Setzt die Credit Suisse mit der Dividende aus?

Geht es nach der UBS, müssen die Aktionäre der Erzrivalin Credit Suisse bei der Dividende Abstriche machen - der Käufer des Leonteq-Paktes hat endlich einen Namen - Und: Ist Seitwärts ist das neue Aufwärts?
07.07.2016 12:30
cash Insider
Setzt die Credit Suisse mit der Dividende aus?
Bild: fotolia.com

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Gestern konnten die ausländischen Leerverkäufer endlich die Champagnerkorken fliegen lassen: Nach mehreren erfolglosen Anläufen gelang es ihnen, die Aktien der Credit Suisse in den einstelligen Kursbereich abtauchen zu lassen.

Allerdings währte die Freude nicht lange. Knapp oberhalb von 9,75 Franken war "der Mist gekarrt" und Deckungskäufe setzten ein. Bei Börsenschluss resultierte gerademal noch ein Minus von 1,8 Prozent auf 9,91 Franken.

Berichte über grössere limitierte Verkaufsaufträge in der Region von 9,80 Franken erwiesen sich rückblickend als falsch. Der erhoffte Dammbruch blieb aus. Heute nun erhalten die Valoren der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken durch Spekulationen Auftrieb, wonach der einstige SNB-Präsident Philipp Hildebrand den in die Kritik geratenen Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner ablösen könnte. Auch der frühere Konzernchef Oswald J. Grübel wird als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht.

Die Aktionäre dürfen fürs Erste aufatmen - mehr aber auch nicht. Denn sie sind es, welche früher oder später zur Kasse gebeten werden.

Handlungsbedarf sieht ausgerechnet der für die UBS tätige und hierzulande viel beachtete Bankenanalyst. Obschon man sich bei der Credit Suisse ganz einer Reduktion der kapitalintensiven risikogewichteten Aktiven verschrieben hat, rechnet der Experte über die nächsten Jahre mit einem Anstieg letzterer um 50 Milliarden Franken. Der Grund: Strengere Berechnungsgrundlagen seitens unserer Finanzmarktaufsicht Finma.

Berechnungen des Bankenanalysten zufolge fehlen der Schweizer Grossbank auf längere Sicht rund 5 Milliarden Franken an hartem Eigenkapital. Da diese aber nicht einfach so vom Himmel fallen, erwartet er substanzielle Abstriche bei der Dividendenpolitik.

Konnten die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre in den letzten Jahren zwischen einer Bardividende und einer sogenannten Stockdividende wählen, fällt diese Wahlmöglichkeit in Zukunft womöglich weg. Ein Blick auf das Bewertungsmodell der UBS für die Erzrivalin Credit Suisse lässt sogar die Vermutung zu, dass diese für die Jahre 2016 und 2017 ganz auf eine Dividende verzichtet - und wenn, dann höchstens in Form von Aktien ausschüttet.

Weitere Analysten werden dem Beispiel ihres für die UBS tätigen Berufskollegen folgen und ihre Dividendenerwartungen zusammenstreichen müssen. Das wiederum wäre frisches Wasser auf die Mühlen ausländischer Leerverkäufer. Interessant ist bloss: Trotz aller Vorbehalte rät man bei der Erzrivalin noch immer mit einem 12-Monats-Kursziel von 13 Franken zum Kauf der Aktie der Credit Suisse.

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Das Rätselraten um den Käufer eines kürzlich ausserbörslich herumgereichten Blocks von Leonteq-Aktien (siehe gestrige Kolumne) hat endlich ein Ende: In einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX gibt sich Veraison als neuer Grossaktionär des Anbieters strukturierter Produkte zu erkennen.

Die Beteiligungsgesellschaft, welche vom ehemaligen Sonova-Chef Valentin Chapero mitgegründet wurde, kontrolliert mittlerweile 3,22 Prozent der Stimmen. Veraison ist unter anderem auch an Komax und Ascom beteiligt und für eine aktive Aktionärsrolle bekannt.

Nachdem der einstige Überflieger Leonteq seit dem letzten August im Zuge von Zweifel an der Unternehmensstrategie knapp 80 Prozent seines Börsenwerts eingebüsst hat, ist der heute bekanntgewordene Neuzugang im Aktionariat positiv zu werten. Es bleibt meines Erachtens spannend zu sehen, ob Veraison auch diese Beteiligung weiter ausbaut.

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"Seitwärts ist das neue Aufwärts", so lasse ich mir von alteingesessenen Börsenfüchsen sagen. Und tatsächlich scheint der Schweizer Aktienmarkt in eine Phase eingetreten zu sein, in der das Geldverdienen zur Nebensache geworden ist. Vielmehr steht im Vordergrund, keine Kursverluste erleiden zu müssen.

Bei den im prestigeträchtigen Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen wie Credit Suisse (minus 55 Prozent), UBS (minus 40 Prozent), Adecco (minus 34 Prozent), Aryzta (minus 32 Prozent), Julius Bär (minus 26 Prozent), Richemont (minus 24 Prozent), LafargeHolcim (minus 23 Prozent) und Swatch Group (minus 22 Prozent) können die Aktionäre davon aber bloss träumen.

Anders in New York, wo grosse Investmentbanken und ihre Strategen die Marktakteure auf eine von starken Kursausschlägen begleitete Seitwärtsbewegung einschwören. Angeführt wird dieses Lager übrigens von der mächtigen amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs.

Bleibt bloss zu hoffen, dass es an der amerikanischen Leitbörse nicht sogar zu einem Rücksetzer kommt. Ein solcher würde unserem angezählten Schweizer Aktienmarkt nämlich noch den Rest geben. Die gestrige Herunterstufung europäischer Aktien von "Neutral" auf "Underweight" durch BlackRock, den wohl mächtigsten Vermögensverwalter der Welt, lässt jedenfalls nichts Gutes erahnen - obschon sich diese bereits angekündigt hatte (siehe Kolumne vom 5. Juli).
 

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