So investiert die UBS am Schweizer Aktienmarkt

Die UBS legt erstmals eine konkrete Strategiestudie für den Schweizer Aktienmarkt vor - Clariant droht eine Ergebnisenttäuschung – Und: Roche macht Lonza einen Strich durch die Rechnung.
14.10.2013 12:30
cash Insider
So investiert die UBS am Schweizer Aktienmarkt

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Erstmals legt die Investmentbank der UBS zu Wochenbeginn ein explizit für den Schweizer Aktienmarkt erstelltes Strategiepapier vor.

Die Schweizer Grossbank rechnet mit einer weiterhin beeindruckenden Entwicklung der Schweizer Wirtschaft. Letztere sei im zweiten Quartal dieses Jahres annualisierte 2,5 Prozent gewachsen und habe die Eurozone aus wirtschaftlicher Sicht in den Schatten gestellt. Insbesondere beim Privatkonsum hebe sich die Schweiz in positiver Weise von vielen anderen europäischen Ländern ab, so ist in der Studie nachzulesen.

Für das laufende Jahr prognostizieren die Volkswirte der UBS ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 1,8 Prozent und für das kommende Jahr sogar eines von 2 Prozent. Diese Prognosen liegen geringfügig über den jeweiligen Konsensschätzungen ihrer Berufskollegen.

Während die anderen europäischen Aktienmärkte 30 Prozent eingebüsst hätten, habe der Schweizer Aktienmarkt seit 2007 um gut 20 Prozent zugelegt. Da sich in der Eurozone eine wirtschaftliche Erholung abzeichne, werde sich das Interesse in Zukunft jedoch auf zyklischere und stärker von der Binnenkonjunktur abhängigere Börsenplätze verlagern.

Aufgrund von branchenspezifischen und regionalen Gegebenheiten sowie aufgrund des zwischen 15 und 20 Prozent liegenden Bewertungsaufschlags, schafft es die Schweiz auf einer von der UBS erstellten Rangliste gerademal auf Platz 8 von 12. Der Schweizer Aktienmarkt dränge sich nur dann auf, wenn es in Europa zu Nachbeben der Schulden- und Bankenkrise komme oder sich die Situation in den Schwellenländern aufzuhellen beginne.

Selektive Kaufgelegenheiten sehen die Strategen mit den Aktien der Erzrivalin Credit Suisse einzig im Finanzsektor, mit jenen von ABB im Investitionsgütersektor und mit den Aktien von Sika im Chemiesektor.

An dieser Stelle sei gesagt, dass sich die UBS mit ihren Einschätzungen und Empfehlungen für den Schweizer Aktienmarkt nicht sonderlich stark zum Fenster hinaus lehnt. Die Strategiestudie deckt sich mehr oder weniger mit der Einschätzung anderer führender Bankinstitute.

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Die Namenaktien von Clariant stehen auch am Montag über weite Strecken unter Verkaufsdruck. Schon am Freitagnachmittag berichteten mir Händler von auffälligen Abgaben, nachdem der Aktienhandel der UBS in einem Kommentar vor höher als erwarteten Währungsverlusten gewarnt hatte.

Dem Kommentar entnehme ich, dass der verantwortliche Analyst nach einem Kontakt mit dem Basler Spezialitätenchemiehersteller neu mit einem negativen Währungseffekt von 5 Prozent für das zurückliegende dritte Quartal rechnet. Zuvor war der Experte von einem währungsseitigen Gegenwind von 2 Prozent ausgegangen.

Im Hinblick auf die Quartalsergebnispräsentation von Ende Monat schätzt die UBS den Überschuss auf Stufe EBITDA neu auf 205 Millionen Franken. Damit liegt die Schweizer Grossbank noch immer leicht über den bei rund 200 Millionen Franken vermuteten Konsensschätzungen. Dennoch schliesst der Verfasser des Kommentars eine Enttäuschung nicht aus, verpasse es Clariant doch, die Skeptiker mit einer Ergebnisüberraschung eines Besseren zu belehren.

In einer heute Morgen erschienenen Unternehmensstudie rät auch die MainFirst Bank der eigenen Anlagekundschaft dazu, bei Clariant die seit Jahresbeginn aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen. Der verantwortliche Analyst stuft die Aktien gleich um zwei Stufen von «Outperform» auf «Underperform» zurück. Trotz einer Abwärtsrevision der zukünftigen Gewinnschätzungen um bis zu 5 Prozent lautet das Kursziel weiterhin 15,50 Franken.

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Zahlreiche prominente Pharmaunternehmen haben die Antikörperproduktion für ihre Medikamente an Lonza ausgelagert. Zu den Grosskunden der Basler zählt auch Roche. Eigenen Angaben zufolge wollen die Firmenverantwortlichen von Roche in den USA und Deutschland allerdings eigene Produktionsanlagen für Antikörper-Konjugate errichten lassen.

Insbesondere vom Brustkrebsmedikament Kadcyla hatte man sich am Hauptsitz von Lonza in Basel in Zukunft wohl grössere Aufträge erhofft. Ähnliches gilt für die übrigen sich noch im Entwicklungsstadium befindlichen Krebsmedikamente, bei welchen Roche in Zukunft zumindest einen Teil der Antikörperproduktion unter dem eigenen Dach vorsieht.

Ich befürchte, dass einige Analysten in der Folge mit dem Rotstift über ihre zukünftigen Umsatz- und Gewinnschätzungen für Lonza gehen müssen. Für gewöhnlich bleiben solche Abwärtsrevisionen nicht ohne Folgen für die Aktienkursentwicklung.