Soll man die Renditeperle Swiss Re wirklich verkaufen?

Die mächtige Citigroup rät zum Verkauf der dividendenstarken Swiss Re Aktien - mutige Kaufempfehlung für die kontrovers beurteilten Aktien von Galenica - Und: OC Oerlikon eröffnet sich eine einmalige Gelegenheit.
18.08.2016 14:30
cash Insider
Soll man die Renditeperle Swiss Re wirklich verkaufen?
Bild: fotolia.com

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Verkäufe aus dem angelsächsischen Raum lassen die Aktien von Swiss Re heute auf den Stand von Anfang August fallen. Schuld ist eine Studie der Citigroup zum europäischen Rückversicherungssektor. Darin stufen die Autoren die Valoren des traditionsreichen Unternehmens aus Zürich mit einem Kursziel von 77 (85) Franken von "Neutral" auf "Sell" herunter. Und um ihrer Verkaufsempfehlung Nachdruck zu verleihen, raten sie ihrer Anlagekundschaft explizit dazu, einen grossen Bogen um die Aktien zu machen.

Die Experten rechnen mit einem beschleunigten Margenrückgang im Nicht-Leben-Geschäft und erwarten, dass sich dieser nur noch bedingt mit Reserveauflösungen auffangen lässt. Mit dieser Begründung reduzieren sie ihre Prognosen für die zukünftige Aktienrückkauftätigkeit von Swiss Re. Neu liegen die Annahmen um durchschnittlich einen Viertel unter denjenigen ihrer Berufskollegen (siehe auch Kolumne vom 10. August).

Wäre das Börsengeschehen eine Partie Monopoly - die Aktionäre von Swiss Re bekämen heute von der Citigroup im übertragenen Sinn die berüchtigte "Zurück auf Start"-Karte gezeigt.

So ganz durchdacht scheint mir die Verkaufsempfehlung durch die mächtige amerikanische Investmentbank allerdings nicht. Schliesslich rechnen ihre Analysten über die nächsten Jahre mit einer kontinuierlich steigenden Jahresdividende. Unter Miteinbezug von Aktienrückkäufen sehen sie so Kapital einer Gesamtrendite von jährlich bis zu 8,7 Prozent entsprechend an die Aktionäre zurückfliessen. Darin liegt womöglich auch der Grund, weshalb die Verkäufe aus dem angelsächsischen Raum mittlerweile recht gut absorbiert werden.

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Es herrscht Krieg in den Aktien von Galenica, so lasse ich mir sagen. Und tatsächlich liefern sich die hiesigen Marktakteure schon seit Tagen einen erbitterten Schlagabtausch mit den vorwiegend ausländischen Leerverkäufern. Kontrovers werden insbesondere die milliardenschweren Übernahmepläne des Berner Gesundheitskonzerns in Übersee beurteilt.

Zumindest in Analystenkreisen ist man sich für einmal überraschend einig: Nehmen die Aktionäre von Relypsa die Barofferte an, droht Galenica auf Jahre hinaus eine substanzielle Gewinnverwässerung. Und das kommt bei den meisten Experten alles andere als gut an.

Die Ausnahme bestätigt die Regel, sagt sich vermutlich die für die Bank am Bellevue tätige Analystin. In einer Unternehmensstudie findet die Autorin ausschliesslich gute Worte für die geplante Milliardenübernahme. So gute, dass sie die Aktien von Galenica sogar mit einem neu 1500 (1470) Franken lautenden Kursziel von "Hold" auf "Buy" heraufstuft.

Selbst dem sich abzeichnenden Ausstieg der Aktionärsgruppe um die amerikanische Private Equity Firma Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR, gewinnt die Analystin noch positive Aspekte ab. Mit der Platzierung der übrigen Aktien werde ein wichtiger Unsicherheitsfaktor wegfallen, so schreibt sie.

Der Zeitpunkt der Kaufempfehlung durch die Bank am Bellevue ist zweifelsohne mutig. Im Mai bekundete die verkaufsbereite Aktionärsgruppe nämlich sichtlich Mühe, Käufer für einen Fünftel des Beteiligungspakets zu finden. Die Folge: Am Tag der Platzierung wurden die Aktien von Galenica mit einem Rückschlag um mehr als 10 Prozent abgewatscht (siehe Kolumne vom 5. August).

Nur wenn die Privat Equity Firma in den nächsten Wochen auf einen Schlag aussteigt, könnte sich ein kurzfristiger Einstieg beim Berner Gesundheitskonzern lohnen.

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Bei den Herstellern von Industriegasen bahnt sich eine transatlantische Hochzeit an. Wie gut informierte Kreise berichten, verhandelt die deutsche Linde mit dem amerikanischen Rivalen Praxair über einen Zusammenschluss unter Gleichen.

Sofern sich die beiden Parteien einig werden und sich die Wettbewerbsbehörden nicht noch quer stellen, könnte das Oberflächentechnologiegeschäft von Praxair zum Verkauf kommen. Das vermutet zumindest der Autor eines Kommentars aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank und nennt mit OC Oerlikon auch gleich einen möglichen Interessenten. Wie er seine Leser wissen lässt, setzten die Amerikaner in diesem Geschäftszweig im vergangenen Jahr bei einer operativen Marge (EBIT) von 16,5 Prozent knapp 600 Millionen Dollar um.

Zwar vergleiche OC Oerlikon die eigene Akquisitionsstrategie gerne mit einer "Perlenkette", so der Experte. Mit anderen Worten: Ein appetitlicher und gut verdaubarer Happen folgt auf den nächsten. Allerdings zeigt er sich zuversichtlich, dass sich die Firmengruppe aus Zürich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen würde.

Spätestens mit dem Kauf von Sulzer Metco hat OC Oerlikon bewiesen, dass man grösseren Übernahmen nicht völlig abgeneigt ist. Ein Kauf des Oberflächentechnologiegeschäfts von Praxair käme einem Quantensprung gleich und würde von der Börse womöglich sehr positiv beurteilt. Letztendlich ist das aber wie immer auch eine Frage des Preises.

 

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