SMI-Schwergewicht - Liebeserklärung aus Paris an Novartis

Aus Paris geht eine Liebeserklärung an Novartis ein. Ein Analyst der Société Générale sieht die Aktien auf neue Höchstkurse vorstossen. - Und: Verkaufen Kunden der Credit Suisse in Stärken Aktien?
12.02.2019 12:30
cash Insider
Liebeserklärung aus Paris an Novartis
Bild: fotolia.com

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Paris gilt als die Stadt der Liebe. Dort befindet sich auch der Hauptsitz der französischen Grossbank Société Générale - dem Arbeitgeber des Absenders einer Liebeserklärung an Novartis.

So und nicht anders liest sich eine mir zugespielte Unternehmensstudie aus der Feder von Florent Cespedes. Darf man dem bekannten Pharmaanalysten Glauben schenken, dann kann der Gesundheitskonzern aus Basel schon ab diesem Jahr erste Früchte aus der strategischen Neuausrichtung ernten. Weil er gleichzeitig die fortgeschrittenen Entwicklungsprojekte für unterschätzt hält, empfiehlt Cespedes die Aktien mit einem Kursziel von nicht weniger als 104 (zuvor 100) Franken zum Kauf. Für die am weitesten fortgeschrittenen Wirkstoffe sagt der Analyst bis in vier Jahren einen Jahresumsatz von 11 Milliarden Dollar vorher. Das wiederum liegt gut 40 Prozent über den Erwartungen anderer Berufskollegen.

Die Novartis-Aktien nähern sich den Mehrjahreshöchstkursen von Anfang Dezember. (Quelle: cash.ch)

Nur Goldman Sachs ist noch optimistischer und sieht die Aktien von Novartis gar auf 110 Franken steigen. Bei der amerikanischen Investmentbank werden die Papiere denn auch auf der "Conviction Buy List" geführt. Dem Swiss Market Index (SMI) würden solche Kurse beim Schwergewicht jedenfalls gut tun.

Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen allerdings, dass ich dem teuer erkauften Vorstoss ins Geschäft mit Gentherapien eher skeptisch gegenüber stehe. Vermutlich werden wir erst in ein paar Jahren wissen, ob sich die milliardenschweren Übernahmen von Avexis, Advanced Accelerator Applications und Endocyte überhaupt bezahlt machen.

Zunächst gilt mein Interesse aber der geplanten Abspaltung von Alcon - sowie der Frage, ob das Basler Mutterhaus und die verselbständigte amerikanische Tochter an der Börse auch wirklich mehr wert sind als die "alte" Novartis.

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Noch bis vor einem Jahr waren Rückschläge am Schweizer Aktienmarkt jeweils nur von kurzer Dauer. Wer in diese Rückschläge hinein Aktien zukaufte, verhielt sich goldrichtig - und wurde fürstlich dafür belohnt.

Ganz so einfach ist das mittlerweile allerdings nicht mehr. Insbesondere ausländische Grossinvestoren treten nicht länger als Käufer in Kursschwächen in Erscheinung. Vielmehr nutzen sie Kursstärken, um sich hierzulande von Aktien zu trennen.

Nur bei den Valoren von Roche und Nestlé machen diese Investoren eine Ausnahme. Wie mir Londoner Quellen berichten, tummeln sich mittlerweile sogar angelsächsische Momentum-Jäger in den beiden Indexschwergewichten - was den Swiss Market Index mit Dividendenkorrektur (SMIC) zuletzt bis auf weniger als 2 Prozent an die Bestmarke vom Januar letzten Jahres vorstossen liess.

Das ändert allerdings nichts daran, dass das Handelsgeschehen selektiv bleibt und von Verunsicherung zeugt. Von einem ungewöhnlich hohen Mass an Verunsicherung berichtet auch die Credit Suisse in einem Strategiepapier. Dabei stützen sich die Autoren um den Chefstrategen Andrew Garthwaite auf eine Umfrage bei Schlüsselkunden ab.

Entwicklung des SMI mit Dividendenkorrektur über die letzten zehn Jahre. (Quelle: cash.ch)

Nachdem die taktische Aktienquote der besagten Kunden gegen Ende Dezember in der Nähe eines 15-Jahre-Tiefs lag, scheint sich die Situation zuletzt wieder etwas normalisiert zu haben.

Den Autoren zufolge geben viele Schlüsselkunden an, Kursstärken zum Verkauf von Aktien nutzen zu wollen. Nicht so recht in dieses Bild passen will, dass nicht weniger als 88 Prozent der Befragten im laufenden Jahr mit steigenden Aktienmärkten rechnen. Deshalb überrascht mich nicht, dass auf diese Worte vorerst noch keine Taten folgen.

Noch viel weniger in dieses Bild passt übrigens, was die Schlüsselkunden der Credit Suisse in Bezug auf die Aktien hiesiger Automobilzulieferer und Banken berichten. Bei beiden Titelkategorien wollen sie die optisch tiefen Kurse nämlich zum Einstieg nutzen. Wenn das mal nicht ebenfalls ein reines Lippenbekenntnis ist...

In meiner Kolumne von gestern Montag berichtete ich von einer mysteriösen Kursschwäche bei angeschlagenen Aktien wie jenen von U-blox, Meyer Burger oder Aryzta. Die besagte Kursschwäche weckt böse Erinnerungen an den vergangenen November - kündigte diese damals doch ein Börsengewitter an.

Wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die zukünftige Gesamtmarktentwicklung erhoffe ich mir einerseits von den Aktien von Meyer Burger, Aryzta und Co., andererseits aber auch von den hiesigen Grossbankaktien wie UBS oder Credit Suisse. Denn alle diese Papiere haben etwas gemeinsam: Sie eignen sich als Vorausindikator für den breiten Markt.
 

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