Sika, Givaudan und Co. - Wenn «besser als erwartet» nicht gut genug ist

Anleger reagieren unterkühlt auf die eigentlich starken Quartalsumsatzzahlen von Givaudan und Sika. Was das für andere SMI-Firmen bedeuten könnte. - Und: Unpassender Vergleich bei den Basilea-Aktien.
09.04.2019 12:30
cash Insider
Wenn «besser als erwartet» nicht gut genug ist
Bild: fotolia.com

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Mit dem Bauchemiespezialisten Sika und dem Genfer Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan läuten heute Dienstag gleich zwei Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) die Quartalsberichterstattung ein.

Anders als das zuletzt eher verhaltene Wirtschaftsumfeld vermuten liesse, gelang beiden Unternehmen ein beeindruckender Start ins neue Geschäftsjahr. Zu konstanten Wechselkursen steigerte Sika den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um etwas mehr als 7 Prozent, was inmitten der diesjährigen Zielbandbreite von 6 bis 8 Prozent liegt.

Diesem Wachstum steht Givaudan mit einem organischen Umsatzplus von gut 6 Prozent in keinster Weise nach und übertrifft damit die von Analysten erwarteten 4,7 Prozent klar. Erfreulich ist vor allem das prozentual zweistellige Wachstum im Geschäft mit Fein-Riechstoffen. Denn diese gelten als besonders margenstark.

Die Umsatzentwicklung bewegt sich bei Sika zwar "nur" im Rahmen der Erwartungen. Allerdings lässt der Bauchemiespezialist aus Baar durchblicken, dass er die milliardenschwere Übernahme von Parex früher als gedacht integrieren will.

Eigentlich müsste alleine schon das den Aktien einen kräftigen Schub verleihen und sie in die Nähe des bisherigen Rekordhochs aus dem letzten Frühsommer bei 149 Franken steigen lassen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Anleger nehmen ihre Gewinne mit.

Kursentwicklung der Aktien von Givaudan (rot) und Sika (grün) in den letzten Tagen (Quelle: www.cash.ch)

Auch die Valoren von Givaudan haben einen überraschend schweren Stand. Dass das Unternehmen das organische Umsatzwachstum - anders als in der Vergangenheit - nicht länger nach Volumenabsatz und Absatzpreise aufschlüsselt, verleiht den Margenängsten eher noch einmal Auftrieb. Dass Julius Bär das "Hold" lautende Anlageurteil und das Kursziel von 2450 Franken unter positiven Vorzeichen überprüfen will, bleibt ungehört.

Rückblickend hatten sowohl die Aktien von Sika als auch jene von Givaudan im Vorfeld der Veröffentlichung der Quartalsumsatzzahlen einen ziemlich guten Lauf. Die Papiere von Givaudan werden darüber hinaus von Umschichtungen bei den europäischen Chemieaktien belastet. Gerade angelsächsische Grossinvestoren setzten vermehrt wieder auf Unternehmen, die von einem freundlichen Wirtschaftsumfeld profitieren.

Noch lässt sich von den beiden vorliegenden Zahlenkränzen nur schwerlich auf jene der anderen Unternehmen aus dem SMI schliessen - geschweige denn auf die jeweilige Börsenreaktion. Was sich aber sagen lässt: Wenn "besser als erwartet" schon nicht gut genug ist, was braucht es dann, um dem hiesigen Aktienmarkt neue Impulse zu verleihen?

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Seit Jahren fristet Basilea an der Börse ein Mauerblümchen-Dasein. Einst einer der heissesten Übernahmekandidaten der Schweiz, ist es ruhig um den Pharmahersteller aus Basel geworden.

Eigentlich müsste da den nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionären die Erstabdeckung der Aktien mit einer Kaufempfehlung durch Bryan Garnier gerade recht kommen. Vom fairen Wert von 73 Franken leitet sich nämlich ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent ab.

Wie Analyst Victor Floch schreibt, werfen das Antimykotikum Cresemba und das Antibiotikum Zevtera genügend Geld ab, um den Vorstoss ins Geschäft mit Krebstherapien finanzieren zu können. Als am aussichtsreichsten stuft er den kürzlich einlizenzierten Wirkstoff Derazantinib ein. Doch auch die in den eigenen Laboren entwickelten Wirkstoffe BAL101553 und BAL3833 bezeichnet der Analyst als vielversprechend.

Während sich über das kommerzielle Potenzial der Krebswirkstoffe im Guten streiten lässt, finde ich den Vergleich der Basilea-Aktien mit einer "amerikanischen Staatsanleihe mit kostenlosem Aufwärtspotenzial" ziemlich unpassend.

Macht keine Freude: Die Kursentwicklung der Aktien von Basilea über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Unpassend deshalb, weil Floch mit diesem Vergleich in gefährlicher Art und Weise die Risiken herunterspielt. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und bezeichne den Vergleich gar als unseriös. Noch am ehesten hielte die mit 2,75 Prozent verzinste Wandelanleihe von Basilea diesem Vergleich Stand. Doch auch sie weist aus Anlegersicht deutlich höhere Risiken auf.

Bleibt zu hoffen, dass die Börse das komplizierte Geschäftsmodell des Pharmaherstellers irgendwann begreift und endlich wieder etwas Schwung in die Aktienkursentwicklung kommt.

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