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Wäre das Börsengeschehen vom Januar eine Hollywood-Produktion, dann käme diese zweifelsohne als "Thriller" in unsere Kinos. Selten zuvor wurden die Nerven der Anleger derart auf die Probe gestellt.

Vielen Anlegern ist die Lust auf das Börsenjahr 2016 nach wenigen Wochen bereits abhanden gekommen. Verübeln kann man es ihnen nicht, notiert der Swiss Market Index (SMI) doch gut 10 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember. Viele Aktien kamen sogar noch stärker unter die Räder. Die Aktionäre von UBS, Credit Suisse und Julius Bär wissen, wovon ich spreche. Die Aktienkursentwicklung der letzten Wochen dürfte ihnen Tränen in die Augen treiben.

Die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft ist nicht unbegründet. Darf man den Regierungsverantwortlichen in Peking Glauben schenken, dann wächst die dortige Wirtschaft auf das Jahr hochgerechnet zwar noch immer mit 6,9 Prozent. China-Experten zufolge ist das Wachstum allerdings eher in der Region von 2 bis 3 Prozent anzusiedeln - zu wenig, um die im Zuge des unkontrollierten Wachstums vergangener Tage entstandenen strukturellen Ungleichgewichte aufzufangen.

Fast noch erschreckender ist aber, dass die Aktienmärkte der Politik des billigen Geldes zusehends überdrüssig werden. Milliardenschwere Wertpapierkäufe, Negativzinsen - die führenden Zentralbanken stossen immer mehr an ihre Grenzen.

Während eine Ausverkaufswelle rund um den Globus rollte, wusste sich die amerikanische Leitbörse weitestgehend zu behaupten. Die Aktienkurse haben sich von jenen dortiger Ramschanleihen abgekoppelt, was mich ziemlich nachdenklich stimmt. Denn wir wissen nur zu gut: Wenn die Börse in New York hustet, verschlägt es den Schweizer Markt mit einer schweren Erkältung und Fieber ins Bett.

Mitte November warnte ich vor einer schleichenden Börsen-Baisse (siehe Kolumne vom 19. November). Es sei vor allem den drei dividendenstarken Indexschwergewichten Roche, Nestlé und Novartis zu verdanken, dass der SMI noch immer in Reichweite zu den Mehrjahreshöchstständen liege, so schrieb ich damals.

Als ich im Dezember damit begann, meine Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 zusammenzutragen, war mir eines sehr bewusst: Es wird kein einfaches Jahr.

Mit einer taktischen Barmittelquote von 30 Prozent und defensiven Valoren wie jenen von Roche und Nestlé sei es aber getan, so dachte ich. Falsch gedacht.

Die Bilanz ist ernüchternd: Meine Favoriten büssten seit Jahresbeginn durchschnittlich 11,3 Prozent ein und schnitten damit deutlich schlechter als der um 8,8 Prozent schwächere Swiss Performance Index (SPI) ab. Asche über mein Haupt.

Deutlich besser hielten sich übrigens die Dogs of the SMI vom 12. Januar mit einem Minus von 3 Prozent sowie die besten Geschäftsmodelle der Schweiz vom 29. Januar.

Als schwerwiegender Fehler erwiesen sich die Aktien der Credit Suisse. Sie schlugen mit einem satten Minus von 31,8 Prozent zu Buche. Ausserordentliche Goodwill-Abschreibungen auf Donaldson Lufkin & Jenrette, Rückstellungen für hängige Rechtsfälle sowie Restrukturierungskosten kosteten die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken im vergangenen Quartal Milliarden. Doch auch unter Ausklammerung dieser für die Aktionäre kostspieligen Vergangenheitsbewältigung blieb der Zahlenkranz weit hinter den Analystenerwartungen zurück.

Tidjane Thiam liess an der Analystenkonferenz vom Donnerstag keinen Zweifel daran, dass 2016 zu einem Übergangsjahr für die Credit Suisse wird. Die Erwartungen sind mittlerweile jedoch gedämpft, und für eine weitere Kapitalerhöhung besteht aus heutiger Sicht keine Notwendigkeit.

Unter starken Verkaufsdruck gerieten auch die Aktien von Basilea. Dabei standen weniger firmenspezifische Gründe als vielmehr eine von New York ausgehende Branchenschwäche im Vordergrund. Wie schon bei früheren Gelegenheiten gerieten europäische Biotechnologieunternehmen besonders stark unter die Räder.

Mit Cresemba, Ceftobiprole und Toctino hat Basilea inzwischen drei Medikamente auf dem Markt. Das sollte sich für eine erfolgreiche Transformation zu einem vollintegrierten Pharmahersteller als ausreichend herausstellen. Ab dem kommenden Jahr dürfte das Unternehmen erstmals in der noch jungen Firmengeschichte schwarze Zahlen schreiben.

Nicht abreissen wollen die Hiobsbotschaften bei LafargeHolcim. Erst gestern platzierte die Sberbank ein grösseres Aktienpaket des russischen Grossaktionärs Eurocement - vermutlich als direkte Folge der westlichen Sanktionen gegen Russland.

Die Aktionäre des Weltmarktführers für Zement und andere Baustoffe müssen sich noch bis Mitte März in Geduld üben. Erst dann steht das Jahresergebnis zur Veröffentlichung an. In Erwartung einer weiteren Ergebnisenttäuschung und eines vorsichtig formulierten Ausblicks rate ich dazu, diese Aktienposition über einen Put-Warrant abzusichern. Für eine solche Absicherungstransaktion bietet sich beispielsweise der Warrant WLHA0V (Valorennummer 30767410) an.

Überraschend stark entwickelten sich hingegen die Aktien von OC Oerlikon. In der Oberflächenbehandlung, seit der Übernahme von Sulzer Metco das erklärte Kerngeschäft, dürfte das Unternehmen in diesem Jahr aus eigener Kraft um 4 bis 5 Prozent wachsen. Die Frage ist viel eher, wie sich die übrigen Geschäftszweige entwickeln werden, allen voran der Bereich Manmade Fibre. In meinen Augen bleibt OC Oerlikon eine Schweizer Dividendenperle. Und auch wenn einige Analysten das anders sehen: Ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm oder eine Sonderdividende sind noch immer nicht völlig vom Tisch.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf den gestrigen Neuzugang zu sprechen kommen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass man bei Syngenta "das Fell des Bären nicht verteilen sollte, bevor er erlegt ist". Dennoch erachte ich den Kursabschlag zum rechnerischen Übernahmeangebot von ChemChina als übertrieben.

Allen politisch motivierten Widrigkeiten zum Trotz wird die Wahrscheinlichkeit eines Zustandekommens in Expertenkreisen auf 80 bis 90 Prozent beziffert. Vermutlich haben sich die Entscheidungsträger von Syngenta und ChemChina schon vor der Bekanntgabe des Verhandlungsergebnisses einen "Schlachtplan" für die amerikanischen Behörden zurechtgelegt.

Allerdings setze ich bei diesen Aktien bei 382 Franken einen Stop-Loss-Auftrag und rate an dieser Stelle noch einmal entschieden von der Umsetzung über Derivate ab.
 

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