Sind UBS und CS wirklich Vorbilder?

Europäische Grossbanken eifern der UBS und noch viel mehr der CS nach - Geberit riskiert den Status als Börsenliebling - Und: Sind die Aktien von Komax mehr als 140 Franken wert?
14.08.2013 12:30
cash Insider
Sind UBS und CS wirklich Vorbilder?

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Bei den Eigenmittelvorschriften nimmt die Schweiz im internationalen Vergleich eine führende Rolle ein. Dies allerdings nicht nur zum Vorteil für UBS und Credit Suisse. Die beiden Grossbanken müssen ihre Risikoaktiven in Zukunft deutlich stärker mit Eigenkapital unterlegen als ihre im Ausland sitzenden Rivalen.

Bei der Umsetzung der zukünftigen Eigenmittelvorschriften gehen die beiden Unternehmen unterschiedliche Wege. Während die Credit Suisse auf Pflichtwandelanleihen setzt, zögert man bei der UBS aufgrund des damit verbundenen Verwässerungseffekts noch. Die Zurückhaltung der Schweizer Grossbank erklärt sich aber auch mit der zur Credit Suisse unterschiedlichen Zusammensetzung des Eigenmittelbedarfs.

In einem aktuellen Kommentar gibt das französische Bankinstitut Natixis zu bedenken, dass solche Pflichtwandelanleihen die Rettung der UBS durch die Schweizerische Nationalbank hätten verhindern können. Die sogenannten CoCo-Bonds seien nicht zuletzt aufgrund der damaligen Finanzkrise überhaupt erst zu einem Thema geworden.

Von den beiden Schweizer Grossbanken gehe daher eine Vorbild-Funktion für andere europäische Mitbewerber aus. Letztere hätten in der jüngeren Vergangenheit nämlich ebenfalls Gefallen an Pflichtwandelanleihen gefunden. Dies gelte insbesondere für deutsche und französische Grossbanken, so der Verfasser des Kommentars.

Der Experte sieht denn auch Vorteile in einer Umsetzung der zukünftigen Eigenmittelvorschriften mittels CoCo-Bonds. So könne die Eigenkapitalbasis kostengünstig und auf die jeweiligen Risiken zugeschnitten gestärkt werden. Ausserdem würden sich die Pflichtwandelanleihen gut zur Mitarbeiterentschädigung eignen.

Es wird sich zeigen müssen, ob die hierzulande strengeren Eigenmittelvorschriften im internationalen Wettbewerb nicht zu einem Nachteil für Unternehmen wie die UBS oder die Credit Suisse werden. Ich für meinen Teil glaube jedenfalls nicht, dass andere Länder auch nur annähernd mit uns Schweizern mitziehen werden – Pflichtwandelanleihen hin oder her.

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Über die letzten Jahre war Geberit ein Garant für solide Geschäftszahlen und die eine oder andere Ergebnisüberraschung. Auf eine solche wurde am Markt auch im Vorfeld des gestrigen Halbjahresberichts spekuliert. Doch es sollte alles ganz anders kommen.

Zwar konnte das Ostschweizer Sanitärtechnikunternehmen das organische Umsatzwachstum im zurückliegenden zweiten Quartal steigern. Dennoch blieb die Umsatzentwicklung hinter den Markterwartungen zurück. Aufgrund höher als befürchteter Kosten für die Expansion in den Schwellenländern und einem gestiegenen Personalaufwand wurden die Erwartungen sowohl beim EBITDA als auch auf den Stufen EBIT und Reingewinn ziemlich krass verfehlt.

Und auch die von den Firmenverantwortlichen an der Analystenkonferenz vorgebrachten Erklärungen stimmten den Markt nicht versöhnlich. Bei Handelsende hatten die Aktien von Geberit einen Kursverlust von rund 7 Prozent zu beklagen.

Das Unternehmen enttäuschte schon anlässlich der Ergebnisveröffentlichung für das dritte Quartal 2012. Mit der gestrigen Enttäuschung läuft Geberit zunehmend Gefahr, den Status als Börsenliebling zu verlieren. Spätestens dann wäre eine Bewertungskorrektur unumgänglich.

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Am nächste Dienstag wird Komax das Ergebnis für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2013 vorlegen. Im Vorfeld weckt nun auch die Überprüfung der zukünftigen Geschäftsfelder Begehrlichkeiten. Ob man sich am Hauptsitz des Unternehmens in Dierikon zu Bereichsverkäufen durchringen kann, bleibt allerdings fraglich.

Für Aufsehen sorgt heute ein Kommentar der Credit Suisse. Darin zieht der früher für die Bank Sarasin tätige Verfasser positive Rückschlüsse vom soliden Halbjahresbericht des Schlüsselkunden Leoni.

Bei der Credit Suisse werden die Aktien von Komax deshalb weiterhin mit «Outperform» und einem 12-Monats-Kursziel von 130 Franken zum Kauf empfohlen und zu den «Swiss High Conviction Ideas» gezählt. Der Experte beziffert alleine schon den Wert des Kabelgeschäfts auf mindestens 480 Millionen Franken, was mehr als 140 Franken je Aktie entspricht.

Auch nach dem starken Kursanstieg der letzten Wochen und Monate ist daher für Fantasie gesorgt. Ich zähle die Aktien von Komax weiterhin zu meinen Schweizer Aktienfavoriten für das laufende Jahr. Da ich mir nicht sicher bin, ob sich die Firmenverantwortlichen auch wirklich zu Bereichsverkäufen durchringen können, rate ich auf dem aktuellen Kursniveau jedoch vom Aufbau von Neuengagements ab.