zumindest von den drei Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis ist vorerst wohl nicht mehr viel zu erwarten. Sie alle sind mittlerweile ziemlich überhitzt und bedürfen dringend einer Abkühlung.

Zur Erinnerung: Von den gut 1000 Punkten, um die der SMI seit Jahresbeginn zulegen konnte, steuerte alleine die Aktie von Nestlé fast die Hälfte bei. Eine gesunde Aktienmarktentwicklung sieht anders aus...

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Die Bankbranche ist im Umbruch - und das nicht nur beim nördlichen Nachbarn Deutschland. Im Investment Banking werden die Schweizer Banken von den deutlich grösseren amerikanischen Rivalen brutalst an die Wand gepresst. Und auch in der Vermögensverwaltung - der eigentlichen Paradedisziplin - gehören die goldenen Jahre wohl endgültig der Vergangenheit an.

Seitens der Banken wird immer bloss der "geringen Transaktionslust der Kunden" wegen gejammert - siehe die UBS im seit Freitagfrüh vorliegenden Geschäftsbericht für 2018. Doch das Problem sitzt um einiges tiefer. Neben dem Tod des Bankgeheimnisses lässt auch der unaufhaltsame Trend weg von aktiv verwalteten hin zu passiven Mandaten die Erträge in diesem einst sehr lukrativen Geschäftszweig wegbrechen.

Letzteres bekam in den vergangenen Monaten auch Julius Bär zu spüren. Noch keine 24 Stunden alt sind Spekulationen, wonach die Zürcher Bank nach einem neuen Chef sucht. Ihren Ursprung haben diese Spekulationen in einer entsprechenden Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Händler nehmen diese Steilvorlage dankend an und begegnen der Meldung gleich mit eigenen Spekulationen. Ein neuer Chef alleine löse die strategischen Herausforderungen nicht, so heisst es. Dieselben Händler schliessen deshalb nicht aus, dass die Suche nach einem neuen Chef gar in einem Verkauf des Unternehmens münden könnte.

Rasant runter und nicht weniger rasant wieder rauf: Die Aktien von Julius Bär über die letzten sechs Monate. (Quelle: cash.ch)

Vor wenigen Jahren wurde unter anderem schon der Credit Suisse ein Interesse an Julius Bär nachgesagt. Damals versandeten diese Spekulationen allerdings genauso schnell wieder, wie sie zuvor aufgekommen waren.

Nachdem den Aktien von Julius Bär im letzten Jahr noch die undankbare Rolle des Schlusslichts im SMI zuteil wurde, erfreuen sie sich seither einer erstaunlich regen Nachfrage. Vom seinerzeitigen Minus von gut 40 Prozent konnten die Papiere seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte wieder wettmachen - und das einfach mal so. Es ist, als wolle sich mehr dahinter verbergen.
 

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