SNB-Schock: Diese US-Bank war vorbereitet

Der cash Insider sagt, für welche amerikanische Grossbank der SNB-Schock nicht überraschend kommt. Ausserdem verrät er, weshalb diese beim Franken noch einmal mit einer grösseren Kursbewegung rechnet.
27.01.2015 12:30
cash Insider
SNB-Schock: Diese US-Bank war vorbereitet

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Nach dem überraschenden Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den vor drei Jahren eingeführten Mindestkurs aufzugeben, herrscht noch immer Katerstimmung. Mit ihrer Nacht-und-Nebel-Aktion erwischten unsere Währungshüter die meisten Devisenmarktakteure "contre pied".

Das Nachsehen haben auch unzählige deutsche und französische Kommunen, welche sich in den vergangenen Jahren auf den Rat ihrer Banken hin im Franken verschuldet haben. Ihnen ergeht es nicht viel besser als den Tausenden von privaten Hypothekarschuldnern in den umliegenden europäischen Nachbarländern und in Osteuropa. Innerhalb nur weniger Sekunden ist ihre Schuldenlast substanziell gewachsen.

Sich zwecks Reduktion der laufenden Zinskosten in einer anderen Währung als der eigenen zu verschulden ist eine Spekulation und macht sich halt nicht immer bezahlt. Für mich ist nur schwer nachvollziehbar, wie Banken diese finanziell alles andere als auf Rosen gebetteten Kommunen überhaupt in solch riskante Transaktionen hineintreiben konnten. Das ganze riecht mir schon fast nach systematischer Fehlberatung.

Auf der sicheren Seite dürften hingegen die Kunden von J.P. Morgan sein. Das gilt zumindest für jene, welche dem Rat der für die amerikanische Grossbank tätigen Devisenstrategen gefolgt sind. Die Experten hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an der Geldpolitik der SNB geübt und den Erfolg des Mindestkurses in Frage gestellt.

Die Strategen gingen sogar soweit, dass sie ihrer Kundschaft im letzten April eine Absicherung von Währungsengagements über einjährige Put-Optionen auf den Euro/Franken ans Herz legten. Da man sich an den Devisenmärkten des Erfolgs des Mindestkurses damals fast zu sicher war, kostete diese Absicherung kaum etwas.

Rückblickend ist man immer schlauer, so auch was die Geldpolitik der SNB und den Franken anbetrifft. Bleibt zu hoffen, dass viele Kunden dieser Empfehlung von damals Folge leisteten und für ihre vorsichtige Haltung belohnt wurden.

Interessant ist übrigens, was die amerikanische Grossbank im mir zugespielten Kommentar zur zukünftigen Entwicklung des Frankens schreibt. Geht es nach den Verfassern des Kommentars, dann liegt der Gleichgewichtspreis gegenüber dem Euro bei 1,10 Franken und zum Dollar bei 0,86 Franken.

Wer auf Basis dieser Prognosen Euro kaufen will, sei an dieser Stelle allerdings gewarnt. Denn die Devisenstrategen haben eine Überraschung auf Lager und rechnen für die kommenden Wochen noch einmal mit einem deutlich festeren Franken. Den Euro sehen sie in der Folge bis auf 0,9250 Franken fallen, den Dollar vorübergehend sogar bis auf 0,76 Franken. Bis Ende Jahr werde sich der Euro dann bei 0,98 Franken bewegen. Dem Greenback trauen sie eine Erholung in der Region von 0,85 Franken zu.

Seit dem Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), das Rückkaufprogramm für Forderungsverschreibungen auf Staatsanleihen auszuweiten, sind die Experten von J.P. Morgan für ihre Anlagekundschaft sogar Käufer unseres Frankens.

Diese Empfehlung wird damit begründet, dass der Gleichgewichtspreis den Unterschieden beim Geschäftszyklus nicht gerecht werde. Letzterer gestalte sich für Schweizer Unternehmen weiterhin vorteilhafter als im umliegenden Ausland.

Gleichzeitig lasse die Abkehr der SNB vom Mindestkurs ein vorübergehendes Überschiessen des Frankens zu. In diesem Zusammenhang wird bei den Amerikanern auf die ausstehenden Frankenkredite in Osteuropa verwiesen. Obschon die Kredite nach Rumänien, Ungarn, Polen und Österreich seit dem Rekordhoch von 2009 von 180 auf unter 120 Milliarden Franken reduziert worden seien, seien europaweit noch immer Kredite im Umfang von 300 Milliarden Franken ausstehend. Der jüngste Entscheid der SNB werde zu einer Beschleunigung der Reduktion von Frankenkrediten führen. Als Vorbild diene die ungarische Zentralbank mit ihrer Umtauschaktion für Frankenhypotheken, so sind sich die Devisenstrategen sicher.

Seit gestern kostet der Euro erstmals wieder mehr als einen Franken. Das allerdings nicht zuletzt aufgrund angeblicher Interventionen seitens unserer Währungshüter. Dennoch reagiert der Schweizer Aktienmarkt heute mit einer deutlichen Kurserholung auf die währungsseitige Entspannung.

In was für einem Ausmass unsere Währungshüter gegen die Frankenstärke intervenieren mussten, werden wohl erst die für den 6. Februar anstehenden Statistiken für die Fremdwährungsreserven offenlegen.

Noch muss sich zeigen, ob die Experten von J.P. Morgan mit ihren für die SNB ziemlich ernüchternden Franken-Prognosen richtig liegen. Falls ja, bleibt unsere Wirtschaft stark gefordert. Dasselbe würde dann auch für die in Franken rechnenden Anleger gelten.

Ich selber sehe den Euro in der Region von einem Franken und den Dollar vorläufig bei um die 0,90 Franken einpendeln. Bei einem Eurokurs unter einem Franken dürfte die SNB wieder aktiv werden. Ihr Vorteil ist nun, dass sie nicht mehr länger berechenbar ist und jederzeit mit Interventionen überraschen kann.