So schlug sich der cash Insider im Februar

Der cash Insider blickt auf die Kursentwicklung seiner Schweizer Aktienfavoriten für 2016 und sagt, welchen Aktien er noch so einiges zutraut.
02.03.2016 12:30
cash Insider
So schlug sich der cash Insider im Februar

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"Die Börse macht auch weiterhin keine Gefangenen", so lasse ich mir aus dem Berufshandel sagen. Und tatsächlich: Obschon sich die Wogen etwas geglättet haben, bleibt das Handelsgeschehen bei uns am Schweizer Aktienmarkt überaus selektiv. Während schlechte Neuigkeiten eine Aktie regelrecht in die Tiefe reissen können, werden gute Neuigkeiten mittlerweile mit einem Kursfeuerwerk belohnt. Die Anteilseigner des Winterthurer Traditionsunternehmens Sulzer und des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life aus Zürich wissen vermutlich nur zu gut, von was ich schreibe.

Nicht selten stecken ausländische Leerverkäufer hinter solchen Bewegungen. Entweder bauen sie gezielt Wetten gegen hiesige Unternehmen auf, oder aber sie werden aufgrund der Nachrichtenlage zu Deckungskäufen gezwungen. Auch die Häufung von Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börsenbetreiberin SIX deutet darauf hin, dass unser Aktienmarkt fest in ausländischer Hand ist. So viele Beteiligungsveränderungen ausländischer Grossaktionäre gab es selten zuvor (siehe auch die Kolumne vom 18. Februar). Da verkommen selbst die grossen Pensionskassen und Versicherungen aus der Schweiz zu Statisten.

Nach einer Erholung in der zweiten Hälfte Februar notiert der Swiss Performance Index (SPI) wieder gut 6 Prozent über den Jahrestiefstständen. Seit Jahresbeginn errechnet sich damit allerdings noch immer ein Minus von 9,3 Prozent.

Trotz einer taktischen Barmittelquote von 30 Prozent resultiert bei meinen Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 nach zwei Monaten ein Minus von 9,2 Prozent, was sich mit der Entwicklung des breiten Marktes deckt.

Um einiges besser wussten sich die am 12. Januar kommunizierten Dogs of the SMI zu behaupten. Dieser Aktienkorb, bestehend aus den Aktien von SGS, Swiss Re, Swisscom, UBS und Zurich Insurance Group, büsste gerademal 2,9 Prozent ein.

Offene Positionen:

Titel

Valorennummer

Gewinn/Verlust

LafargeHolcim N

01221405

-20,9 Prozent

Put-Warrant WLHA0V

30767410

-12,5 Prozent

Zurich Insurance N

01107539

-17,3 Prozent

Basilea N

01143244

-25,5 Prozent

OC Oerlikon N

00081682

+8,8 Prozent

Roche GS

01203204

-0,2 Prozent

Syngenta N

01103746

+1,5 Prozent

UBS Group N

24476758

+8,8 Prozent

Das Schlusslicht bilden weiterhin die um 25,5 Prozent tieferen Valoren von Basilea. Erst am Montag legte der Pharmahersteller aus dem Baselbiet ein nicht nur von Licht, sondern auch von Schatten geprägtes Jahresergebnis vor. Positiv sind die Erfolge des Vertriebspartners Astellas mit dem Pilzinfektionsmittel Cresemba in den USA zu werten. Der Eintritt in diesen Schlüsselmarkt kommt gut voran. Im Gegenzug ist die Transformation zu einem vollintegrierten Anbieter mit hohen Kosten verbunden. Mit der randvollen Kriegskasse sind diese "Investitionen in die Zukunft" jedoch ohne Probleme zu stemmen.

Eigenen Angaben zufolge will Basilea bis in drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Das ist zwar etwas später als bislang gedacht, sollte allerdings den Grundstein für eine Neubeurteilung durch den Markt legen. Denn noch immer gehören die Valoren des Unternehmens hierzulande zu den am stärksten leerverkauften Aktien.

