SMI-Schlusslichter - Erste Analysten blasen zur Jagd auf Schnäppchen

Der cash Insider weiss von ersten Kaufempfehlungen für letztjährige SMI-Verlierer wie Adecco oder ABB zu berichten. - Und: Merrill Lynch beweist bei den Aktien von UBS und Credit Suisse Mut.
08.01.2019 12:30
cash Insider
Erste Analysten blasen zur Jagd auf Schnäppchen
Bild: fotolia.com

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Wer im 2018 auf die Aktien von Adecco setzte, verlor viel Geld. Mit einem Minus von 38 Prozent - den Dividendenabgang von Ende April nicht aufgerechnet - wird dem Stellenvermittler die undankbare Rolle des Schlusslichts im Swiss Market Index (SMI) zuteil.

Mehrere Ergebnisenttäuschungen in Folge sowie die Angst vor einer Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinterliessen tiefe Spuren in der Kursentwicklung.

Das ruft nun die UBS auf den Plan. Die Grossbank nimmt eine Branchenstudie zum Anlass, um die Aktien von Adecco von "Neutral" auf "Buy" heraufzustufen. Trotz einer Reduktion der zukünftigen Gewinnschätzungen um bis zu 3 Prozent lautet das 12-Monats-Kursziel neuerdings 52 (zuvor 48) Franken.

Den Studienautoren um Analyst Bilal Aziz zufolge nimmt die Kursentwicklung der letzten 12 Monate mittlerweile gar eine leichte Rezession vorweg. In Erwartung einer organischen Wachstumsbelebung in der zweiten Jahreshälfte raten sie der Anlagekundschaft deshalb schon jetzt zum Einstieg.

Mit einer Rendite von 5,3 Prozent zählen die Aktien von Adecco denn auch zu den dividendenstärksten Vertretern aus dem SMI - vorausgesetzt, der Stellenvermittler hält an der bisherigen Dividendenpolitik fest.

Ähnliches liesse sich über die Valoren von ABB sagen. Mit einem Minus von gut 28 Prozent zählten auch sie im vergangenen Jahr zu den schwächeren Aktien aus dem SMI.

Wie die UBS bei Adecco, versucht die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch heute Dienstag ihr Glück bei ABB. In einer Studie zur europäischen Investitionsgüterindustrie stuft sie die Papiere des Industriekonzerns mit einem Kursziel von 23,50 Franken von "Neutral" auf "Buy" herauf.

12-Monats-Vergleich der Aktien von Adecco (rot) und ABB (grün) mit dem SMI (gelb) (Quelle: www.cash.ch)

Wie die für Merrill Lynch tätigen Studienautoren schreiben, dürfte die geplante Abspaltung des Stromnetzgeschäfts zu einer Vereinfachung der Konzernstruktur sowie zu Kosteneinsparungen führen.

Rückblickend reagierte die Börse überraschend unterkühlt auf die Abspaltungspläne. Das mag auch damit zu tun haben, dass sich einige Analysten einen besseren Verkaufspreis erhofft hatten.

Eigentlich müsste ABB im momentanen Wirtschaftsumfeld vom spätzyklischen Charakter profitieren können. Dass der Industriekonzern fast 20 Prozent weniger wert ist als noch Ende September, sagt allerdings etwas anderes.

Ob die Wetten von UBS und Merrill Lynch auf die letztjährigen Verlierer aus dem SMI aufgehen, wird sich zeigen müssen. Aber wenigstens sprechen die beiden Banken in der Nähe der Mehrjahrestiefstkurse Kauf- und keine Verkaufsempfehlungen aus.

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Nestlé, Roche und Novartis müssten sich und ihr Geschäftsmodell neu erfinden. Das schrieb ich gestern in meiner Kolumne -und zeigte auf, wie unterschiedlich die Grosskonzerne diese Herkulesaufgabe angehen.

Doch nicht nur die drei Schwergewichte aus dem Swiss Market Index (SMI) sind gefordert. Auch die Schweizer Grossbanken müssen über die Bücher. Das Bankgeheimnis stirbt einen langsamen Tod und mit ihm trüben sich die goldenen Zeiten in der Vermögensverwaltung ein. Im Investment Banking sehen sich UBS und Credit Suisse hingegen der geradezu erdrückenden Dominanz mächtiger amerikanischer Rivalen ausgesetzt.

Es überrascht nicht, sind die beiden Unternehmen an der Börse doch bloss noch ein Schatten ihrer selbst. Kosteten die Aktien der UBS einst 75 Franken oder mehr, sind sie mittlerweile für weniger als 13 Franken zu haben. Mit gut 11 Franken trennen die Papiere der Credit Suisse sogar fast 90 Prozent vom Rekordhoch vom August des Jahres 2000 bei 96,50 Franken.

Auch über die letzten 10 Jahre betrachtet ist die Kursentwicklung der Aktien der Credit Suisse ziemlich ernüchternd (Quelle: www.cash.ch)

Selbst die attraktiv hohe Dividendenrendite von 5 Prozent oder der millionenschwere Aktienkauf von Firmenchef Sergio Ermotti wussten den Kursrutsch bei den Aktien der UBS nicht zu verhindern. Und bei der Credit Suisse blieb das Kursfeuerwerk rund um den Investorentag vom Dezember - anders als in den beiden vorangegangenen Jahren - aus.

Der Kurszerfall der letzten Wochen und Monate ruft nun ausgerechnet die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch auf den Plan. Die Papiere von UBS und Credit Suisse seien so günstig wie auf dem Höhepunkt der Euro-Krise vom Frühsommer 2012 nicht mehr, so schreibt Bankenanalyst Andrew Stimpson.

Er streicht seine Gewinnschätzungen für die beiden Schweizer Grossbanken zwar um bis zu 9 Prozent zusammen. Allerdings lässt sich vom neuen Kursziel von 17 (zuvor 20) Franken für die Aktien der UBS beziehungsweise von 16 (zuvor 19) Franken für jene der Credit Suisse noch immer auf ein beachtliches Erholungspotenzial schliessen.

Stimpson zufolge nimmt das momentane Kurs- und Bewertungsniveau einen weiteren Rückschlag an den Aktienmärkten von bis zu 25 Prozent vorweg. Etwas, das der Bankenanalyst als übertrieben erachtet.

Ich muss mich selber bei der Nase nehmen, liess ich mich im Vorfeld des Investorentages doch zu einer Wette auf die Aktien der Credit Suisse hinreissen. Meine Grundsätze zu verraten - nämlich nicht in Bankaktien zu investieren - kostete rückblickend Geld. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen.

An attraktiv hohen Dividenden interessierte Anleger dürften längerfristig in hiesigen Versicherungsaktien wie Swiss Re, Bâloise oder Zurich Insurance Group besser als in den Bankaktien aufgehoben sein.

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