SMI auf 10'000 Punkte - Mächtige Investmentbank kürt die «Schweizer Super Sechs»

Die amerikanische Citigroup nennt sechs Schweizer Aktien, die man unbedingt haben muss - Credit Suisse baut bei Meyer Burger kräftig aus - Und: Auf der Suche nach den Gründen für den Kurszerfall bei U-blox.
31.08.2017 12:30
cash Insider
Mächtige Investmentbank kürt die «Schweizer Super Sechs»
Bild: fotolia.com

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Einmal im Monat erstellt die Citigroup eine Länder-Rangliste mit den attraktivsten Börsenplätzen rund um den Globus. Auf dieser Liste belegte der Schweizer Aktienmarkt über die letzten Jahre regelmässig einen der hinteren Plätze. Mitunter ein Grund: Die Dominanz der drei defensiven Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis und damit verbunden die im internationalen Vergleich stolze Bewertung.

In einem mir heute aus Frankfurt zugespielten Strategiepapier schlagen die Autoren der mächtigen amerikanischen Investmentbank überraschend versöhnliche Töne an. Obwohl der Schweizer Aktienmarkt mit einem Anteil von 13 Prozent an den Stoxx Indizes der viertgrösste Markt in Europa sei, mache die Finanzwelt einen grossen Bogen um ihn, so schreiben sie. Die Strategen sehen darin einen zuverlässigen Gegenindikator und trauen dem Swiss Market Index (SMI) über die kommenden 12 Monate einen Vorstoss auf über 10'000 Punkte zu.

Zu diesem Anlass haben die Autoren des Strategiepapiers in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Aktienanalysten eine Liste von sechs Schlüsselkaufempfehlungen mit dem wohlklingenden Namen "die Schweizer Super Sechs" zusammengestellt.

Adecco sind aufgrund der starken Barmittelgenerierung und ihrer am unteren Ende der historischen Bandbreite liegenden Bewertung, LafargeHolcim in Erwartung hoher Synergien und eines dadurch zweistelligen Gewinnwachstums und Roche dank der führenden Stellung in der zukunftsträchtigen Immunonkologie auf der Liste zu finden. Credit Suisse halten hingegen aufgrund der bis zu 25 Prozent über den Konsensschätzungen liegenden Gewinnerwartungen der amerikanischen Investmentbank Einzug auf der Liste, Swisscom warten mit überdurchschnittlich starken Dividendenaussichten auf und Nestlé bestechen mit margenseitigem Verbesserungspotenzial.

Die Bons von Roche (violett) und die Aktien von Nestlé (grün) im direkten Vergleich mit dem SMI (rot) (Quelle: www.cash.ch)

Im Hinblick auf das diesjährige Investorenseminar von Ende September erhöhen die Experten das Kursziel für die Aktien von Nestlé gar auf 93 (bisher 88) Franken. Allerdings warnen sie, dass sich die strategische Neuausrichtung beim Nahrungsmittelkonzern aus Vevey nicht über Nacht ausbezahlt mache und den Aktionären Geduld abverlangen werde.

Wortmeldungen wie jene der für die Citigroup tätigen Strategen gehen aus Schweizer Sicht runter wie Öl. Ob der SMI tatsächlich auf über 10'000 Punkte vorstossen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt geschrieben...

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Über Wochen hinweg wurden Meyer Burger Verhandlungen mit der amerikanischen Tesla nachgesagt. Von einem möglichen Grossauftrag war dabei genauso die Rede wie von einer Technologiepartnerschaft oder gar eine Übernahme durch den Elektroautomobil-Pionier. Diese Spekulationen haben sich allerdings verflüchtigt.

Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hielt das die Fondsgesellschaft der Credit Suisse nicht davon ab, ihre Beteiligung kräftig von 3,18 auf 5,01 Prozent auszubauen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass das Sell-Side-Research der Schweizer Grossbank die Aktien des Solarzulieferunternehmens aus Gwatt in den letzten Jahren über weite Strecken mit "Underperform" zum Verkauf empfohlen hat. Mittlerweile werden die Papiere gar nicht mehr offiziell abgedeckt.

Ich bin deshalb jetzt schon gespannt, ob aus der Beteiligungsnahme bloss ein kurzer Flirt oder aber eine langfristige Beziehung wird.

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U-blox ist der einzige reine Vertreter des "Internets-der-Dinge" aus der Schweiz. Und dem Internet-der-Dinge wird bekanntlich eine grosse Zukunft vorausgesagt. Schon alleine deshalb spielt der Halbleiterhersteller am Schweizer Aktienmarkt in einer eigenen Liga.

Seit dem Frühsommer letzten Jahres stottert der Wachstumsmotor jedoch. Für 2016 wies U-blox gerademal ein Umsatzplus von 6 Prozent aus, nach 25 Prozent im Vorjahr. Das organische Wachstum betrug sogar nur 4 Prozent.

Heute vor einer Woche legte der Halbleiterhersteller den Zahlenkranz für die ersten sechs Monate vor und verfehlte damit die Analystenerwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim Reingewinn teilweise ziemlich deutlich.

Die Aktien von U-blox haben schon seit Monaten einen schweren Stand (Quelle: www.cash.ch)

Nur den beibehaltenen Zielvorgaben für das Gesamtjahr war es zu verdanken, dass die Aktien an jenem Tag um etwas mehr als 11 Prozent nach oben schossen. Ausländische Leerverkäufer hatten kurzerhand kalte Füsse bekommen und in Panik das Handtuch geworfen.

Voreilig, wie wir heute wissen - war das Ganze rückblickend doch bloss ein Strohfeuer. Gestern tauchten die Aktien von U-blox vorübergehend in die Nähe von 160 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

Was die Gründe für diesen Kurszerfall anbetrifft, so mag ich mich erinnern, vor ein paar Tagen in einem Kommentar aus dem Handel der MainFirst Bank auf eine interessante Aussage gestossen zu sein. Im Kommentar stand sinngemäss, dass die Firmenvertreter an einem Treffen mit Analysten keine konkreten Pläne offenbarten, wie sie wieder zu den Wachstumsraten früherer Jahre aufzuschliessen gedenken. Gleichzeitig warnten sie vor einem sich weit in die zweite Jahreshälfte hineinziehenden Druck auf die Bruttomarge. Zuversicht sieht anders aus.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 auf den nächstjährigen Schätzungen sind die Aktien von U-blox noch immer kein Schnäppchen. Wachstum hat an der Börse halt seinen Preis. Bleibt bloss zu hoffen, dass das Unternehmen diesen Wachstumserwartungen in Zukunft auch wirklich gerecht wird.

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