SNB übt sich in Schadensbegrenzung

Die für Merrill Lynch tätige Währungsstrategin findet klare Worte für die Situation der Schweizerischen Nationalbank - Und: Verlieren nach ersten Aktienanalysten auch Grossaktionäre die Geduld mit Panalpina?
06.03.2017 12:30
cash Insider
SNB übt sich in Schadensbegrenzung
Bild: fotolia.com

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Wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag in einer Woche die geldpolitische Lagebeurteilung bekannt gibt, dürften erste verlässliche Hochrechnungen zu den Parlamentswahlen in den Niederlanden vorliegen. Hier könnten die europakritischen Kräfte als Sieger aus den Wahlen hervorgehen. Obwohl im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich diesbezüglich bestenfalls von einem Nebenschauplatz gesprochen werden kann, ist die von den Niederlanden ausgehende Signalwirkung für die Finanzmärkte nicht zu unterschätzen.

Gerade amerikanische Grossinvestoren sind bekannt dafür, auf den Verkaufsknopf zu drücken und erst danach Fragen zu stellen - wie man das aus alten Wild-West-Filmen kennt.

Schon seit Wochen häufen sich die Anhaltspunkte für milliardenschwere Fremdwährungskäufe seitens der SNB. Der am Montag bekanntgegebene Stand der Sichteinlagen von Bund und Banken bei der SNB, die als Richtschnur für den Umfang der SNB-Interventionen dienen, bestätigen den Trend. Die SNB musste auch letzte Woche massiv zur Frankenschwächung an den Märkten intervenieren (siehe dazu auch Kolumne vom 23. Februar).

In einem mir aus London zugespielten Kommentar findet die für Merrill Lynch tätige Währungsstrategin klare Worte: Die SNB übt sich schon seit Wochen in Schadensbekämpfung. Ihres Erachtens befindet sich die SNB noch bis zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich vom kommenden Mai zwischen Hammer und Amboss. Die Zeit bis dahin sei lang, um mit Fremdwährungskäufen entgegenzuhalten, so die Autorin des Kommentars.

Die Situation beim EUR/CHF hat sich zuletzt etwas entspannt (Quelle: www.cash.ch)

Eine weitere Leitzinsreduktion sieht die Währungsstrategin nur als letzten Ausweg für die SNB, ist die Schweizer Wirtschaft doch nicht bereit für einen weiteren Zinsschock.

Und obwohl man einen Test der im Zuge des Volksentscheids in Grossbritannien zum Austritt aus der Europäischen Union erlittenen Mehrjahrestiefstkurse von 1,0625 Franken bei Merrill Lynch nicht ausschliesst, rät die mächtige amerikanische Investmentbank ihrer Kundschaft zum Kauf von Euro gegen Franken über Derivate.

Interessant ist, dass die SNB am Freitag angeblich selbst in steigende Kurse hinein zugunsten der europäischen Einheitswährung interveniert hat. Angriff ist die beste Verteidigung, so scheint neuerdings die Direktive.

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Am letzten Donnerstag wurde Panalpina dem zweifelhaften Ruf der "ewigen Baustelle" wieder einmal gerecht. Schon seit Jahren reiht sich beim traditionsreichen Transportunternehmen aus Basel eine Ergebnisenttäuschung an die nächste.

Wie schon Kühne + Nagel wenige Tage zuvor, musste auch Panalpina Probleme im Seefrachtgeschäft einräumen. Anders als beim Rivalen aus der Innerschweiz verhagelte dieser Geschäftsbereich den Baslern so richtig das Schlussquartal.

Einmal mehr erwiesen sich die Turnaround-Hoffnungen einiger Aktienanalysten als voreilig, die Gewinnerwartungen als zu ambitioniert. Viele von ihnen waren im Anschluss an die Jahresergebnispräsentation gezwungen, die Prognosen zünftig mit dem Rotstift zu überarbeiten.

Keine Gnade kennt der für Stifel Nicolaus tätige Luftfrachtanalyst. Er beschränkt sich nicht auf eine Abwärtsrevision seiner Gewinnschätzungen um bis zu 25 Prozent, sondern stuft die Aktien von Panalpina mit einem Kursziel von 105 Franken von "Hold" auf "Sell" herunter.

Wie der Experte schreibt, sorgt die anhaltende Schwäche im Seefrachtbereich zusehends auch beim Unternehmen selbst für eine gewisse Ratlosigkeit. Auch in der schon seit Jahren mit Hoffnungen verbundenen Implementierung der neuen SAP-Software sieht er keine Lösung der Probleme.

Die Aktien Panalpina stecken die Ergebnisenttäuschung überraschend gut weg (Quelle: www.cash.ch)

Doch nicht nur die Analysten, auch die Anleger müssen über die Bücher. Schon seit Jahren gibt sich bei Panalpina das "Wer-ist-Wer" aus der Finanzindustrie die Ehre. Neben der knapp 44 Prozent der Stimmen kontrollierenden Ernst-Göhner-Stiftung gehören auch Cevian Capital und Artisan Partners zu den Schwergewichten im Aktionariat. Diese zwei Finanzinvestoren haben übrigens etwas gemeinsam: Beide sind für ihre aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannt.

Ich bin gespannt, wie lange diese beiden Grossaktionäre dem nicht greifen wollenden Turnaround noch unbeteiligt zuschauen wollen. Irgendwann müsste ihnen - wie zuvor schon dem für Stifel Nicolaus tätigen Experten - der Kragen platzen.

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