SNB erhöht die Zinsen frühestens Mitte 2018

Die UBS sieht die Schweizerische Nationalbank frühestens in eineinhalb Jahren zum «courant normal» übergehen - Und: Wie sicher ist die Dividende bei der Swatch Group?
23.11.2016 12:30
cash Insider
SNB erhöht die Zinsen frühestens Mitte 2018
Bild: fotolia.com

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Von wegen ruhige und besinnliche Adventszeit: Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte es in diesem Jahr knüppeldick kommen.

Am 4. Dezember entscheidet Italien über das Verfassungsreferendum. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die vom Parlament bereits verabschiedete Verfassungsreform. Schon heute wetzt die Opposition die Messer, um sich ihres ungeliebten Regierungschefs Matteo Renzi im Falle einer Niederlage zu entledigen. Ein Rücktritt Renzis könnte das Land in eine Krise stürzen und die Forderung nach einem Austritt Italiens aus der EU lauter werden lassen.

Nicht auszudenken, was das für den Franken bedeuten würde. Vermutlich müsste die SNB abermals mit zig Milliarden ins Marktgeschehen eingreifen.

Nur vier Tage später wartet bereits die nächste Bewährungsprobe auf die Schweizer Währungshüter. Dann nämlich steht der letzte geldpolitische Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr an. Eine Verlängerung der Wertpapierkäufe um bis zu sechs Monate gilt schon heute als sicher. Nimmt das Verfassungsreferendum in Italien eine ungünstige Wende, ist selbst eine weitere Leitzinsreduktion kein Tabuthema mehr.

Kursentwicklung des EUR/CHF seit Jahresbeginn; Quelle: www.cash.ch

Die SNB müsste spätestens in der darauffolgenden Woche nachziehen. Erst vor gut einer Woche berichtete ich von einer gewagten Prognose der für Merrill Lynch tätigen Währungsstrategen. Anders als die meisten ihrer Berufskollegen erwarten die Experten einen Befreiungsschlag in Form eines weiteren Zinsschritts (siehe Kolumne vom 14. November).

Nicht mit einer Leitzinsreduktion sondern mit einer -erhöhung rechnen die Ökonomen der UBS. Mit einer solchen rechnen sie allerdings erst im zweiten Quartal 2018 und somit frühestens in eineinhalb Jahren.

Selbst bei einer Verlängerung der Wertpapierkäufe um sechs Monate sehen die Experten die EZB ab Oktober nächsten Jahres auf die Bremse treten. Ab dann werde auch die SNB nach und nach zum "courant normal" übergehen, so geben sie sich überzeugt.

Hätten unsere Währungshüter doch bloss nie den Mindestkurs gegenüber dem Euro aufgegeben. Aktuellsten Schätzungen zufolge musste die SNB seither für knapp 80 Milliarden Franken Fremdwährungen in die Bücher nehmen. Das sind mehr als die 60 Milliarden Franken, die zwischen Anfang September 2012 und Mitte Januar 2015 zur Durchsetzung des Mindestkurses nötig waren.

Ende Oktober hatte die SNB Fremdwährungsreserven im Gegenwert von mehr als 630 Milliarden Franken in ihren Büchern. Von einem "courant normal", wie die UBS ihn in eineinhalb bis zwei Jahren erwartet, sind die Schweizer Währungshüter meilenweit entfernt.

Auch ob eine weitere Leitzinsreduktion im nächsten Monat die richtige Antwort sein wird, ist höchst fraglich. Denn damit würde die SNB nur unnötig die Flucht ins Bargeld anheizen...

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Nach ermutigenden Aussagen von Richemont zum Tagesgeschäft traten die ausländischen Leerverkäufer Anfang dieses Monats auch bei der Swatch Group den Rückzug an. Die Argumente schienen ihnen abhanden gekommen, die Aktionäre der beiden Luxusgüterhersteller aus der Westschweiz für einmal auf der stärkeren Seite.

Gestern nun folgte für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Anteilseigner die nächste kalte Dusche. Entgegen den anders lautenden Erwartungen brachen die Schweizer Uhrenexporte im Oktober um gut 16 Prozent auf 1,68 Milliarden Franken ein. Selbst um die Anzahl Arbeitstage bereinigt resultierte ein sattes Minus von 12 Prozent.

Kursentwicklung der Swatch-Inhaberaktien in den letzten 12 Monaten; Quelle: www.cash.ch

Damit knickte eben jenes zarte und verletzliche Pflänzchen, an das sich die Aktionäre in den vergangenen Wochen mit aller Kraft klammerten.

Noch wird sich die im Oktober beobachtete Nachfrageflaute im laufenden Monat bestätigen müssen. Genauso wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, verhält es sich nämlich auch im umgekehrten Sinne.

Bleibt eine Belebung in den nächsten Wochen und Monaten aus, hätte das gerade bei der Swatch Group eventuell sogar Konsequenzen für die Dividendenpolitik - zumal das Unternehmen derzeit auch noch eigene Aktien zurückkauft. Erst kürzlich machte der für Bernstein Research tätige Verfasser einer Branchenstudie entsprechende Andeutungen. Ich persönlich würde die Situation vorerst jedoch nicht überbewerten.
 

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