SMI-Dividendenperle - Pessimist bei den Zurich-Aktien in die Knie gezwungen

Ein bekannter Versicherungsanalyst sieht sich bei den renditestarken Aktien von Zurich Insurance zur Kapitulation gezwungen - Und: Die Credit Suisse beweist Mut und rät zum Kauf von Aktien in Schwächen.
17.11.2017 12:30
cash Insider
Pessimist bei den Zurich-Aktien in die Knie gezwungen
Bild: fotolia.com

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Wer nach dem Zwischenbericht für die ersten neun Monate noch Zweifel hegte, dürfte diese spätestens im Zuge des Investorentages von vorgestern über Bord geworfen haben: Anders als noch vor einem Jahr ist die Zurich Insurance Group nicht mehr im Krisenmodus.

Unter Konzernchef Mario Greco erfährt das Tagesgeschäft beim Versicherungskonzern aus Zürich laufend eine Verbesserung. Davon dürften über die Zeit auch die Aktionäre profitieren. Ihnen winken höhere Dividenden, darüber hinaus eventuell sogar ein einmaliger Zustupf.

Zu viel für Philip Kett von Jefferies. Seit einer gefühlten Ewigkeit pessimistisch für die Aktien der Zurich Insurance Group gestimmt, stuft er diese heute überraschend von "Underperform" auf "Hold" herauf. Tief blicken lässt insbesondere die Erhöhung des Kursziels auf 300 (zuvor 236) Franken. Schadenfreude ist immer noch die ehrlichste Freude.

Die Zurich-Aktien kosteten zuletzt wieder weniger als 300 Franken (Quelle: www.cash.ch)

Neuerdings geht nämlich auch Kett über die nächsten Jahre von einer kontinuierlich steigenden Jahresdividende aus.

Weiterhin wenig einsichtig zeigt sich sein Berufskollege Thomas Seidl von Bernstein Research. Er hält selbst nach dem diesjährigen Investorentag an seiner "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung fest. Der Analyst begründet das tiefe Kursziel von 235 (bisher 230) Franken damit, dass er die Reservepolitik des Versicherungskonzerns aus Zürich grundlegend in Frage stellt. Geht es nach Seidl, drohen der Zurich Insurance Group früher oder später schmerzhafte Nachreservierungen.

Damit steht er mittlerweile allerdings ziemlich alleine da. Gut möglich, dass nach der amerikanischen Investmentbank Jefferies weitere pessimistisch gestimmte Banken das Handtuch werfen. Mich würde jedenfalls nicht erstaunen, wenn der Versicherungskonzern im kommenden Frühjahr einen Teil des milliardenschweren Überschusskapitals über eine Sonderdividende an die Aktionäre zurückführt.

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Wer in den letzten Jahren den Mut hatte und selbst kleinste Kursschwächen zum Zukauf von Aktien nutzte, wurde fürstlich entlöhnt. Das zeigt einmal mehr: Panik ist an den Börsen selten ein guter Ratgeber.

Wenn sich die Banken und ihre Strategen ihrer Sache zu sicher werden, ist allerdings auch nicht gut. Auf die jüngste Kursschwäche angesprochen, sehen Experten darin eine weitere Kaufgelegenheit.

Diese Strategie geht solange auf, bis sie eines Tages nicht mehr aufgeht. Und die im kommenden März bereits in ihr neuntes Jahr gehende Aufwärtsbewegung lässt vermuten, dass dieser Tag unaufhörlich näherrückt.

Erst vor wenigen Tagen schrieb ich an dieser Stelle davon, dass die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse den europäischen Aktienindizes im nächsten Jahr zweistellige Kursgewinne voraussagen (siehe "Weshalb UBS und Credit Suisse nur so vor Zuversicht strotzen" vom 15. November).

Im mir zugespielten "Investment Monthly" lassen sich die für die Schweizer Universalbank der Credit Suisse tätigen Autoren in gewisser Weise von dieser Zuversicht treiben. Sie erhöhen ihren taktischen Ausblick für Aktien auf "Positiv" und raten ihrer Anlagekundschaft im Hinblick auf den Jahreswechsel zum "Einstieg in die Rally".

Entwicklung des Swiss Performance Index über die letzten 10 Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Der Fokus liegt - weil gerade "en vogue" - auf Aktien aus der Eurozone und der Schweiz sowie auf solchen von konjunkturabhängigen Wirtschaftszweigen wie beispielsweise den Industriewerten.

Die nächsten Tage werden auch für den Schweizer Aktienmarkt zu einer wichtigen Bewährungsprobe. Setzen nach der gestrigen Gegenbewegung Anschlusskäufe ein oder erweist sich die Kurserholung bloss als ein Strohfeuer? Vermutlich werden wir schon Mitte nächste Woche eine Antwort auf diese Frage haben.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal kurz auf meine Kolumne vom 14. November ("Eine gute und eine schlechte Nachricht für Aktienanleger") und die darin verbaute "Anatomie einer Trendumkehr" am Beispiel der Aktien von Leonteq verweisen.

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