Schweizer Aktienmarkt - Wieder jagt ein Börsengerücht das andere

Von wegen besinnliche Adventszeit: Einmal mehr weiss der cash Insider von Spekulationen zu berichten. Im Zentrum stehen diesmal GAM, Meyer Burger, Credit Suisse, Julius Bär, AMS, Dufry und Richemont.
30.11.2017 12:30
cash Insider
Wieder jagt ein Börsengerücht das andere
Bild: fotolia.com

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Ich weiss nicht, wie es sich in anderen Landesteilen der Schweiz verhält, aber bei uns in Bern hat der Winter Einzug gehalten.

Noch wenige Tage, dann läutet der erste Advent die ruhige und besinnliche Weihnachtszeit ein. Doch von ruhig und besinnlich ist das Börsengeschehen noch immer weit entfernt...

Erst vor wenigen Tagen berichtete ich bei AMS von Spekulationen rund um einen orchestrierten Angriff ausländischer Leerverkäufer. Ziel sei es, die beliebten Aktien des Sensorenherstellers wieder in den zweistelligen Frankenbereich zu drücken, so schrieb ich (siehe "Coup der Leerverkäufer bei AMS vorerst vereitelt" vom Dienstag). Gestern gelang es den besagten Leerverkäufern im späten Handel dann allerdings, bei Kursen unter 100 Franken einige grössere limitierte Verkaufsorders loszutreten, so verlautet aus London.

Als belastend erweisen sich unter anderem bisweilen nicht bestätigte Berichte, wonach der amerikanische Grosskunde Apple in Zukunft vermehrt Bauteile für Smartphones und Tablets unter dem eigenen Dach produzieren will. Das setzt heute vor allem dem AMS-Rivalen Dialog Semiconductor zu. Dieser büsst gut 10 Prozent seiner Börsenkapitalisierung ein.

AMS ist bei weitem nicht das einzige am Schweizer Aktienmarkt kotierte Unternehmen, das heute ins Zentrum von Börsengerüchten rückt.

Nach dem Bruch von 100 Franken beschleunigt sich der Kurszerfall bei den AMS-Aktien. (Quelle: www.cash.ch)

Auch bei Dufry ist die Nervosität gross. Nachdem der chinesische Mischkonzern HNA ankündigte, die aggressive Übernahmepolitik der letzten Jahre grundlegend überdenken zu wollen, werden ihm auch beim Reisedetailhändler aus Basel Ausstiegsabsichten nachgesagt.

Nicht auszudenken was wäre, sollten das über ein kompliziertes Konstrukt gehaltene 20,9-Prozent-Paket oder Teile davon wieder auf den Markt kommen. Schlimmeres könnte dann allerdings Richemont zu verhindern wissen. Denn wie es heisst, liebäugelt der Luxusgüterkonzern aus Genf mit einem Ausbau seiner Beteiligung. Erst kürzlich wurde bekannt, dass er bei Dufry mittlerweile 7,5 Prozent der Stimmen sein Eigen nennt.

Gefragt sind hingegen die Aktien von Meyer Burger. Der Solarzulieferer aus dem bernischen Gwatt lädt heute zum Technologietag ein. Im Vorfeld davon liess er durchblicken, dass bis Ende Oktober Aufträge in Höhe von mehr als 500 Millionen Franken eingegangen seien. Das entspricht im Jahresvergleich einer Zunahme um 26 Prozent und bringt das Unternehmen der Gewinnzone einen gehörigen Schritt näher.

Zur Mittagszeit werden die Aktien von Meyer Burger mit einem Kursfeuerwerk von 4,7 Prozent auf 1,78 Franken belohnt. Vermutlich würde das Kursfeuerwerk noch umfassender ausfallen, wären da nicht Stimmen, die von belastenden Arbitrage-Transaktionen gegenüber der Wandelanleihe wissen wollen. Erst vor wenigen Tagen gab der Solarzulieferer bekannt, vorzeitig wandlungswillige Gläubiger dieser bis ins Jahr 2020 laufenden Anleihe mit einer zusätzlichen Einmalzahlung belohnen zu wollen.

Die Erfahrung, dass man als Unternehmen auch am einmal jährlich stattfindenden Investorentag nicht vor Spekulationen gefeit ist, macht heute die Credit Suisse.

Um die Schweizer Grossbank ranken sich gleich in zweifacher Hinsicht die Spekulationen. Zum einen heisst es, dass sich der für seine aktive Einflussnahme berüchtigte Rudolf Bohli mit seinem Hedgefonds RBR bereits wieder auf dem Rückzug aus dem Aktionariat befinde. Das wiederum wird allerdings vehement bestritten.

Zum anderen muss die Credit Suisse einmal mehr als Interessentin für Julius Bär herhalten. Nach dem unerwarteten Rücktritt von Boris Collardi überrascht es nicht, dass dessen langjähriger Arbeitgeber an der Börse wieder als heisser Übernahmekandidat gilt.

In einem Kommentar bezeichnet Daniel Regli von der MainFirst Bank eine Übernahme von Julius Bär durch die Credit Suisse jedoch als unrealistisch. Inmitten des Restrukturierungsprozesses dürfte die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken kaum Übernahmegelüste verspüren, so schreibt er.

Kursentwicklung der Julius-Bär-Aktien (rot), jener der Aktien der Credit Suisse (grün) gegenübergestellt. (Quelle: www.cash.ch)

Ausserdem käme die Credit Suisse zur Finanzierung einer solchen Transaktion gemäss Regli nicht um eine weitere Kapitalerhöhung herum. Der Grund: Julius Bär weist an der Börse schon heute mehr als den zweifachen Buchwert auf.

Ebenfalls als heisser Übernahmekandidat gilt der Fondsanbieter GAM (siehe "Gerüchte bestimmen das Schweizer Börsengeschehen" vom 16. November). Seit gestern sind bei den Aktien der ehemaligen Julius-Bär-Tochter wieder spekulative Käufe auszumachen. Folglich brodelt die Gerüchteküche.

An dieser Stelle sei einmal mehr davor gewarnt, dass sich mächtige Marktakteure gerne der Spekulationen bedienen, um den Kurs von Aktien in die von ihnen gewünschte Richtung zu bewegen. Nicht selten verkommt man als Privatanleger so zum Spielball dieser Akteure.
 

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