Schwierige Jahreszeit - Steht dem SMI ein turbulenter Herbst bevor?

Der cash Insider sieht den Schweizer Aktienmarkt in die wohl schwierigste Zeit des Jahres eintreten und wagt einen Blick auf die SMI-Statistiken der vergangenen zwölf Jahre.
18.08.2017 12:30
cash Insider
Steht dem SMI ein turbulenter Herbst bevor?
Bild: fotolia.com

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In den ersten August-Tagen sprang der Swiss Market Index (SMI) über die Jahreshöchststände vom Juni und stiess in der Folge bis auf 9200 Punkte vor. Wer damals auf dem höchsten Stand seit dem Spätsommer vor zwei Jahren den Mut aufbrachte und Aktien zukaufte, wurde jedoch auf dem falschen Fuss erwischt. Rückblickend haben die Bären ihre "Bullen-Falle" geschickt gestellt...

...denn der verbale Schlagabtausch zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un war nur einer mehrerer Auslöser für eine längst überfällige Korrektur.

Grundsätzlich gehen die Aktienmärkte jeweils im Spätsommer in eine für gewöhnlich von starken Kurs- und Stimmungsschwankungen begleitete Phase über. Nicht nur am hiesigen Markt gelten die Monate August bis Oktober als die wohl schwierigste Zeit des Jahres.

Ich habe mich deshalb in den letzten Tagen eingehend mit den saisonalen Verhaltensmustern des SMI beschäftigt. Was auf den ersten Blick auffällt: Gerade die Monate September und Oktober waren in den vergangenen zwölf Jahren besser als ihr Ruf.

Für September errechnet sich seit 2005 eine durchschnittliche Kursavance von 0,65 Prozent, für Oktober immerhin eine von 0,58 Prozent. Seinem Ruf als schwacher Monat macht einzig der August alle Ehre. In den vergangenen zwölf Jahren resultierte im Schnitt ein leichtes Minus.

Den stärksten Rückgang in einem August verbuchte das Börsenbarometer vor zwei Jahren, als es um 6,4 Prozent zurückfiel. Als belastend erwiesen sich damals die beiden Indexschwergewichte Roche und Novartis. Die Angst vor einer schmerzhaften Gesundheitsreform unter der damals als aussichtsreich geltenden Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton setzte den Valoren der beiden Pharmakonzerne aus Basel sichtlich zu.

Negativ zu Buche schlug auch der von Juni bis Mitte August 2011 beobachtete Rückschlag. Wirtschaftliche Wachstumsängste bescherten dem SMI innerhalb von gerade mal zehn Wochen ein sattes Minus von 28 Prozent. Und obschon sich das Börsenbarometer in der zweiten Hälfte August wieder fangen konnte, beendete es den Monat um 4,4 Prozent tiefer.

Interessant ist, dass auf einen schwachen August zwei freundlichere Monate folgten. Eine Ausnahme macht das Jahr 2008, als die Folgen der Finanzkrise nach Europa übergriffen und den SMI im September 8,1 Prozent und im Oktober weitere 7,5 Prozent kosteten. Auf das Gesamtjahr betrachtet errechnete sich ein Minus von fast 35 Prozent.

Der Verlauf des SMI seit Anfang 2009 (Quelle: www.cash.ch).

2016 büsste das Börsenbarometer alleine im Oktober 3,8 Prozent ein, nachdem ein Wahlsieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump immer wahrscheinlicher schien. Kaum war Trump gewählt, ging es dann allerdings kräftig nach oben. Das während den Präsidentschaftswahlen versprochene Infrastrukturprogramm blieb der Republikaner bis heute genauso schuldig wie die in Aussicht gestellten Steuererleichterungen für Unternehmen.

Der August ist in diesem Jahr zwar erst drei Wochen alt, dennoch notiert der SMI gut 2 Prozent tiefer als noch Ende Juli. Kritisch wird es, wenn das Börsenbarometer in einer Schlusslesung unter das Zwischentief von Mitte Juni bei 8778 Punkten fällt. Einem weiteren Rückschlag in die Region von 8500 Zählen stünde dann nichts mehr im Wege.

Wer meine Kolumne vom 3. Januar mit dem Titel: "Was sagt die erste Januar-Woche über das Börsenjahr aus? " gelesen hat, der weiss, dass der Schweizer Aktienmarkt tatsächlich saisonalen Verhaltensmustern unterliegt.

Zumindest liess sich damals von der starken ersten Handelswoche ziemlich zuverlässig auf einen guten Börsenjahrgang schliessen - auch wenn das Jahr 2017 erst knapp acht Monate alt ist. Denn noch immer errechnet sich beim SMI seit Jahresbeginn ein Plus von 8 Prozent. Der um die Dividendenabgänge bereinigten SMIC liegt sogar um 13 Prozent über dem Stand von Anfang Januar.
 

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