Sika, Lonza und Co. - Geballte Charme-Offensive von Schweizer Firmen

Neben Vertretern mehrerer mittelgrosser Unternehmen aus der Schweiz stellen sich in den nächsten Tagen auch jene von Roche und Novartis den Investoren - Und: Ein Vorschlag an die Adresse von ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.
28.05.2018 12:30
cash Insider
Geballte Charme-Offensive von Schweizer Firmen
Bild: fotolia.com

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Zu den Aufgaben eines modernen Konzern- und Finanzchefs zählt auch der Austausch mit Investoren. Viele Unternehmen begeben sich deshalb unmittelbar nach der Veröffentlichung von Quartals- oder Halbjahresergebnissen auf eine Road-Show, wie eine Abfolge mehrerer Treffen mit Investoren auf Neudeutsch auch genannt wird.

Diese Woche stehen gleich mehrere Road-Shows an. Alleine schon die Bank Vontobel begleitet in den kommenden Tagen das "Wer ist wer" unter den mittelgrossen Schweizer Unternehmen auf solche Treffen: Den Baustoffhersteller Sika, den Medizinaltechnikkonzern Ypsomed, den Weltmarktführer Straumann und den Pharmazulieferer Lonza Group.

Kepler Cheuvreux hingegen bereist mit Firmenvertretern des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan die beiden Metropolen London und Edinburgh.

Angesichts dieser Pläne kann man schon fast von einer geballten Charme-Offensive sprechen. Ob die Offensive die erhoffte Wirkung entfaltet und die Aktienkurse bewegt, wird sich zeigen müssen.

Die Aktien von Ypsomed haben schon seit Tagen einen schweren Stand. (Quelle: www.cash.ch)

Denn die Ad-hoc-Publizitätspflicht untersagt es den hiesigen Unternehmen, auf Road-Shows mit bahnbrechenden Neuigkeiten aufzuwarten. Aufschlussreich sind die Aussagen zum Tagesgeschäft aus Anlegersicht aber alleweil.

Gar das Zeug dazu, kommende Woche den Schweizer Aktienmarkt zu bewegen, haben Firmenpräsentationen von Roche und Novartis. Nur einen Tag vor Beginn der alljährlichen Konferenz der American Society of Clinical Oncology, kurz ASCO, stellt sich Roche an der Bernstein Annual Strategic Decisions CEO Conference in New York den Investoren. Am selben Tag ist eine Teilnahme von Novartis an der ebenfalls in New York stattfindenden UBS Best of Europe Conference vorgesehen.

Beim Blick auf die Aktienkursentwicklung müssen gerade Roche und Novartis im Kontakt mit den Investoren noch eine ganze Menge Überzeugungsarbeit leisten. Erst am Freitag sprach die Credit Suisse eine Verkaufsempfehlung für die Genussscheine von Roche aus (siehe "Ein neuer, empfindlicher Tiefschlag für Roche" vom 25. Mai).

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Eine glatte Null - diese Zahl sollten sich langjährige Aktionäre von ABB unbedingt merken. Diese steht nämlich für das organische Umsatzwachstum, das der Industriekonzern zwischen Januar 2010 und dem heutigen Tag erzielt hat.

Milliardenschwere Firmenübernahmen wie Bernecker + Rainer oder zuletzt die Industriesparte von General Electric mögen über das Nullwachstum hinwegtäuschen - aber ganz sicher nicht darüber hinwegtrösten.

Angesichts dieser ernüchternden Bilanz darf man grossen Aktionären wie Cevian Capital und Artisan Partners nicht übelnehmen, wenn sie ihrem Unmut öffentlich Luft verschaffen (siehe "ABB riskiert eine Aktionärsrevolte" vom 6. April).

Ob sich mit dem - ursprünglich von Cevian Capital ins Spiel gebrachten – Verkauf oder der Verselbständigung der Division Power Grids nachhaltig Aktionärswerte schaffen lassen, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Bei aller Amerika-zuerst-Haltung, wird die amerikanische Regierung bei der längst überfälligen Sanierung des Stromnetzes schlichtweg nicht auf die Expertise von ABB verzichten können.

Die Aktien von ABB und ihr ernüchterndes Abschneiden über die letzten 10 Jahre. (Quelle: www.cash.ch)

Noch ist zwar unklar, wie viele Milliarden des angeblich mit zwei Billionen Dollar dotierten Infrastrukturpakets der amerikanischen Regierung ins Stromnetz fliessen. Dennoch fände ich es schade, wenn die in diesem Zusammenhang winkenden Aufträge nicht unter dem Dach der heutigen Mutter bei Power Grids eingehen würden.

Nachholbedarf ortet Simon Toennessen von der Berenberg Bank insbesondere bei der Kommunikation von ABB. Er wünscht sich vom schweizerisch-schwedischen Industriekonzern wieder konkrete Zielvorgaben. Konzernchef Ulrich Spiesshofer und seine Mitstreiter sollen sich diesbezüglich den Rivalen Emerson Electric zum Vorbild nehmen, so schreibt der Analyst.

Emerson Electric macht sich nämlich die Mühe und macht detaillierte Aussagen zur kurz- und mittelfristigen Entwicklung der Absatzmärkte - oft sogar auf einzelne Geschäftsbereiche und Regionen heruntergebrochen.

Etwas mehr Transparenz täte ABB in der Tat nicht schlecht.
 

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