Steckt Schmolz+Bickenbach in Verhandlungen?

Steckt Schmolz+Bichenbach in Verhandlungen mit Interessenten? - Analyst rechnet eine Übernahme von Geschäftsaktivitäten von Autogrill durch Dufry durch – Und: Zürcher Privatbank äussert sich negativ zum Franken.
04.02.2013 14:00
cash Insider
Steckt Schmolz+Bickenbach in Verhandlungen?
Bild: cash

In den ersten Januar-Tagen zündeten aggressive Deckungskäufe in den Namenaktien von Schmolz+Bickenbach ein Kursfeuerwerk. Damals hiess es, dass die beiden auf Sanierungsfälle spezialisierten Private-Equity-Gesellschaften Apollo und Triton am Edelstahlhersteller interessiert seien. Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder dementierte die Spekulationen allerdings umgehend.

Heute rücken die Aktien von Schmolz + Bickenbach allerdings wieder ins Zentrum von Übernahmespekulationen. Den Stein ins Rollen bringt ein Kommentar des viel beachteten deutschen Börsenbriefs Platow. Auf Berufung nicht näher genannter Quellen stehe das Unternehmen entgegen den anders lautenden Aussagen vom Januar sehr wohl in Verhandlungen mit den beiden Private-Equity-Unternehmen Apollo und Triton, so ist dem Kommentar zu entnehmen. Offensichtlich habe Zehnder mit dem Dementi bloss versucht, Zeit für die schwierigen Verhandlungen zu gewinnen.

Ende März läuft bei Schmolz + Bickenbach das Stillhalteabkommen mit den Konsortialbanken aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass die kreditgebenden Banken eine Kapitalerhöhung zur Stärkung der Eigenkapitalbasis fordern, ist beträchtlich. Dazu stehen dem Unternehmen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Entweder es bringt die Aktien direkt bei Finanzinvestoren wie den beiden spekulationshalber genannten Private-Equity-Gesellschaften unter. Oder aber die Aktien werden im Rahmen einer Bezugsrechtsemission oder eines Buchbildungsverfahrens platziert.

Ich befürchte, dass die Publikumsaktionäre in jedem Fall als Verlierer dastehen werden. Denn schon in der Vergangenheit machte Schmolz + Bickenbach nicht gerade durch aktionärsfreundliche Kapitaltransaktionen von sich reden. Möglicherweise reagiert der Markt heute deshalb eher verhalten auf die wieder erwachten Spekulationen. Nach einer Stärkung der Eigenkapitalbasis verfügen die Aktien dann allerdings durchaus über Raum für eine Kurserholung.

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Dufry hat sich in den letzten Jahren mit einer recht aggressiven Akquisitionsstrategie einen Namen gemacht. Die letzte Grossübernahme liegt denn auch noch keine vier Monate zurück, als sich das Unternehmen für umgerechnet 243 Millionen Franken eine Mehrheit an der griechischen Folli Follie-Gruppe sicherte.

Gemäss einem Kommentar aus dem Hause UBS könnte sich schon bald eine günstige Übernahmegelegenheit in Italien ergeben. Eigenen Angaben zufolge will die dortige Autogrill den Bereich Travel Retail in eine eigenständige Gesellschaft einbringen.

Dem Verfasser des Kommentars zufolge bleibt unklar, ob für Autogrill auch ein Verkauf dieser Geschäftsaktivitäten in Frage kommt. Aufgrund von Skaleneffekten hält der Experte einen Verkauf des Bereichs Travel Retail sogar für interessanter. Sollten die Geschäftsaktivitäten tatsächlich in den Verkauf kommen, sei Dufry in einer vorteilhaften Position.

Bei einem Transaktionspreis von 1,9 bis 2,3 Milliarden Franken und einer Schuldenübernahme von 850 Millionen Franken müsste der Käufer dem Experten zufolge eine Kapitalerhöhung im Umfang von 50 Prozent der bisher ausstehenden Aktien durchführen. Unter Berücksichtigung des Verwässerungseffekts aus der Emission neuer Aktien und Synergien von 10 Prozent des kombinierten operativen Gewinns sei für Dufry auf Stufe des Gewinns je Aktie eine Verdichtung von bis zu 10 Prozent möglich.

Eine weitere Konzentrationsbewegung bei den Betreibern von Zollfreiwarenverkaufsstellen an Flughäfen sei so gut wie sicher, so der Experte. Denn nur so liessen sich die weltweit steigenden Konzessionsgebühren teilweise auffangen. Sowohl Dufry als auch Autogrill seien auf diesem Gebiet führend und würden sich geografisch gut ergänzen. Dennoch glaubt der Experte, dass eine solche Transaktion durchaus an den unterschiedlichen Interessen oder Preisvorstellungen scheitern könnte. Die Aktien von Dufry werden deshalb vorerst nur mit «Neutral» und einem 12-Monats-Kursziel von 125 Franken eingestuft.

Zwar fallen die Rückschlüsse vom am Donnerstagabend vom französischen Luxusgüterkonzern LVMH veröffentlichten Ergebnis auf die Absatzsituation ermutigend aus. Das ähnlich wie Dufry ausgerichtete Tochterunternehmen DFS erzielte im Schlussquartal ein organisches Umsatzwachstum von 14 Prozent und übertraf damit die bei 9 Prozent liegenden Konsensschätzungen deutlich. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass die organische Umsatzentwicklung bei den Schweizern hinter jenem des Mitbewerbers zurück bleibt. Ausserdem droht Dufry 2013 ein wachstums- und margenseitiges Übergangsjahr. Die Firmenverantwortlichen müssen sich deshalb etwas einfallen lassen. Wieso sollte das Unternehmen also nicht versucht sein, die ähnlich gelagerten Geschäftsaktivitäten von Autogrill zu übernehmen?

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In einem mir aus dem Berufshandel zugespielten Kommentar meldet sich nun auch noch die Bank Vontobel zum Thema Schweizer Franken. Darin schreibt der Verfasser, dass er im laufenden Jahr mit einer kontinuierlichen Umkehrung der «Safe Haven»-Zuflüsse rechne. Den Euro sieht der Devisenstratege deshalb auf einen Zeithorizont von drei Monaten auf 1,26 Franken und auf einen Zeithorizont von 12 Monaten sogar auf 1,29 Franken ansteigen.

Gemäss seinem Modell sei für den Euro sogar ein Wert von 1,33 Franken angebracht. Ein weiterer Rückgang der Risikoprämie im laufenden Jahr – vorausgesetzt, die Schuldenkrise entspanne sich weiter, was er erwarte – würde auf eine weitere Abschwächung des Franken hindeuten. In diesem Fall seien Niveaus von bis zu 1,40 Franken je Euro denkbar.

Für gewöhnlich zieht man zur Berechnung des fairen Wertes eines Währungspaares die sogenannte Kaufkraftparität zwischen zwei Ländern oder Wirtschaftsräumen hinzu. Aufgrund der hierzulande deutlich geringeren Teuerung entwickelte sich die Kaufkraftparität in den letzten Jahrzehnten stets zu Gunsten des Frankens. Darüber, wo diese Kaufkraftparität für den Euro gegen den Franken liegt, scheiden sich derzeit allerdings die Geister. Aus Expertenkreisen höre ich Zahlen zwischen 1,28 und 1,36 Franken.

Ich bleibe bei meiner Meinung, dass sich der Franken in den kommenden Wochen weiter abschwächen dürfte. Die Prognosen aus dem Hause Vontobel erachte ich dennoch als etwas gar aggressiv.