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Die Berenberg Bank lud zur diesjährigen Investorenkonferenz in den südwestlichen Zipfel von London - und das "Wer ist wer" der Finanzgemeinde folgte dieser Einladung. Auch mehrere Schweizer Unternehmen nutzten die Gelegenheit, um sich den anwesenden Investoren während vierer Tage zu präsentieren.

Doch nur vier dieser Unternehmen hinterliessen bei den Kundenbetreuern aus der Handelsabteilung der Veranstalterin einen bleibenden Eindruck, wie eine Zusammenstellung der persönlichen Favoriten im Anschluss der Investorenkonferenz zeigt.

Eines davon ist der Halbleiterzulieferer Inficon. Firmenchef Lukas Winkler wusste mit seiner persönlichen Art zu punkten. Die operativen Erfolge der letzten Jahre dürften ebenfalls geholfen haben.

Die Angst vor den Folgen eines Abschwungs in der Halbleiterindustrie sei übertrieben. Ausserdem eröffne sich dem Unternehmen im Verpackungsbereich ein neuer Markt, so ist der besagten Publikation zu entnehmen.

Die Aktien von Inficon konnten in den letzten Wochen kräftig Boden gutmachen. (Quelle: cash.ch)

Allerdings sei gesagt, dass die Berenberg Bank die Papiere von Inficon seit der Erstabdeckung von Ende Juli mit einem Kursziel von 647 Franken zum Kauf empfiehlt. Zumindest haben Anleger in dieser Zeit - anders als mit anderen Halbleiteraktien - kein Geld verloren.

Einem anderen Kundenbetreuer bleibt die Firmenpräsentation des für den gleichnamigen Automobilzulieferer tätigen Chefs Jan Klingelnberg in bester Erinnerung. Mitunter ein Grund: Klingelnberg selbst zeigte sich vom Kurszerfall bei der eigenen Aktien überrascht und bestätigte gleichzeitig, dass sich das Tagesgeschäft nicht eingetrübt habe.

Bisweilen hat das Unternehmen die im Vorfeld des Börsendebüts vom Juni gemachten Versprechen denn auch gehalten. Das zeigt zumindest das kürzlich veröffentlichte Quartalsergebnis.

Bei der Berenberg Bank werden die Aktien seit Anfang August mit einem Kursziel von 61 Franken zum Kauf empfohlen. Kosteten die Papiere damals noch gut 49 Franken, so waren es zuletzt 10 Franken weniger.

Die Kaufempfehlung kommt nicht von ungefähr, war es neben der Credit Suisse doch die Berenberg Bank, die den Automobilzulieferer an die Börse brachte.

Von nicht weniger als zwei Kundenbetreuern wird die Versandapotheke Zur Rose in der Favoritenrolle gesehen. Während der eine Kundenbetreuer mit den optimistischen Aussagen von Firmengründer Walter Oberhänsli und dem enormen Wachstumspotenzial argumentiert, weist sein Arbeitskollege darauf hin, dass sich die Einführung elektronischer Medikamentenrezepte im mittelfristigen Margenziel des Unternehmens noch nicht widerspiegelt. Er sieht diesbezüglich Raum für positive Überraschungen.

Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung einer Übernahme setzte den Zur-Rose-Aktien in den letzten drei Wochen sichtlich zu. (Quelle: cash.ch)

Die Erstabdeckung der Papiere von Zur Rose geht in den Sommer 2017 zurück. Wer der Kaufempfehlung von damals bei gut 147 Franken Folge leistete, käme mittlerweile um einiges günstiger an die Aktien. Nach der erst kürzlich durchgeführten Kapitalerhöhung gibt die Berenberg Bank das Kursziel noch mit 170 (zuvor 185) Franken an.

Der vierte im Bunde ist Bucher. Firmenchef Jacques Sanche scheint die Anwesenden davon überzeugt zu haben, dass das Unternehmen dank seiner breiten Abstützung gut für einen konjunkturellen Abschwung gewappnet sei. Ausserdem wusste er von einer weiterhin guten Nachfrage nach hydraulischen Komponenten und Gemeindefahrzeugen zu berichten.

Auch die Aktien von Bucher gerieten in den letzten Wochen kräftig unter die Räder. Offiziell rät die Berenberg Bank denn auch seit Mitte September mit einem Kursziel von 295 Franken zum Verkauf der Papiere (siehe Bucher bekommt das trockene Wetter zu spüren vom 12. September). Wer der Empfehlung damals Folge leistete, fuhr gut.

Es ist erfreulich, wenn sich börsenkotierte Schweizer Unternehmen auf dem internationalen Finanzparkett nicht nur Gehör verschaffen, sondern sich auch den Respekt der Investoren verdienen. Die Kurs- und Bewertungskorrektur bei Schweizer Nebenwerten hat auch bei den Aktien der vier genannten Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen. Zumindest die Zuversicht der Firmenverantwortlichen scheint allerdings nicht darunter gelitten zu haben - das ist doch schon mal ein Anfang.

Was mich ein bisschen wurmt ist, dass Kleinanleger kaum die Möglichkeit haben, an Informationen wie die vorliegenden zu kommen. Man könnte deshalb schon fast von einer Zweiklassengesellschaft an der Börse sprechen.
 

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