Spekulationen um Beteiligungen - Kauft ein Grossaktionär bei ABB kräftig zu?

ABB im Zentrum von Spekulationen rund um angebliche Aktienkäufe eines Grossaktionärs - Leerverkaufsempfehlung gegen Givaudan - Und: Amerikanern vergeht der Appetit auf Lindt & Sprüngli.
07.06.2017 12:30
cash Insider
Kauft ein Grossaktionär bei ABB kräftig zu?
Bild: fotolia.com

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Mühsam haben sich die Aktien von ABB in den vergangenen Tagen wieder in die Nähe der Mehrjahreshöchstkurse von Mitte Mai bei 24,89 Franken herangetastet. Bleiben Anschlusskäufe aus, drohen die Valoren des Industriekonzerns aus Zürich Gewinnmitnahmen zum Opfer zu fallen.

Mit anderen Worten: Es bedarf nun dringend neuer Kursimpulse. Darf man Spekulationen aus dem hiesigen Handel Glauben schenken, dann könnten solche Impulse von einem Beteiligungsausbau des Grossaktionärs Cevian Capital ausgehen.

Der letzten Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX zufolge hält der schwedische Vermögensverwalter 6,2 Prozent der Stimmen. Allerdings geht die Meldung in den Sommer vor zwei Jahren zurück. Da der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen berüchtigte Grossaktionär erst wieder bei einem Überschreiten des Schwellenwerts von 10 Prozent meldepflichtig wird, muss er sich wohl noch für längere Zeit nicht in die Karten blicken lassen.

Zermürbende Kursentwicklung der Aktien von ABB seit 2007 (Quelle: www.cash.ch).

Erst vor wenigen Tagen geriet Cevian Capital mit einer Beteiligungsnahme bei Ericsson in die Schlagzeilen. Daneben hält der Vermögensverwalter substanzielle Aktienpakete an Panalpina, Bilfinger, ThyssenKrupp, Volvo und Danske Bank. Mit einem geschätzten Marktwert von 3,4 Milliarden Franken ist ABB aus Sicht des Grossaktionärs schon heute ein ziemliches Klumpenrisiko, werden die verwalteten Vermögen doch auf umgerechnet 12 Milliarden Franken geschätzt.

Ich kann mir deshalb beim besten Willen nicht vorstellen, dass Cevian Capital beim Industriekonzern aus Zürich weitere Aktien erworben hat oder noch immer zukauft.

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Schon seit Tagen liefern sich die Haussiers bei den renditestarken Aktien von Givaudan einen Schlagabtausch mit den Baissiers. Prominente Unterstützung erhalten Letztere - wie könnte es auch anders sein - von Alliance Bernstein.

Die für ihre Nähe zur amerikanischen Hedgefonds-Industrie bekannte Investmentbank führt die Valoren des Aromen- und Riechstoffherstellers aus Genf auf ihrer 19 Unternehmen starken Liste der "Leerverkaufsempfehlungen aus Überzeugung".

Die Botschaft des für Alliance Bernstein tätigen Analysten ist unmissverständlich: Givaudan droht im weiteren Jahresverlauf nicht nur eine Wachstumsverlangsamung sondern auch einen von höheren Rohmaterialkosten ausgehenden Margendruck.

Beim freien Cashflow - einer für Dividendenperlen wichtigen Grösse - liegen die bankeigenen Schätzungen folglich um 20 Prozent unter den Konsensschätzungen. Das spiegelt sich auch im "Underperform" lautenden Anlageurteil sowie im Kursziel von 1700 Franken wider.

Wichtige Anhaltspunkte verspreche ich mir diesbezüglich von der Halbjahresergebnispräsentation von Mitte Juli. Zumindest bis dahin müssen sich sowohl die Baissiers als auch die Haussiers bei Givaudan noch in Geduld üben.

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Es gab eine Zeit, da liess der Siegeszug unserer Schweizer Schokolade in Nordamerika bei Lindt & Sprüngli so richtig die Kasse klingeln. Um in Übersee schneller Fuss fassen zu können, übernahm das traditionsreiche Confiserieunternehmen im Sommer vor drei Jahren für 1,6 Milliarden Dollar den dortigen Rivalen Russell Stover.

Doch wie ich einem Kommentar aus dem Hause UBS entnehme, scheint den Amerikanern der Appetit auf Süssigkeiten gehörig vergangen zu sein. Erst kürzlich habe die Apothekenkette CVS eine Gesundheitsinitiative ins Leben gerufen, so weiss der Autor zu berichten. Im Zuge dieser mussten an rund 800 der 9700 Verkaufsstellen die kalorienreichen Süssigkeiten im Frontbereich gesünderen Alternativen und Frischprodukten weichen. Bei mehreren hundert Verkaufsstellen sind ähnliche Umstellungen geplant und bloss eine Frage der Zeit.

Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli (rot) im Vergleich mit dem SPI (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Berechnungen des Analysten zufolge setzen Schokoladehersteller in Übersee zwischen 6 bis 11 Prozent ihrer Jahresproduktion über Apothekenketten wie CVS ab. Vermutlich sind Anbieter wie Hershey oder Mars stärker vom Trend in Richtung einer gesünderen Ernährung betroffen als Lindt & Sprüngli. Dennoch lässt man bei der Schweizer Grossbank durchblicken, dass auch das Confiserieunternehmen nicht immun ist.

Sollte die Gesundheitsinitiative von CVS im amerikanischen Detailhandel Nachahmer finden, hätte Lindt & Sprüngli gleich in zweifacher Hinsicht ein Problem: Zum einen würden organische Wachstumsraten von 6 bis 8 Prozent wohl der Vergangenheit angehören und zum anderen könnte sich der seinerzeit für Russell Stover bezahlte Preis rückblickend als zu hoch erweisen.

Ob sich das rekordverdächtig hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35 auf Basis der diesjährigen Gewinnschätzungen der UBS dann noch rechtfertigen liesse, bleibt fraglich.
 

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