Schweizer Gewinner einer Steuersenkung in den USA

Kepler Cheuvreux nennt die Schweizer Gewinner einer Unternehmenssteuerreform in den USA - Und: Spült der Börsengang der Universalbank Schweiz mehr Geld als gedacht in die Kasse der Credit Suisse?
24.11.2016 12:30
cash Insider
Schweizer Gewinner einer Steuersenkung in den USA
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Nach dem überraschenden Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump über die demokratische Rivalin Hillary Clinton sind die Banken und ihre Strategen intensiv auf der Suche nach den Gewinnern und Verlierern der zukünftigen US-Politik.

Mit Ausnahme des für Kepler Cheuvreux tätigen Experten kam bisweilen aber kaum jemand auf das Thema Unternehmenssteuerreform zu sprechen. Das überrascht, würden doch auch zahlreiche bekannte Firmen aus der Schweiz profitieren, sollte der zukünftige Präsident dieses Wahlversprechen einlösen.

Ursprünglich wollte Trump den Unternehmenssteuersatz auf 15 Prozent halbieren. Der Stratege von Kepler Cheuvreux geht für seine Berechnungen hingegen von einem bei 20 Prozent liegenden Steuersatz aus. Gleichzeitig räumt er allerdings ein, dass einige Firmen über Steuerkonstrukte verfügen - weshalb die Berechnungen mit Vorsicht zu geniessen sind.

Der Gewinner unter den hiesigen Unternehmen heisst Zurich Insurance Group. Eine Reduktion des Unternehmenssteuersatzes auf 20 Prozent würde im ersten Jahr zu einer Entlastung des Konzerngewinns um 20 Prozent und in den nachfolgenden Jahren zu einer Entlastung von immerhin 10 Prozent führen.

Grund zur Freude hätte auch der russische Milliardär Viktor Vekselberg. Neben dem Börsendebütanten SFS Group müssten die Analysten auch bei seinen beiden Portfoliofirmen OC Oerlikon und Sulzer ihre zukünftigen Gewinnschätzungen auf Jahre hinaus um durchschnittlich 7 Prozent nach oben korrigieren.

Immerhin noch mit bis zu 5 Prozent würde eine Unternehmenssteuerreform beim Genfer Warenprüfkonzern SGS sowie beim Nahrungsmittelhersteller Nestlé auf den Gewinn durchschlagen.

Auch vom USD/CHF gehen positive Impulse für Schweizer Aktien aus: Kursentwicklung des Währungspaars seit Anfang August; Quelle: www.cash.ch

Alle diese hierzulande bestens bekannten Firmen wären nicht nur Nutzniesser einer solchen Reform, sondern profitieren darüber hinaus auch überdurchschnittlich stark vom festen Dollar.

Ich bin jedenfalls jetzt schon gespannt, ob weitere Strategen dieses von Kepler Cheuvreux ins Spiel gebrachte Thema aufgreifen - und wenn ja, zu welchem Ergebnis sie kommen.

***

Vor wenigen Tagen wurde die Credit Suisse gegenüber den Medien erstmals etwas konkreter, was die geplante Publikumsöffnung der Universalbank Schweiz angeht. Noch lässt sich das Mutterhaus in Zürich zwar nicht in die Karten blicken, wann genau im nächsten Jahr die Tochter an die Börse gebracht werden soll. Womöglich entscheidet nicht zuletzt auch die Grosswetterlage an den Finanzmärkten über den genauen Zeitpunkt.

Alle übrigen Zusatzinformationen decken sich allerdings mehr oder weniger mit den bisherigen Erwartungen. Geplant ist beispielsweise, 20 bis 30 Prozent der Aktien im Publikum zu platzieren. In die Universalbank Schweiz wurden ausschliesslich Kunden aus der Schweiz eingebracht. Hierzulande angesiedelte ausländische Kunden bleiben unter dem Dach des Mutterhauses. Dasselbe gilt übrigens für jegliche Handelsaktivitäten.

In einem Kommentar von Barclays Capital ist vor allem das erklärte Ziel eines Vorsteuergewinns von 2,3 Milliarden Franken bis Ende 2018 ein zentrales Thema. Das nicht ohne Grund, liegt dieses doch über den aktuellen Konsensschätzungen von 2 Milliarden Franken für die Tochter.

Aktienkursentwicklung der Credit Suisse über die letzten 12 Monate; Quelle: www.cash.ch

Vom Vorsteuergewinn leitet der Autor für 2018 einen Reingewinn von 1,8 Milliarden Franken sowie einen theoretischen Börsenwert für die Universalbank Schweiz von 15 bis 22 Milliarden Franken ab. Mit anderen Worten: Die Platzierung von 20 bis 30 Prozent der Aktien würde zwischen 3 und 6 Milliarden Franken in die Kasse der Credit Suisse spülen. Die Schweizer Grossbank selber ging bisher von einem Erlös von 2 bis 4 Milliarden Franken aus.

Die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre der Credit Suisse dürfen hoffen, mehr aber auch nicht. Schliesslich handelt es sich bei den 2,3 Milliarden Franken um ein Ertragsziel, das erst einmal erreicht werden muss. Ausserdem darf vor lauter Euphorie nicht vergessen gehen, dass es sich bei der Publikumsöffnung der Universalbank Schweiz um eine die zukünftigen Konzerngewinne verwässernde Massnahme zur Stärkung deren Eigenkapitalbasis handelt. Aktionärswerte werden dadurch keine geschaffen - ganz im Gegenteil.

Weitere kursrelevante Detailinformationen erhoffe ich mir vom diesjährigen Investorentag der Credit Suisse vom 7. Dezember.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.