Schweizer Aktienmarkt - Umstufungswelle sorgt nicht bei allen Aktien für Bewegung

In den letzten 24 Stunden änderten Analysten bei nicht weniger als sieben Schweizer Aktien ihre Meinung. Der cash Insider sagt, welche Aktien neben Givaudan, ABB und Swiss Re auch noch betroffen sind.
17.12.2019 12:30
cash Insider
Umstufungswelle sorgt nicht bei allen Aktien für Bewegung
Bild: fotolia.com

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Schon in wenigen Tagen werden sich viele Aktienanalysten in die Festtagsferien verabschieden. Doch diese wollen verdient sein: Alleine in den vergangenen 24 Stunden gingen nicht weniger als sieben Unternehmens- oder Branchenstudien mit teils aufsehenerregenden Titelumstufungen bei mir ein.

Ganz besonders überrascht mich, dass der bekannte Analyst Patrick Rafaisz von der UBS die Aktien von Givaudan zu Höchstkursen von "Neutral" auf "Buy" heraufstuft. Um der Anlagekundschaft die Papiere des Genfer Aromen- und Duftstoffherstellers schmackhaft zu machen, erhöht er das 12-Monats-Kursziel auf 3300 (zuvor 2700) Franken.

In Erwartung weiterer Marktanteilsgewinne, einer Entspannung bei den Rohmaterialkosten, Sparmassnahmen sowie Synergien aus ergänzenden Firmenübernahmen rechnet Rafaisz über die nächsten drei Jahre mit einem um 35 Prozent höheren Jahresgewinn. Seine Gewinnschätzungen liegen denn auch um gut 20 Prozent über den durchschnittlichen Annahmen anderer Berufskollegen. Was der Analyst nicht schreibt: Selbst auf Basis seiner überaus optimistischen Annahmen wird Givaudan bereits heute mit dem Sechsundzwanzigfachen des nächstjährigen Jahresgewinns bewertet - so teuer waren die Aktien noch nie.

Die UBS entdeckt die Aktien von Givaudan zu Höchstkursen (Quelle: www.cash.ch)

Den für Barclays tätigen Autoren einer Studie zu den europäischen Zementherstellern hat es hingegen LafargeHolcim angetan. Sie empfehlen die Papiere des Weltmarktführers aus Jona neuerdings mit "Overweight" und einem Kursziel von 61 (zuvor 54) Franken zum Kauf.

Die Studienautoren räumen zwar ein, dass sie sowohl in Nordamerika als auch in Europa von einem schwierigeren kommenden Jahr ausgehen. Selbst das starke Abschneiden in diesem Jahr - die Aktien kosten gut 30 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn - hält die Analysten um Nabil Ahmed nicht davon ab, bei LafargeHolcim zum Einstieg zu raten. Sie setzen dabei ganz auf Firmenchef Jan Jenisch und seinen beeindruckenden Erfolgsausweis beim früheren Arbeitgeber Sika.

Ansonsten fällt mir auf, dass Analysten in diesen Tagen eher dazu neigen, ihre Kaufempfehlungen zu überdenken – als ob auch ihnen das Kurs- und Bewertungsniveau vieler Aktien mittlerweile nicht mehr ganz geheuer ist.

Eine geradezu spektakuläre 180-Grad-Wende vollzieht der ebenfalls für Barclays tätige Andrew Gardiner beim Sensorenhersteller AMS. Der bekannte Technologieanalyst stuft dessen Papiere von "Overweight" auf "Underweight" herunter und streicht das Kursziel auf gerade mal noch 34 (zuvor 58) Franken zusammen. Ursprünglich geht die Kaufempfehlung auf den Dezember vor zwei Jahren zurück, als die Aktien noch 90 Franken kosteten.

Gardiner macht kein Geheimnis draus, dass er die milliardenschwere Übernahme von Osram Licht für einen teuren Fehler hält. Seinen Berechnungen zufolge sind die für AMS interessanten und zukunftsträchtigen Geschäftszweige für weniger als 10 Prozent des Jahresumsatzes verantwortlich.

Die Verkaufsempfehlung setzt den Aktien von AMS denn auch sichtlich zu und sorgt so für Wasser auf die Mühlen ausländischer Leerverkäufer. Angeblich bauen letztere im Hinblick auf die für Januar angesetzte Kapitalerhöhung im grossen Stil Wetten gegen den Sensorenhersteller auf.

Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank kündigt hingegen den Valoren von ABB die Liebe. Nachdem ihr Kurs im Zuge von Abspaltungsspekulationen über den rechnerischen fairen Wert von 23 Franken kletterte, reduziert er das Anlageurteil von "Buy" auf "Hold". Ausserdem warnt Czerwensky vor möglicherweise schmerzhaften bilanziellen "Aufräumaktionen" unter dem zukünftigen Firmenchef Björn Rosengren.

Die ABB-Aktien zeigen sich unbeeindruckt von der Herunterstufung durch die DZ Bank (Quelle: www.cash.ch)

Sein Berufskollege Paris Hadjiantonis von BNP Paribas erachtet hingegen den Kurs der dividendenstarken Aktien von Swiss Re als ausgereizt. Er erhöht sein Kursziel zwar auf 115 Franken, stuft die Papiere jedoch von "Outperform" auf "Neutral" herunter.

Noch deutlicher wird der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst Armin Rechberger bei Georg Fischer. Er hält die zuletzt gut gelaufenen Aktien für um 20 Prozent überbewertet und empfiehlt sie neuerdings mit "Untergewichten" zum Verkauf. Seines Erachtens dürfte die negative Nachrichtenlage in den nächsten Monaten zu einer empfindlichen Kurskorrektur führen.

Unnötig zu erwähnen, dass angesichts der euphorisierten Stimmung gerade die negativen Wortmeldungen bei den Marktakteuren kaum auf Gehör stossen. Aktien wie etwa jene von Swiss Re oder ABB stecken die Abstufungen überraschend gut weg. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Gesund ist anders...

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 

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