Grossbank bekennt sich zu heimischen Aktien

Julius Bär verbannt Schweizer Aktien nicht mehr länger aus den Kundendepots. Dabei bedient sich die Zürcher Bank allerdings der Argumente der Rivalin Credit Suisse.
12.09.2018 12:30
cash Insider

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Als Julius Bär im Januar den Schweizer Aktienmarkt von "Neutral" auf "Underweight" herunterstufte, ging ein Aufschrei durch unser kleines Land. Mitunter ein Grund: Auch wenn Stratege Patrik Lang es damals nicht wortwörtlich schrieb, so liess er zumindest durchblicken, dass er Aktien aus der Schweiz für zu langweilig halte (siehe Julius Bär rät zum Verkauf von Schweizer Aktien vom 18. Januar).

Nachdem die hiesigen Aktienindizes seit Jahresbeginn um 8 Prozent hinter dem Weltaktienindex zurückgeblieben sind, gibt sich Lang überraschend versöhnlich. In einer mir vorliegenden Strategiestudie stuft er den Schweizer Aktienmarkt wieder von "Underweight" auf "Neutral" herauf.

Berechnungen des Strategen zufolge hat sich alleine der Swiss Market Index (SMI) in den vergangenen drei Jahren um mehr als 30 Prozent schlechter als der Weltaktienindex entwickelt. Anders als noch im Januar verwendet er diese Beobachtung nicht mehr länger als ein Argument gegen, sondern vielmehr für unseren Heimmarkt.

Darüber hinaus argumentiert Lang mit der zuletzt wieder attraktiveren relativen Bewertung, der im internationalen Vergleich auf dem höchsten Stand der letzten 50 Jahre liegenden durchschnittlichen Dividendenrendite sowie mit den besseren Gewinnaussichten hiesiger Unternehmen.

Mit denselben Worten pries die für das Wealth Management der Credit Suisse tätige Jessie Gisiger übrigens schon vor Monaten den Schweizer Aktienmarkt zum Kauf an (siehe Credit Suisse gegen Credit Suisse vom 18. Juni). Einziger Unterschied: Damals lag die durchschnittliche Dividendenrendite bloss auf dem höchsten Stand der letzten 30 Jahre.

Der um Dividendenabgänge bereinigte SMIC (rot) widerspiegelt die Schweizer Blue Chips über fünf Jahre besser als der SMI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Ausserdem war der Franken um einiges schwächer als er es heute ist. Damit fällt den hiesigen Unternehmen ein nicht unwichtiger Gewinntreiber weg.

Und dennoch: Wäre ich der Klassenlehrer und würde Patrik Lang das Pult mit Jessie Gisiger teilen, ich würde wohl die Eltern in die Schule zitieren - mit dem Verdacht, dass hier abgeschrieben wurde.

Wie sich der SMI in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt, entscheiden weniger die drei Indexschwergewichte, als vielmehr die Vorgaben aus New York.

Die Liebesbekundungen aus dem amerikanischen Raum der letzten Tage in Ehren - werden sich auch die Aktien von Nestlé und Novartis nicht entziehen können, sollte von New York aus eine Verkaufswelle rund um den Globus rollen (siehe Wird Novartis zum SMI-Zugpferd? von gestern).

Das Schwergewicht Novartis schiebt den SMI seit knapp einer Woche kräftig an (Quelle: www.cash.ch)

Ich warne nunmehr seit über einem Jahr vergeblich vor der Gefahr eines schmerzhaften Rückschlags an der amerikanischen Leitbörse, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Die Frage ist allerdings nicht ob, sondern vielmehr wann dort der Damm bricht. Die schuldentreibende Steuerreform des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mag einen solchen Rückschlag verzögern, weiss ihn aber nicht zu verhindern.

Ganz im Gegenteil: Neuerdings gesellt sich die Gefahr steigender Zinsen hinzu. Das hält auch Patrik Lang von Julius Bär in seiner Strategiestudie fest. Er stützt sich dabei auf bankeigene Schätzungen ab, wonach die Rendite für zehnjährige Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft bis Ende 2019 von derzeit 0,37 auf 1,35 Prozent steigen werden.

Genauso wie sich stark rückläufige Zinsen in den letzten Jahren positiv in den Discounted-Cash-Flow-Modellen der Aktienanalysten niederschlugen, haben steigende Zinsen einen negativen Effekt - von höheren Zinskosten für die jeweiligen Unternehmen noch gar nicht zu sprechen...

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