Schweizer Firmen - Mit acht Aktien auf die US-Steuerreform wetten

Kepler Cheuvreux nennt Schweizer Firmen, die überdurchschnittlich stark von den Steuerplänen von US-Präsident Trump profitieren würden - Und: Swiss Re und der überraschend hohe Marktanteil in den Katastrophengebieten.
23.10.2017 14:30
cash Insider
Mit acht Aktien auf die US-Steuerreform wetten
Bild: fotolia.com

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In Washington spricht man seit Freitag von einem ersten Teilerfolg des republikanischen Präsidenten Donald Trump, die im Wahlkampf versprochene Steuerreform noch in diesem Jahr auf den Weg zu bringen. Kernstück der Vorlage ist die Senkung des Unternehmenssteuersatzes von derzeit 35 auf 20 Prozent.

Gelingt das Vorhaben ohne Abstriche, werden nicht nur die amerikanischen Unternehmen die Champagnerkorken knallen lassen können. Denn auch Schweizer Firmen mit einem Standbein in den Vereinigten Staaten dürfen dann auf eine steuerliche Entlastung hoffen - wann und in welchem Ausmass, darüber lässt sich vorderhand bloss mutmassen.

Mit einer ersten Einschätzung wartet nun Torsten Sauter von Kepler Cheuvreux auf. Wie der Leiter der Schweizer Aktienanalyse schreibt, könnten einige Firmen aus der Schweiz in signifikanter Weise von der geplanten Reduktion des Unternehmenssteuersatzes profitieren. Gleichzeitig warnt er jedoch vor Kompensationsmassnahmen, beispielsweise in Form von Importzöllen.

Bankeigenen Berechnungen zufolge wuchsen die Schweizer Exporte in die Vereinigten Staaten zwischen 2011 und 2016 um über 58 Prozent. Im vergangenen Jahr gingen knapp 15 Prozent aller Exporte in die Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: Der Anteil der Exporte in die Europäische Union ging in den besagten fünf Jahren von 62 auf 54 Prozent zurück.

Als grösster Gewinner einer Steuerreform erachtet Sauter die Zurich Insurance Group. Der Versicherungskonzern erzielt 32 Prozent der Prämieneinnahmen in Übersee. Die dortige Tochter Farmers miteinbezogen sind es sogar fast 60 Prozent. Eine Senkung des Unternehmenssteuersatzes auf 20 Prozent könnte deshalb zu einem Anstieg des Reingewinns je Aktie um mehr als 10 Prozent führen.

Die Valoren der Zurich Insurance Group (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem SPI (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Namentlich genannt werden bei Kepler Cheuvreux auch die beiden Automobilzulieferer Feintool und Autoneum, die Bauzulieferer Dormakaba und Sika, der Premiumschokoladehersteller Lindt & Sprüngli sowie der Pumpenspezialist Sulzer. Dasselbe gilt für den Spezialitätenchemiekonzern Clariant und den Luftfrachtspezialisten Panalpina.

Nach der Rekordjagd der letzten Wochen ist der Schweizer Aktienmarkt dringend auf neue Impulse angewiesen. Eine rasche Durch- und Umsetzung der geplanten Unternehmenssteuerreform könnte durchaus für solche Impulse sorgen. Angesichts der zahlreichen Ungewissheiten rund um die Vorlage fragt sich allerdings, ob Anleger tatsächlich jetzt schon Wetten darauf eingehen sollten. Zum guten Glück sind unter den genannten Firmen auch solche zu finden, die sowieso ein Kauf sind.

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Drei Wochen ist es nun her, dass mit dem Wirbelsturm "Maria" die letzte von drei verheerenden Unwetterfronten auf amerikanisches Festland traf. Anders als "Maria" hinterliessen die vorangegangenen Wirbelstürme "Harvey" und "Irma" eine Schneise der Verwüstung. Und das nicht nur in Texas und Florida, sondern auch in der Erfolgsrechnung von Swiss Re. Die Betroffenen in den genannten Gebieten und Firmenvertreter des Rückversicherungskonzerns aus Zürich mögen mir diesen Anflug von Galgenhumor bitte verzeihen...

Swiss Re geht mittlerweile von versicherten Schäden in Höhe von 95 Milliarden Dollar aus, die nicht weniger zerstörerischen Erdbeben in Mexiko miteingerechnet, und sieht 3,6 Milliarden Dollar an Schadensersatzforderungen auf sich zukommen.

René Locher von der MainfFirst Bank zeigt sich überrascht über den hohen Marktanteil. Setzt man die 3,6 Milliarden Dollar ins Verhältnis zu den genannten 95 Milliarden Dollar, errechnet sich ein solcher von 3,8 Prozent. Diese 3,8 Prozent stuft der Analyst - er gilt hierzulande als profunder Branchenkenner – als überraschend hoch ein. Er selber sei davon ausgegangen, dass der Rückversicherungskonzern dieses Geschäft mangels für ihn attraktiver Konditionen zurückgefahren habe, so Locher.

Schon seit Tagen liegen die Swiss-Re-Aktien gut im Markt (Quelle: www.cash.ch).

Auch zum noch ausstehenden Aktienrückkaufprogramm hat der Analyst eine klare Meinung. Er sieht Swiss Re dieses im Nachgang zur Quartalsergebnisveröffentlichung von Anfang November wie geplant umsetzen.

Folglich werden die Aktien bei der MainFirst Bank wie bis anhin mit "Outperform" und einem Kursziel von 105 Franken zum Kauf empfohlen.

Die grundsolide Bilanz liesse eine Umsetzung des Aktienrückkaufsprogramms zwar trotz milliardenschweren Schadensersatzforderungen zu. Dennoch könnten sich die Firmenvertreter letztendlich dagegen entscheiden.

Bleibt zu hoffen, dass die am Freitag genannten 3,6 Milliarden Dollar eher hochgegriffen sind und die Naturkatastrophen rückblickend weniger stark ins Gewicht fallen. Das würde dann auch das Phänomen rund um den unerwartet hohen Marktanteil von Swiss Re erklären...
 

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