SMI-Sorgenkind - ABB muss nun liefern

ABB steht in der Pflicht und muss unbedingt einen überzeugenden Zahlenkranz vorlegen. Der cash Insider mit den Hintergründen. - Und: Verliert AMS die Technologieführerschaft bei 3D-Sensoren an einen Rivalen?
03.07.2018 12:30
cash Insider
ABB muss nun liefern
Bild: fotolia.com

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Seit Tagen präsentiert sich den Aktionären von ABB dasselbe zermürbende Bild: Die Papiere des Industriekonzerns aus Zürich flirten mit den Mehrjahrestiefstkursen von Anfang April.

Mit einem Minus von gut 18 Prozent zählen die Aktien zu den schwächsten Vertretern aus dem Swiss Market Index (SMI) in diesem Jahr. Nur die Valoren des Stellenvermittlers Adecco schnitten noch schlechter ab (siehe "Halten sich die Überflieger in den hohen Sphären?" vom 26. Juni).

Ob zu Recht abgestraft oder nicht, das wird der Zahlenkranz für das zurückliegende zweite Quartal zeigen. Allerdings müssen sich die Aktionäre diesbezüglich noch bis zum 19. Juli in Geduld üben.

Seit Jahren warten sie darauf, dass ABB endlich auf den Wachstumspfad zurückfindet - bisweilen vergeblich. Konzernchef Ulrich Spiesshofer und seine Mitstreiter sind an einem Punkt angelangt, an dem sich die Aktionäre nicht mehr länger vertrösten lassen. Sie müssen nun liefern.

Im Hinblick auf die Quartalsergebnisveröffentlichung gehen heute gleich zwei Ausblicke bei mir ein. Der eine stammt aus der Feder von Panagiotis Spiliopoulos, dem Leiter des Aktien-Research bei Vontobel.

Spiliopoulos rechnet in diesem Jahr zwar mit einem anhaltend guten Auftragswachstum und verweist dabei auf das günstige Konjunkturumfeld sowie auf die gesenkte Kostenbasis. Dennoch streicht er seine zukünftigen Gewinnschätzungen um bis zu 7 Prozent zusammen. Dadurch fällt das Kursziel für die mit "Hold" eingestuften Aktien auf 24 (zuvor 25,50) Franken.

Schon seit Wochen haben die ABB-Aktien einen schweren Stand (Quelle: www.cash.ch)

Der andere Ausblick stammt hingegen aus der Feder des für die UBS tätigen Guillermo Peigneux Lojo. Auch er sieht sich gezwungen, seine Annahmen für ABB mit dem Rotstift zu überarbeiten. Seine Umsatzschätzungen für das zweite Quartal liegen um knapp 3 Prozent, die Schätzungen für den bereinigten operativen Gewinn (EBITA) immerhin noch um rund 2 Prozent unter den Prognosen seiner Berufskollegen.

Durch die Anpassungen verringert sich das Kursziel für die Papiere auf 22,50 (zuvor 23,20) Franken. Das Anlageurteil lautet wie bis anhin "Neutral".

Einen Trost gibt es aus Sicht der ABB-Aktionäre - wenn auch einen eher schwachen: Im Zuge der vorliegenden Schätzungsreduktionen wird die Gefahr einer weiteren Ergebnisenttäuschung kleiner.

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Wollen Smartphone-Hersteller ihre Geräte mit 3D-Sensoren ausstatten, kommen sie nicht an AMS vorbei. Denn der Sensorenhersteller aus dem österreichischen Unterpremstätten gilt auf diesem Gebiet als unangefochtener Technologieführer und steuert beispielsweise den 3D-Sensor für die Gesichtserkennung beim iPhone X von Apple bei.

Allerdings ist die Technologieführerschaft nicht in Stein gemeisselt. Denn wie immer, wenn sich mit einem Produkt gutes Geld verdienen lässt, lauern finanzkräftige Rivalen.

Am letzten Donnerstag erhielten die Aktionäre von AMS einen kleinen Vorgeschmack auf das, was ihnen in Zukunft noch drohen könnte: Die bei hiesigen Anlegern beliebten Aktien gerieten unter Verkaufsdruck. Bei Börsenschluss resultierte ein sattes Minus von 9 Prozent.

Seit Wochen ziehen sich angelsächsische Grossinvestoren am Schweizer Aktienmarkt aus allem zurück, was sich in Verbindung mit der Halbleiterindustrie bringen lässt.

Eine Mitschuld trifft auch Vivo Communications Technology. Der chinesische Rivale stellte der Weltöffentlichkeit vergangene Woche die neuste Generation von 3D-Sensoren vor. Auf der sogenannten Time-of-Flight-Technologie basierend, könnte Vivo den westlichen Anbietern mit der neusten Sensorengeneration schon ab dem kommenden Jahr das Wasser abgraben.

Die AMS-Aktien sind weit unter ihr Rekordhoch von Mitte März zurückgefallen (Quelle: www.cash.ch)

Als weiterer Aspirant auf die Technologieführerschaft gilt der amerikanische Rivale Finisar. Erst im Dezember erklärte sich der Grosskunde Apple bereit, den Kaliforniern in der Forschung und Entwicklung mit einer Finanzspritze in Höhe von 390 Millionen Dollar zur Seite zu stehen.

Für ein Wachstumsunternehmen vom Schlag von AMS sind die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als 10 für das kommende Jahr ein Schnäppchen - sofern die ab der zweiten Jahreshälfte erwartete Nachfragebelebung nicht erneut auf sich warten lässt.

Wichtige Anhaltspunkte erhoffe ich mir von den Zielvorgaben für das dritte Quartal. Diese dürfte der Sensorenhersteller gewohnt mit der Veröffentlichung des Zahlenkranzes für das zurückliegende zweite Quartal vom 23. Juli kommunizieren.

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