So investiert Norwegens Staatsfonds

Norwegens Staatsfonds nistet sich bei immer neuen Schweizer Unternehmen ein – Verwirrspiel um Meyer Burger - Und: US-Institutionelle entdecken die Aktien wieder.
11.06.2013 12:30
cash Insider
So investiert Norwegens Staatsfonds

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Es vergeht kaum eine Woche, an dem sich Norwegens Staatsfonds nicht bei einem weiteren Schweizer Unternehmen als Aktionär zu erkennen gibt. Man kann dies den Skandinaviern allerdings auch nicht übel nehmen, sind sie mittlerweile doch Herr über Vermögenswerte von nicht weniger als 530 Milliarden Dollar. Und dieses Geld will und muss angelegt werden.

Der Leistungsausweis des norwegischen Staatsfonds der letzten Jahre kann sich sehen lassen. Die Verantwortlichen bewiesen mit ihren Anlagen eine sehr glückliche Hand. Nicht zuletzt dank der hohen Aktienquote erwirtschaftet der Fonds schon seit Jahren überdurchschnittlich hohe Renditen.

Mit der dadurch höheren Risikofähigkeit nimmt auch die Risikobereitschaft der Verantwortlichen zu. Denn nur so lässt sich erklären, wieso sich Norwegens Staatsfonds hierzulande schon seit Wochen ins Aktionariat immer neuer mittelständischer Unternehmen einnistet.

Mittlerweile halten die Skandinavier Beteiligungen von jeweils etwas über 3 Prozent an Nobel Biocare, Clariant, Rieter, Valora, Logitech und der Gategroup. Und seit vergangener Woche ist diese Liste um einen Namen reicher: Nur wenige Wochen nach vollzogener Kapitalerhöhung engagiert sich der norwegische Staatsfonds mit 3,18 Prozent am Solarausrüster Meyer Burger.

Alle diese Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie befinden sich inmitten eines operativen Turnarounds oder in einem Transformationsprozess. Dasselbe gilt im weitesten Sinne auch für die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Auch an ihnen halten die Skandinavier Aktienpakete über jeweils etwas mehr als 3 Prozent.

Ob Norwegens Staatsfonds mit seiner breit abgestützten Wette auf hiesige Turnaround-Kandidaten richtig liegt, wird sich zeigen müssen. Dennoch ist der Einstieg aufgrund des Leistungsausweises der Verantwortlichen so etwas wie ein Ritterschlag für die jeweiligen Unternehmen. Zumindest den Baissiers sollte die immer länger werdende Liste der Beteiligungen zu denken geben.

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Bei den Namenaktien von Meyer Burger färben die positiven Vorgaben aus Übersee heute Dienstag nicht auf die Kursentwicklung ab. Obschon die in New York gehandelten Aktien chinesischer Grosskunden vergangene Nacht mit prozentual zweistelligen Kursavancen aus dem Handel gingen, liegen jene des Berner Solarzulieferunternehmens im Angebot.

Verwirrung stiftet eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX. Wie der Meldung entnommen werden kann, hat der Grossaktionär Vontobel Fonds Services seine Beteiligung auf unter 3 Prozent reduziert.

Nach der kürzlich vollzogenen Kapitalerhöhung hatte sich die Zürcher Privatbank in mehreren Schritten bei Meyer Burger eingekauft und vereinte zeitweise mehr als 6 Prozent der Stimmen auf sich.

Die heute bekannt gewordene Beteiligungsreduktion wirft Fragen in Bezug auf das Motiv von Vontobel Fonds Services auf. Ich vermute, dass man bei der Zürcher Privatbank ganz einfach auf eine technisch bedingte Gegenbewegung im Anschluss an die Kapitalerhöhung spekuliert und diese Spekulation nun geschlossen hat.

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Wie mir schon seit Wochen aus Übersee berichtet wird, haben die amerikanischen Institutionellen die Aktie wieder für sich entdeckt. Diese Berichte werden nun erstmals von JP Morgan bestätigt. Einem mir zugespielten Kommentar des Bankinstituts entnehme ich, dass Pensionskassen und Versicherungen im ersten Quartal erstmals im grossen Stil aus Anleihen in Aktien umgeschichtet haben.

Bei den Pensionskassen sei der Aktienanteil während der ersten drei Monate auf 45 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen, so entnehme ich dem Kommentar weiter. Bei JP Morgan macht man das wieder erwachte Kaufinteresse aus diesem Anlegerlager für die jüngste Hausse am amerikanischen Aktienmarkt verantwortlich.

Nicht nur bei uns, auch in Übersee sind die institutionellen Grossinvestoren trotz langfristigem Anlagehorizont geradezu zu pro-zyklischem Handeln verdammt. Das heisst: In steigende Märkte hinein müssen sie Aktien zukaufen und in schwächere Märkte hinein abbauen. Von daher überrascht mich die von JP Morgan gemachte Beobachtung nicht sonderlich.