Schweizer Nebenwerte - Credit Suisse lässt bei ihren Empfehlungen keinen Stein auf dem anderen

Die Credit Suisse ersetzt bei den Schweizer Nebenwerten sämtliche Schlüsselempfehlungen durch neue - Und: Zukunftsträchtiges Medikament von Roche verkauft sich besser als erwartet.
29.08.2017 12:30
cash Insider
Credit Suisse lässt bei ihren Empfehlungen keinen Stein auf dem anderen
Bild: fotolia.com

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Mit den Aktien kleiner und mittelgrosser Unternehmen liessen sich jene aus dem Swiss Market Index (SMI) in den letzten Jahren bei weitem schlagen. Immer mittendrin im Geschehen: Die Aktienanalysten der Credit Suisse mit ihren Schlüsselkauf- und –verkaufsempfehlungen.

In einem mir aus Genf zugespielten Strategiepapier nehmen die Autoren grundlegende Veränderungen bei ihren Nebenwerte-Favoriten vor. Die weiterhin mit "Outperform" eingestuften Aktien von SFS Group (Kursziel 120 Franken, Aufwärtspotenzial von 9 Prozent) und Cembra Money Bank (Kursziel 97 Franken, Aufwärtspotenzial von 14 Prozent) müssen den Valoren von EFG International (Kursziel 9,40 Franken, Aufwärtspotenzial von 19 Prozent), Forbo (Kursziel 1800 Franken, Aufwärtspotenzial von 24 Prozent), Sonova (Kursziel 200 Franken, Aufwärtspotenzial von 22 Prozent) und Valora (Kursziel 365 Franken, Aufwärtspotenzial von 24 Prozent) Platz machen.

Nach dem jüngsten Höhenflug bewegen sich die EFG-Aktien in luftigen Höhen (Quelle: www.cash.ch)

Bei EFG International wird mit der tiefen Bewertung und den attraktiven Aussichten und bei Forbo mit der überdurchschnittlich starken Rentabilität sowie mit der grundsoliden Bilanz argumentiert. An Sonova finden die Experten hingegen an den vielversprechenden Produktneuheiten und bei Valora an den intakten Wachstumsaussichten sowie an der hohen Dividendenrendite Gefallen.

Doch nicht nur, dass die Analysten die Schlüsselkaufempfehlungen von zwei auf vier Aktien aufstocken, sie streichen auch jene von Bucher (Kursziel 270 Franken, Abwärtspotenzial von 22 Prozent) und Ypsomed (Kursziel 135 Franken, Abwärtspotenzial von 10 Prozent) ersatzlos von den Schlüsselverkaufsempfehlungen. Beide Papiere werden wie bis anhin mit "Underperform" eingestuft.

Diese ungleiche Symmetrie von Kauf- und Verkaufsempfehlungen überrascht. Denn nachdem in den vergangenen Monaten noch einmal im grossen Stil Anlagegelder in die hiesigen Nebenwerte flossen, scheint das schnelle Geld gemacht. Darauf lassen auch die Kurstaucher bei den einst beliebten Aktien von Kudelski, Emmi, Implenia oder Huber+Suhner schliessen (siehe Kolumne vom letzten Freitag)...

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Seit Wochen fristet Roche an der Börse ein Mauerblümchen-Dasein. Vorbei sind die Zeiten, als die Genussscheine des Pharma- und Diagnostikkonzerns aus Basel bei angelsächsischen Fonds noch weit oben auf der Einkaufsliste standen.

In Erwartung einer Umsatzerosion bei milliardenschweren Medikamenten wie Avastin, Rituxan oder Herceptin machen diese mächtigen Grossinvestoren immer öfter einen grossen Bogen um das hiesige Indexschwergewicht. Mit Folgen für die Kursentwicklung: Mit den Genussscheinen liess sich in den vergangenen sechs Monaten unter dem Strich kein Geld verdienen.

Das Traditionsunternehmen muss mit neuartigen Medikamenten nachlegen, will es der von günstigeren Nachahmerpräparaten ausgehenden Umsatzerosion in den kommenden Jahren Herr werden. Eines dieser Medikamente ist Ocrevus zur Behandlung von Multipler Sklerose.

Die Bons von Roche (rot) schneiden auf 12 Monate deutlich schlechter als der SPI (grün) ab (Quelle: www.cash.ch)

Erst im April auf den amerikanischen Markt gebracht, trug das Präparat im zweiten Quartal bereits mit 191 Millionen Dollar zum Konzernumsatz bei. Und Erhebungen der Nachrichtenagentur zufolge hat sich der Absatz mit Ocrevus im Juli trotz einer geringeren Anzahl Werktage weiter beschleunigt.

Das ist auch bei Goldman Sachs nicht unbemerkt geblieben. Der für die amerikanische Investmentbank tätige Pharmaanalyst gibt sich denn auch zuversichtlich, dass Ocrevus im laufenden Jahr die bei umgerechnet 400 Millionen Franken liegenden Markterwartungen in den Schatten stellt. Er selber rechnet mit 720 Millionen Franken und sieht den Umsatzbeitrag bis in drei Jahren gar auf 4,6 Milliarden Franken anschwellen.

Es überrascht deshalb nicht, dass die Genussscheine von Roche bei Goldman Sachs mit einem 12-Monats-Kursziel von 335 Franken auf der "Conviction Buy List" stehen.

Mit Gazyva und Tecentriq hat der Pharma- und Diagnostikkonzern neben Ocrevus übrigens zwei weitere Pfeile im Köcher...

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