Sind diese Schweizer Aktien wirklich «Rohdiamanten»?

Goldman Sachs bezeichnet die Aktien von Adecco, Dufry und Flughafen Zürich als «Rohdiamanten» - Und: Nun wirft bei Logitech auch noch der letzte bislang negativ gestimmte Analyst das Handtuch.
28.10.2016 12:30
cash Insider
Sind diese Schweizer Aktien wirklich «Rohdiamanten»?
Bild: fotolia.com

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Selbst alteingesessene Börsenfüchse bezeichnen die Situation am Schweizer Aktienmarkt als unberechenbar. Selten zuvor war das Handelsgeschehen selektiver, die Kluft zwischen den beliebtesten und den unbeliebtesten Aktien grösser. Ein Traum für die Marktakteure, die auf die richtigen Unternehmen setzen - ein nicht enden wollender Albtraum für alle anderen.

Allerdings zeichnet sich schleichend ein Favoritenwechsel ab (siehe Kolumne vom Mittwoch), wie die Aktionäre des Überfliegers U-Blox bestätigen werden. Nach einer Ergebnisenttäuschung und einem überraschend vorsichtigen Jahresausblick sind die Aktien des einzigen reinen Vertreters der zukunftsträchtigen "Internet of Things"-Industrie aus der Schweiz in Ungnade gefallen. Die ausserbörslich angebotenen Blöcke lassen vermuten, dass ausländische Momentum-Investoren abschleichen.

Wo diese mächtigen Investoren als nächstes zuschlagen und welches ihre kommenden Favoriten sind, darüber lässt sich bloss spekulieren. Anhaltspunkte liefert ein mir aus London zugespieltes Strategiepapier aus dem Hause Goldman Sachs. Diesem ist eine Aufzählung von Aktien zu entnehmen, die bei der wohl mächtigsten Investmentbank der Welt als "Rohdiamanten" gelten.

Als einziges Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) findet der Stellenvermittler Adecco Einzug in die Aufzählung. Darüber hinaus sind aus Schweizer Sicht der Reisehandelskonzern Dufry sowie die Flughafenbetreiberin Flughafen Zürich vertreten.

Beim Flughafen Zürich von einem "Rohdiamant" zu sprechen, ist allerdings etwas gar verwegen. Das Unternehmen kann auf erfolgreiche Jahre zurückblicken. Folglich sind seine Aktien bei hiesigen Nebenwertefonds schon heute sehr beliebt, was sich in einer stolzen Bewertung widerspiegelt.

Das lässt sich von den Valoren von Dufry nicht sagen. In Schlüsselmärkten wie Brasilien bläst dem Weltmarktführer aus Basel ein eiskalter Wind entgegen. Zwei kurz aufeinanderfolgende milliardenschwere Firmenübernahmen müssen erst einmal verdaut werden. Mit nachhaltig höheren Kursen ist erst dann zu rechnen, wenn der Reisedetailhandelskonzern wieder aus eigener Kraft wachsen kann.

Am aussichtsreichsten scheinen mir die Aktien von Adecco. Übernächste Woche wird sich zeigen, ob sich das Wachstum beim Stellenvermittler im dritten Quartal endlich belebt hat. Die bereits bekannten Zahlenkränze der beiden Rivalen Randstad und Manpower lassen diesbezüglich hoffen.

Interessant ist, dass man auch bei Goldman Sachs in der Schweiz mit Ausnahme von Adecco auf Nebenwerte setzt.

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Spätestens wenn an der Börse alle dasselbe tun, ist für gewöhnlich Vorsicht angebracht. Allerdings ist unklar, ob das auch für die Aktien von Logitech gilt.

Noch bis vor wenigen Wochen waren diese ein beliebtes Ziel ausländischer Leerverkäufer. Ende August liefen Wetten im Umfang von nicht weniger als 13 Prozent aller ausstehenden Titel gegen den Hersteller von Peripheriegeräten aus Lausanne.

Im Zuge eines besser als erwartet ausgefallenen Zahlenkranzes dürften die Leerverkäufer in den letzten Tagen reihenweise das Handtuch geworfen und ihre Wetten eingedeckt haben.

Auch in Analystenkreisen ist man sich mittlerweile überraschend einig: Die Aktien von Logitech sind ein Kauf. Mit dem für J.P. Morgan tätigen Experten stuft heute der letzte Abtrünnige die Papiere zumindest von "Underweight" auf "Neutral" hoch. Das Kursziel gibt er neu mit 24 (18) Dollar an.

Nach mehreren positiven Gewinnüberraschungen in Folge und in Erwartung einer weiteren Erhöhung der firmeneigenen Jahresprognosen hält der Analyst eine Verkaufsempfehlung nicht mehr länger für angebracht. Noch kann er sich aufgrund der starken Kursentwicklung der letzten Wochen und Monate aber nicht zu einer Kaufempfehlung durchringen.

Unter Konzernchef Bracken Darrell kann Logitech zweifelsohne auf einen beeindruckenden Turnaround zurückblicken. Aus dem hässlichen Entlein aus der Westschweiz ist ein stolzer Schwan geworden. Wie bei anderen Nebenwerten aus der Schweiz auch, lässt die mittlerweile stolze Bewertung allerdings keine Enttäuschungen zu. Ich hoffe, dessen ist man sich auch am Hauptsitz in Lausanne bewusst.
 

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