Ein Sorgenkind bleibt auch LafargeHolcim. Durch den Zusammenschluss des Ostschweizer Weltmarktführers mit der französischen Nummer zwei ist die Abhängigkeit von den Schwellenländern noch gestiegen. Und die Situation in diesen einst wachstumsträchtigen Ländern ist derzeit bekanntlich alles andere als rosig. Seit Ende Dezember haben die Aktien des Zementherstellers denn auch 20,9 Prozent verloren.

In gut zwei Wochen wird LafargeHolcim das Jahresergebnis vorlegen. Eine weitere Enttäuschung ist nicht auszuschliessen, weshalb ich unbeirrt an der Absicherung über den Put-Warrant WLHA0V (Valorennummer 30767410) festhalte.

Mit der Platzierung des Aktienpakets des einstigen russischen Grossaktionärs Eurocement fällt ein wichtiger Unsicherheitsfaktor weg. Die zukünftige Kursentwicklung ist vor allem davon abhängig, ob es der Geschäftsleitung um Eric Olsen gelingt, Synergien zwischen den beiden Unternehmen erzielen zu können. Auch Fortschritte bei den geplanten Devestitionen sollten über die Zeit zu einer Neubewertung der Aktien führen.

Die Aktien von OC Oerlikon und UBS konnten in den letzten Wochen hingegen Boden gut machen. Seit gestern ist bekannt, dass Brice Koch den in Zürich beheimateten Industriekonzern verlassen wird. Diese Neuigkeit kam an der Börse alles andere als gut an, trägt sie doch die Handschrift des Grossaktionärs Viktor Vekselberg. In der Folge wurden die Papiere mit Kursverlusten abgestraft. Die Oberflächenbehandlung, nicht erst seit der Übernahme von Sulzer Metco das erklärte Kerngeschäft, läuft allerdings gut. Ich traue den Papieren deshalb noch einiges zu.

Transaktionen:

Transaktion

Titel

Gewinn/Verlust

Verkauf

Logitech N (VN 2575132)

-2,3 Prozent

Kauf

Roche GS (VN 1203204)

-0,2 Prozent

Kauf

Syngenta N (VN 1103746)

+1,5 Prozent

Verkauf

Nestlé N (VN 3886335)

-2,8 Prozent

Verkauf

Credit Suisse N (VN 1213853)

-38,3 Prozent

Kauf

UBS N (VN 24476758)

+8,8 Prozent

Etwas zurückhaltender bin ich für die Valoren der UBS. Wie bei den meisten anderen Banken auch, lässt das kürzlich veröffentlichte Jahresergebnis auf Margendruck schliessen. Was die Eigenkapitalbasis anbetrifft, so braucht sich die grössere der beiden Schweizer Grossbanken nicht zu verstecken. Dank dem schon vor Jahren eingeleiteten Rückzug aus dem kapitalintensiven Investment Banking verfügt die UBS anders als andere Rivalen über intakte Dividendenaussichten. Kurzfristig bleiben die Aktien jedoch auf Gedeih und Verderb der Entwicklung des europäischen Bankensektors ausgeliefert.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Papiere von Syngenta zu sprechen kommen. Berechnungen der UBS zufolge müssten diese eigentlich in der Region von 448 Franken liegen. Seit dem späten Montagnachmittag ist zu hören, dass sich zusehends angelsächsische Arbitrageure für den Agrarchemiehersteller aus Basel erwärmen. Begleitet werden diese Berichte von Spekulationen rund um informelle Gespräche zwischen chinesischen und amerikanischen Vertretern am G20-Gipfel von letztem Wochenende (siehe gestrige Kolumne) sowie einer Finanzierungszusage für die geplante Grossübernahme. Mit einem Kursplus von 1,5 Prozent hat sich diese Wette für meine Leserinnen und Leser bislang noch nicht so recht ausbezahlt gemacht.
 

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