So hat sich der Insider im letzten Monat geschlagen

Der cash Insider kann mit seinen Schweizer Aktienfavoriten zum Gesamtmarkt aufschliessen. Er verrät aber auch, weshalb er mit der Entwicklung der letzten Wochen dennoch nicht zufrieden ist.
04.11.2016 12:30
cash Insider
So hat sich der Insider im letzten Monat geschlagen
Bild: fotolia.com

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Dass Modeströmungen an der Börse oft sehr viel länger als angenommen dauern, ist kein Geheimnis. Wie einer meiner geschätzten Leser gerne zu sagen pflegt, verhält es sich an der Börse wie mit einer guten Party: Kommen Sie nicht zu spät und verabschieden Sie sich rechtzeitig.

Denn egal ob bei den Technologieaktien in den 1990er Jahren, dem Höhenflug hiesiger Bank- und Versicherungsvaloren im Vorfeld der Finanzkrise der Jahre 2007/2008 oder dem mehrmaligen Aufbäumen bei den Solaraktien - bisher endete noch jede Modeströmung irgendwann in Tränen.

Nun droht eine weitere Blase zu platzen - und das ausgerechnet am Schweizer Aktienmarkt. Nachdem Aktien wie jene von U-blox oder Straumann in den letzten Jahren den Höhenflug bei den Nebenwerten angeführt haben, neigen sie seit wenigen Wochen zur Schwäche. Dieser ominösen Schwäche fallen übrigens immer mehr der bis anhin bei Anlegern beliebtesten Vertreter aus diesem Titelsegment zum Opfer (siehe auch Kolumnen vom 21. und 26. Oktober).

Dabei spielt sich der Anfang vom Ende einer Modeströmung fast immer nach demselben Muster ab: Ist der Höhepunkt durchschritten, treten nach einem ersten Rückschlag wieder Käufer in Erscheinung. Es handelt sich dabei um Marktakteure, die den Trend verschlafen und auf Einstiegskurse gehofft haben. Ebbt diese Nachfragewelle ohne neue Höchstkurse ab, steht den betroffenen Aktien die eigentliche Bewährungsprobe bevor. Denn ohne neuen Höchstkurse neigen immer mehr Marktakteure der ersten Stunde dazu, ihre teils horrenden Gewinne mitzunehmen.

Noch spiegelt sich die Schwäche nicht in den hiesigen Börsenbarometern wider. Beim breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) notiert der Unterindex für mittelgrosse Unternehmen keine 5 Prozent unter seinem Rekordhoch aus dem letzten Monat. Den Unterindex für kleine Unternehmen trennen sogar nur 3 Prozent von seiner Bestmarke. Die Korrektur hat in diesem Titelsegment erst gerade begonnen. Ausländische Momentum-Investoren warten angeblich geradezu auf Gründe, sich aus den hiesigen Nebenwerten zurückzuziehen.

Dank einer hohen taktischen Barmittelquote von 20 Prozent verringerte sich der Rückstand meiner Schweizer Aktienfavoriten auf den SPI seit der letzten Zwischenbilanz vom 23. September von 3,5 Prozent auf gerade noch 0,7 Prozent. Allerdings ist das ein schwacher Trost, liegt das absolute Minus mittlerweile doch wieder bei 9,4 Prozent.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016*

- 9,4 Prozent

- 8,7 Prozent

* = bis und mit 4. November (Stand: 9.15 Uhr)

Etwas besser schnitten die Mitte Januar kommunizierten Dogs of the SMI ab. Mit diesem dividendenstarken Aktienkorb liess sich seit damals immerhin 4,1 Prozent verdienen und der breite Markt schlagen.

Aktuelle Positionen:

Titel

Anzahl

Einstand

 

akt. Wert

Erfolg

G/V

Barmittel

     

20169.63

   

Zurich N

39

257.00

10023.00

9796.80

-226.20

-2.26%

Basilea N

105

95.30

10006.50

7003.50

-3003.00

-30.01%

OC Oerlikon N

1110

9.01

10001.10

9546.00

-455.10

-4.55%

Roche GS

39

257.40

10038.60

8587.80

-1450.80

-14.45%

Syngenta N

26

380.00

9880.00

10051.60

171.60

+1.74%

UBS Group N

440

14.10

6204.00

5803.60

-400.40

-6.45%

Leonteq N

190

52.85

10041.50

10079.50

38.00

+0.38%

GAM N

1032

9.69

10000.08

9525.36

-474.72

-4.75%

             

Total

     

90563.79

 

-9.40%

"Zurück auf Start" hiess es in den vergangenen Tagen für die Aktien von Leonteq. Der Neuzugang von Mitte Oktober notierte vorübergehend deutlich über dem seinerzeitigen Einstandspreis. Allerdings blieben die Abgaben bei den hiesigen Finanzwerten nicht ohne Folgen für die Valoren des führenden Anbieters strukturierter Produkte. Am 16. November lädt das Unternehmen nach Zürich zum diesjährigen Investorentag. Können die Firmenvertreter an diesem Tag überzeugen, sind höhere Kurse möglich - hat doch die Börse ein bisschen den Glauben an den Erfolg des Geschäftsmodells verloren.

Als enttäuschend muss auch die jüngste Kursentwicklung der Genussscheine von Roche bezeichnet werden. Die Angst vor Preiskonzessionen im Schlüsselmarkt USA ist gross, sollte Hillary Clinton das Rennen um das Amt des Präsidenten für sich entscheiden. Als führender Anbieter von Krebsmedikamenten wäre der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern womöglich direkt davon betroffen. Darüber hinaus wird das Handelsgeschehen auch von einer möglichen Platzierung des von Novartis gehaltenen Roche-Pakets überschattet. In der Kursregion von 220 Franken sollten die Bons nun aber langsam Boden finden.

Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

29.12.2015

LafargeHolcim N

Kauf

200

50.00

CHF

10000.00-

29.12.2015

Credit Suisse N

Kauf

456

21.92

CHF

9995.52-

29.12.2015

Zurich N

Kauf

39

257.00

CHF

10023.00-

29.12.2015

Nestlé N

Kauf

134

74.65

CHF

10003.10-

29.12.2015

Logitech N

Kauf

665

15.05

CHF

10008.25-

29.12.2015

OC Oerlikon N

Kauf

1110

9.01

CHF

10001.10-

29.12.2015

Basilea N

Kauf

105

95.30

CHF

10006.50-

21.01.2016

Roche GS

Kauf

39

257.40

CHF

10038.60-

21.01.2016

Logitech N

Verkauf

665

14.70

CHF

9775.50+

04.02.2016

Syngenta N

Kauf

25

395.90

CHF

9897.50-

05.02.2016

WLHA0V

Kauf

2000

0.32

CHF

640.00-

09.02.2016

Credit Suisse N

Verkauf

456

13.53

CHF

6169.68+

09.02.2016

UBS Group N

Kauf

440

14.10

CHF

6204.00-

09.02.2016

Nestlé N

Verkauf

134

72.55

CHF

9721.70+

17.03.2016

WLHA0V

Verkauf

2000

0.13

CHF

260.00+

06.05.2016

Leonteq N

Kauf

155

64.50

CHF

9997.50-

19.05.2016

Leonteq N

Verkauf

155

59.30

CHF

9191.50+

03.06.2016

SCMAIZ

Kauf

10400

0.24

CHF

2496.00-

03.06.2016

SCMCJB

Kauf

35000

0.07

CHF

2450.00-

06.06.2016

SCMCJB

Verkauf

35000

0.13

CHF

4550.00+

06.06.2016

SCMAIZ

Verkauf

10400

0.07

CHF

728.00+

16.06.2016

Syngenta N

Verkauf

25

382.00

CHF

9550.00+

24.06.2016

GAM N

Kauf

1032

9.69

CHF

10000.08-

19.07.2016

Syngenta N

Kauf

26

380.00

CHF

9880.00-

09.08.2016

LafargeHolcim N

Verkauf

200

49.89

CHF

9978.00+

18.10.2016

Leonteq N

Kauf

190

52.85

CHF

10041.50-

OC Oerlikon muss auf ein enttäuschendes drittes Quartal zurückblicken. Unter Ausklammerung von Umstellungen bei der Verbuchung von Pensionsverpflichtungen liess nicht nur die Umsatz- sondern auch die Gewinnentwicklung zu wünschen übrig. Am Hauptsitz des Industriekonzerns in Zürich hält man indes unbeirrt an den Jahreszielen fest. Ohne eine Belebung im Schlussquartal sind diese aber kaum zu erreichen. Ein kleines Trostpflaster gibt es aus Aktionärssicht trotzdem: Sowohl im Automobilzuliefer- als auch im Textilmaschinengeschäft häufen sich die Anhaltspunkte dafür, dass die Talsohle im Laufe des dritten Quartals durchschnitten wurde. Ich bleibe deshalb bei meiner optimistischen Einschätzung. Als "Wildcard" erachte ich die solide Bilanz beziehungsweise die stetig wachsenden Nettobarmittel.

Gleich zwei wichtige Termine stehen bei der Zurich Insurance Group an: Nächsten Freitag wird der Versicherungskonzern die Neunmonatszahlen vorlegen und unter Beweis stellen müssen, dass der Turnaround greift. Gelingt dieser Beweis, sind noch einmal höhere Kursnotierungen möglich. Dasselbe gilt für den eine Woche später anstehenden diesjährigen Investorentag. Die Angst vor einer Dividendenkürzung scheint mir jedenfalls übertrieben. Ausserdem erhält der neue Konzernchef Mario Greco an diesem Tag erstmals eine Gelegenheit, den Aktionären seine Strategie darzulegen.

Bisherige Dividendenzahlungen:

Datum

Titel

 

Ertrag

03.03.2016

Roche GS

Dividende

315.90

01.04.2016

Zurich N

Dividende

663.00

29.04.2016

Syngenta N

Dividende

275.00

12.05.2016

UBS Group N

Dividende

374.00

17.05.2016

LafargeHolcim N

Dividende

300.00

Basilea wird weiterhin der zweifelhafte Ruf des Sorgenkinds unter meinen Schweizer Aktienfavoriten zuteil. Dem insgesamt soliden Halbjahresergebnis und den zahlreichen Vertriebspartnerschaften für die beiden Schlüsselmedikamente Cresemba und Ceftobiprole zum Trotz zeigt die Kursentwicklung nach unten. Schuld sind nicht zuletzt die Abgaben im Biotechnologiesektor, die die Aktien der kleineren Anbieter überdurchschnittlich stark in Mitleidenschaft ziehen.

Weiterhin für einen Einstieg behalte ich die Aktien von Galenica im Auge. Diese sind in den vergangenen Tagen weit unter die Marke von 1000 Franken gefallen. Und das, obschon die Aktionärsgruppe um Kohlberg Kravis Roberts (KKR) ihre Beteiligung noch immer nicht bei neuen Investoren platziert hat. Erst die Platzierung selber bietet meines Erachtens Gelegenheit, sich beim Gesundheitskonzern aus Bern auf die geplante Unternehmensaufspaltung hin zu positionieren.
 

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