Spekulationen bei Meyer Burger und Barry Callebaut

Der cash Insider weiss von Spekulationen rund um Meyer Burger und Barry Callebaut zu berichten - Und: Liegt der Wert von Cartier über dem, was Anleger für das Mutterhaus Richemont als Ganzes zu zahlen bereit sind?
26.08.2016 12:30
cash Insider
Spekulationen bei Meyer Burger und Barry Callebaut
Bild: fotolia.com

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Sich mit Banken an die wichtigsten Finanzmetropolen zu begeben und vor interessierten Investoren Firmenpräsentationen abzuhalten, gehört heutzutage zum festen Bestandteil der Tätigkeit eines Konzernchefs und seines Finanzchefs.

Doch obschon diese Präsentationen höchst selten kursrelevante Neuigkeiten bergen und die Unternehmensvertreter für gewöhnlich nur so von Zuversicht strotzen, gibt es allenfalls den einen oder anderen verdeckten Hinweis.

Mit überraschend offenen Karten spielte kürzlich Michel Hirschi, der Finanzchef von Meyer Burger, anlässlich einer von der Bank Vontobel organisierten Firmenpräsentation in London. Wie ich einem Kommentar der traditionsreichen Zürcher Bank entnehme, zeigte er sich sichtlich enttäuscht darüber, dass die Refinanzierung für die im Mai nächsten Jahres zur Rückzahlung fällig werdenden Obligationsanleihe noch nicht steht.

Eigenen Angaben zufolge wurde die Bank Rothschild mit der Suche nach Investoren oder einem Überbrückungskredit beauftragt. Eine Analyse der Mandatsträgerin habe ergeben, dass das Interesse bei einem auf Stufe EBITDA ausgeglichenen Ergebnis eigentlich vorhanden sein sollte. Allerdings hätten Investoren selbst nach der Vorveröffentlichung solider provisorischer Eckdaten für die erste Jahreshälfte keine Bereitschaft gezeigt, so Hirschi. Soviel Ehrlichkeit verdient eigentlich Anerkennung.

Wie mir ein Teilnehmer der Firmenpräsentation in London berichtet, habe er die Aussagen des Finanzchefs so verstanden, dass die Bank Rothschild bereits einen Investor an der Angel gehabt habe, dieser dann aber abgesprungen sei.

Diese Spekulationen passen gut zu jenen rund um einen Einstieg des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg bei Meyer Burger (siehe Kolumne vom 25. Juli). Ausserdem kaufte sich nur wenige Wochen zuvor Veraison über die Wandelanleihe beim Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt ein (siehe Kolumne vom 15. Juli). Gut möglich, dass damals auch mit dem Vermögensverwalter Gespräche stattgefunden haben.

Die Refinanzierung der im Mai nächsten Jahres zur Rückzahlung fällig werdenden Obligationsanleihe gestaltet sich bei Meyer Burger schwieriger als gedacht. Kommen erschwerend die zuletzt so stark wie seit 2011 nicht mehr gefallenen Preise für Solar-Panels hinzu. Kenner der Situation berichten von gewaltigen Überkapazitäten, weshalb die Investitionsbereitschaft bei den Kunden des Solarzulieferunternehmens weiterhin eher gering bleiben sollte. Obwohl ich es für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre nicht hoffe, ist eine weitere verwässernde Kapitalerhöhung wieder wahrscheinlicher als noch vor wenigen Wochen.

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Vor etwas weniger als zwei Wochen bewies der bei der UBS für Barry Callebaut verantwortliche Analyst Mut. Nachdem die Kursnotierungen weit über sein 12-Monats-Kursziel von 1100 Franken geklettert waren, stufte er die Aktien des Schokoladeherstellers aus Zürich von "Neutral" auf "Sell" herunter.

Darf man den aus Deutschland eintreffenden Spekulationen Glauben schenken, könnte sich das jetzt aber als ein Fehler erweisen. Denn angeblich soll der amerikanische Grosskunde Mondelez mit einer strategischen Beteiligung an Barry Callebaut liebäugeln.

Im Zuge der Verkaufsempfehlung der UBS sind die Valoren des Schokoladeherstellers zuletzt kräftig von den Höchstkursen zurückgefallen. Weder bei den Derivaten, noch bei den Basiswerten selber gibt es Anhaltspunkte für eine meines Erachtens strategisch eher fragwürdige Beteiligungsnahme durch Mondelez.

Vermutlich versuchen hier gewisse Marktkreise, diesen Aktien mittels gezielt gestreuter Spekulationen frisches Leben einzuhauchen. Dabei kommt ihnen die nicht versiegen wollende Nachfrage nach Nebenwerten jeglicher Couleur gerade gelegen.

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Hohe Wellen wirft heute Freitag ein Kommentar aus dem Aktienhandel der Bank Vontobel. Darin werden Rückschlüsse vom Quartalsergebnis des amerikanischen Rivalen Tiffany auf das Tagesgeschäft der beiden Westschweizer Luxusgüterhersteller Swatch Group und Richemont gezogen.

Bei Richemont beziffert der Verfasser des Kommentars alleine schon den Wert von Cartier auf 30 Milliarden Euro oder 60 Franken je Aktie des Mutterhauses aus Genf - einen Franken mehr als die Anleger zur Stunde für Richemont als Ganzes zu bezahlen bereit sind.

Das Schmuckgeschäft, zu welchem auch die Tochter zählt, trägt auf Konzernebene rund 40 Prozent zum Jahresumsatz und rund 80 Prozent zum operativen Gewinn (EBITDA) bei.

An dieser Stelle sei allerdings gesagt, dass die Bank Vontobel diese Aktien schon seit nahezu drei Jahren unentwegt zum Kauf empfiehlt und damit nicht gerade sehr gut gefahren ist. Mit 75 Franken liegt das offizielle Kursziel denn auch substanziell über den aktuellen Kursnotierungen. Ausserdem ist die Bewertung von Unternehmensteilen immer so eine Sache, liegt sie doch immer auch im Auge des Betrachters...

 

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