Sind Aktien «ein Muss» wie im Sommer 1999?

Der cash Insider mit den Hintergründen einer gewagten Aktienprognose des für PiperJaffray tätigen Charttechnikexperten. Ausserdem verrät er, wer neben der SNB sonst noch alles Aktien kauft.
17.08.2016 12:30
cash Insider
Sind Aktien «ein Muss» wie im Sommer 1999?
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"We're gonna party like it’s 1999", kreischte schon der erst kürzlich verstorbene amerikanische Sänger und Komponist Prince ins Mikrophon. In einem mir aus Übersee zugehaltenen Kommentar stimmt der Charttechnikexperte von PiperJaffray lauthals in diesen einprägsamen Refrain mit ein.

Und tatsächlich lassen die mächtigen Marktakteure an der Leitbörse in New York seit wenigen Wochen wieder die Champagnerkorken knallen. Auf die Rekordjagd des breit gefassten S&P-500-Index folgen nun auch neue Höchststände bei Dow Jones Industrial Index und Nasdaq Composite Index.

Genau diese Konstellation lässt beim für PiperJaffray tätigen Experten starke Erinnerungen an den Sommer 1999 wach werden. Damals schoss der S&P-500-Index innerhalb weniger Wochen um 13 Prozent nach oben.

Wie dem Kommentar weiter zu entnehmen ist, stieg die Leitbörse in New York nach vergleichbaren Rekorden der drei wichtigsten Aktienindizes in den darauffolgenden 12 Monaten um durchschnittlich 10 Prozent. Da mutet sein Jahresendziel von 2350 Punkten für den S&P-500-Index geradezu konservativ an.

Was der bekannte Charttechnikexperte allerdings nicht schreibt: Auf die Rekordjagd von Ende der Neunzigerjahre folgte bei allen drei Börsenbarometern ein jäher Absturz.

Auch die sehr dünnen Handelsvolumen in New York erwähnt er mit keinem einzigen Wort. Stieg der Appetit auf Aktien früher erst im Zuge neuer Rekorde so richtig, scheint diesmal alles anders.

Fragen werfen zudem die schon seit Monaten zu beobachtenden Aktienverkäufe grosser Marktakteure auf. So weiss der Chefstratege von Merrill Lynch Woche für Woche wieder von neuen milliardenschweren Nettoverkäufen seitens grosser Anlagekunden zu berichten. Mittlerweile belaufen sich diese auf 80 Milliarden Dollar (siehe Kolumnen vom 27. April und 8. August).

Wie eine Strategiestudie aus dem Hause Barclays Capital erahnen lässt, beschränkt sich dieses Phänomen übrigens nicht nur auf den amerikanischen Aktienmarkt und die Grosskunden von Merrill Lynch. Berechnungen der Autoren zufolge wurde weltweit alleine seit Mitte März die astronomische Summe von 128 Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen.

Wie die Experten weiter schreiben, wurde diese Summe durch milliardenschwere Nettokäufe in den Index-Futures, Aktienrückkaufprogramme und aggressive Deckungskäufe mehr als absorbiert.

Seit knapp zwei Wochen ist zumindest eine der mysteriösen Gegenparteien namentlich bekannt: Wie Offenlegungsmeldungen an die mächtige amerikanische Börsenaufsicht SEC verraten, hat alleine die Schweizerische Nationalbank (SNB) in der ersten Jahreshälfte für 20 Milliarden Dollar amerikanische Aktien zugekauft. Das wiederum entspricht gegenüber Ende Dezember einem Ausbau um knapp 50 Prozent.

Bei Apple hielten die Schweizer Währungshüter mit Stichtag von Ende Juni nicht weniger als 15,6 Millionen Aktien im Gesamtwert von 1,7 Milliarden Dollar. Selbst Berkshire Hathaway, die Beteiligungsgesellschaft des legendären Milliardärs Warren Buffett ist nur mit 1,5 Milliarden Dollar am amerikanischen Kultunternehmen beteiligt.

Doch auch dem Zweiergespann bestehend aus der Bank of Japan und dem japanischen Government Pension Investment Fund werden aggressive Aktienkäufe nachgesagt - und das nicht nur an der heimischen Börse.

Dass der Schweizer Aktienmarkt in den vergangenen Wochen nicht zuletzt aufgrund der Rekordjagd in New York zulegen konnte und dort unter anderem die SNB die Fäden zieht, ist an Ironie kaum zu überbieten. Ich befürchte, dass sich die aggressiven Aktienkäufe der Währungshüter eines schönen Tages gleich in zweifacher Hinsicht als Bumerang für die Schweiz erweisen: Zum einen in Form von Kursverlusten auf amerikanischen Aktienbeständen und zum anderen in Form negativer Vorgaben für unseren heimischen Aktienmarkt.

Denn die Börsenweisheit "Hustet die Leitbörse in New York, verschlägt es den Schweizer Aktienmarkt mit einer Grippe ins Bett" hat bis zum heutigen Tag ihre Gültigkeit - so abgekaut sie auch sein mag.

 

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