Schweizer Aktienmarkt - Und wieder schlagen die Schnäppchenjäger zu

Erneut nutzen Analysten die noch immer tiefen Kurse, um gezielt Aktien wie Straumann oder LafargeHolcim heraufzustufen - Und: Amerikanische Investmentbank spielt bei Clariant dem Ankeraktionär Sabic in die Hände.
11.01.2019 12:30
cash Insider
Und wieder schlagen die Schnäppchenjäger zu
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Noch vor wenigen Tagen liessen aggressive Verkäufe aus dem amerikanischen Raum die Aktien von Straumann auf unter 600 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit April letzten Jahres fallen. Dass mit Jefferies nun ausgerechnet eine amerikanische Investmentbank den Papieren des Dentalimplantateherstellers aus Basel neues Leben einhaucht, entbehrt deshalb nicht einer gewissen Ironie.

Der für Jefferies tätige Medizinaltechnikanalyst reduziert das Kursziel zwar auf 755 (zuvor 802) Franken, hält den jüngsten Kursrückschlag allerdings für übertrieben. In Erwartung eines prozentual zweistelligen Umsatzwachstums auch in diesem Jahr, stuft er die Aktien von "Hold" auf "Buy" herauf. Seine Schlüsselbotschaft: Anders als in der Vergangenheit sei Straumann nicht länger auf ein günstiges Wirtschaftsumfeld angewiesen, um erfolgreich zu sein.

Mit Merrill Lynch sorgt hierzulande eine weitere mächtige amerikanische Investmentbank für Gesprächsstoff. In einer Studie zu den europäischen Baustoffherstellern stufen die Autoren um Arnaud Lehmann die Papiere von LafargeHolcim gleich von "Underperform" auf "Buy" herauf. Das Kursziel lautet neu 52 (zuvor 43) Franken.

Kursentwicklung der Aktien von Straumann (rot) und LafargeHolcim (grün) seit Jahresbeginn (Quelle: www.cash.ch)

Die Studienautoren begründen ihre Kehrtwende mit den rückläufigen Energiekosten und der Stabilisierung bei den Schwellenländerwährungen. Beides dürfte die diesjährige Gewinnentwicklung stützen und dem Weltmarktführer aus Jona eine weiterhin grosszügige Dividendenpolitik ermöglichen. Zusätzliches Aufwärtspotenzial erhoffen sich Lehmann und seine Abteilungskollegen von möglichen Anpassungen beim Firmenportfolio.

Dass Analysten wie die von Merrill Lynch und Jefferies die optisch tiefen Kurse nutzen, um gezielt Aktien heraufzustufen, kann man ihnen nicht verübeln. Auch andere Banken liessen sich in den letzten Tagen zu Kaufempfehlungen verleiten. Allerdings waren die Papiere von LafargeHolcim und Straumann vor wenigen Tagen noch satte 12 Prozent günstiger zu haben als heute.

Ein bisschen Schadenfreude sei mir an dieser Stelle erlaubt, scheinen es ausländische Leerverkäufer doch verpasst zu haben, ihre Wetten gegen diese beiden Aktien rechtzeitig zu schliessen.

+++

Was Goldman Sachs kann, können wir schon lange. Das zumindest dürfte sich die amerikanische Investmentbank J.P. Morgan gestern wohl gedacht haben, als sie die Aktien von Clariant am frühen Donnerstagmorgen von "Neutral" auf "Underweight" herunterstufte.

Gut eine Viertelstunde nach Handelsbeginn wurden die Papiere des Spezialitätenchemieherstellers aus Basel bereits mit einem Minus von fast 5 Prozent abgestraft. Im Zuge dessen wurden gar Kurse unter dem neu 19 (zuvor 24) Franken lautenden Kursziel bezahlt. Dem freundlichen Gesamtmarkt dürfte es zu verdanken gewesen sein, dass die Aktien im weiteren Handelsverlauf etwas Boden gut machen konnten.

Kursrücksetzer bei den Clariant-Aktien, losgetreten durch die Verkaufsempfehlung seitens von J.P. Morgan (Quelle: www.cash.ch)

Die harsche Reaktion der Börse überrascht, räumen die Chemieanalysten von J.P. Morgan doch ein, dass sie bei Clariant nicht mit materiell tieferen Kursen rechnen würden. Ihre Kritik gilt einzig der vergleichsweise schwachen Barmittelgenerierung.

Vermutlich sind sich die Analysten nicht bewusst, dass sie mit ihrer Verkaufsempfehlung dem Ankeraktionär Sabic in die Hände spielen. Denn die Frage ist nicht ob, sondern vielmehr wann die finanzkräftigen Saudis ihre Beteiligung am Baselbieter Spezialitätenchemiekonzern kräftig erhöhen.

Zur Erinnerung: Die ersten knapp 25 Prozent liess sich Sabic vor rund einem Jahr viel Geld kosten. Die Rede ist von 32 Franken oder mehr, die für jede Aktie an die oppositionelle Aktionärsgruppe White Tale flossen.

Die Verkaufsempfehlung könnte sich dann für J.P. Morgan rächen, sollte der Ankeraktionär in den mittlerweile deutlich tieferen Kursen eine günstige Gelegenheit sehen, sein Aktienpaket auszubauen.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.