Stehen dem SMI bewegte Wochen bevor?

Der cash Insider sieht den Schweizer Aktienmarkt auf rauhe Gewässer zusteuern und sagt, was Charttechnikexperten für den SMI erwarten - Und: Novartis begeht beim Sorgenkind Alcon einen Tabubruch.
27.05.2016 12:30
cash Insider
Stehen dem SMI bewegte Wochen bevor?

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Von wegen Sommerflaute: Die Zeit zwischen Anfang Mai und Ende August hat es faustdick hinter den Ohren. Ein Blick zurück auf die vergangenen 15 Jahre zeigt: Stärkeren Schwankungen als in den Sommermonaten ist der Swiss Market Index (SMI) zu keiner anderen Jahreszeit ausgesetzt, was sich nicht zuletzt mit dem vergleichsweise dünnen Handel erklären lässt.

Unter dem Strich mussten Anleger sogar Geld liegenlassen. Denn meinen eigenen Berechnungen zufolge verlor das viel beachtete Börsenbarometer in den letzten 10 Jahren jeweils zwischen Anfang Mai und Ende August durchschnittlich 1 Prozent. Erweitert man den Betrachtungszeitraum auf 15 Jahre, errechnet sich sogar ein Minus von 1,4 Prozent.

Den deutlichsten Rücksetzer erlitt der SMI vor 14 Jahren, als er 2002 um 21,2 Prozent einbrach. Doch auch 2011 hatte das Börsenbarometer einen rabenschwarzen Sommer zu beklagen, büsste es doch 16,3 Prozent ein. Zudem fällt auf, dass es alleine in den vergangenen fünf Jahren dreimal im Mai und zweimal im August zu grösseren Rückschlägen kam. So viel zur unbeschwerten Sommerzeit an der Börse.

Fragt man Charttechnikexperten, so wähnen diese das Börsenbarometer in einer Dreiecks-Formation. Diese kündigt für gewöhnlich eine grössere Bewegung an. Eine erste Hürde konnte der SMI mit seiner Rückkehr auf über 8000 Punkte bereits nehmen.

In der "Technical Investment Strategy" von Julius Bär trauen die Autoren dem Börsenbarometer eine Fortsetzung der jüngsten Erholung bis auf 8250 Punkte zu. Dabei verweisen sie auf die relative Stärke gegenüber dem Weltaktienindex der letzten Wochen. Stärkere Widerstandsmarken sehen die Experten erst wieder bei 8640 und 8990 Punkten.

Eine verhaltenere Bilanz ziehen die für Kepler Cheuvreux tätigen Berufskollegen. Sie wähnen den SMI vom unteren Ende des mittelfristigen Abwärtstrendkanals aus in einer Gegenbewegung. Das obere Ende dieses Kanals verlaufe derzeit zwar bei rund 8400 Punkten, sei aber noch immer abfallend, so heisst es. Die Experten glauben nicht, dass das Börsenbarometer nach oben ausbricht.

Meines Erachtens könnte der SMI durchaus bis auf 8560 Punkten steigen und dort das Anfang Januar zwischen 8480 und 8560 Zählern entstandene Luftloch schliessen. Ob er sich auf Dauer über dem bei 8350 Punkten verlaufenden gleitenden Durchschnitt auf 200 Tage etablieren kann, wage ich jedoch zu bezweifeln. Verhält es sich wie in den letzten fünf Jahren, dann steht dem Schweizer Aktienmarkt auch in diesem Jahr während den Sommermonaten wieder ein Rückschlag bevor. Bleibt dieser in den Monaten Mai und Juni aus, könnte dieser bis August auf sich warten lassen.

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Massgeblich zur jüngsten Erholung beim SMI beigetragen hat das Indexschwergewicht Novartis. Am Dienstag und Mittwoch lud der Pharmakonzern aus Basel zum diesjährigen Investorenanlass. Wer ein Festival der Langeweile erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt.

Die am Platzrivalen Roche gehaltene Beteiligung soll noch vor dem Markteintritt des eigenen Biosimilars für das Krebspräparat Rituxan platziert werden, gegebenenfalls zu Marktpreisen und ohne Paketzuschlag. Auch das vor wenigen Jahren in ein Joint-Venture mit GlaxoSmithKline eingebrachte Geschäft mit nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten steht zur Disposition. Das britische Partnerunternehmen signalisierte kürzlich ebenfalls Verkaufsbereitschaft.

Hüst und Hott heisst es hingegen für die Augenheilsparte Alcon. Ende Januar kündigte Novartis tiefgreifende Restrukturierungsmassnahmen und einen Transfer der pharmazeutischen Produkte der Tochter ins Pharmageschäft an. Damals hiess es, dass man beim Mutterhaus zum Sorgenkind stehe.

Am Mittwoch liessen die Basler allerdings durchblicken, dass nach abgeschlossener Restrukturierung auch Alcon zum Verkauf stehen könnte. Vor wenigen Jahren Nestlé und den Publikumsaktionären in mehreren Schritten für rund 50 Milliarden Franken abgekauft, schätzen Analysten den Wert dieser Geschäftsaktivitäten noch auf 15 bis 18 Milliarden Franken.

Macht Novartis tatsächlich Tabula rasa, kämen weitere 13 bis 14 Milliarden Franken für das Roche-Paket und mindestens 12 Milliarden Franken für den Anteil am Joint-Venture mit GlaxoSmithKline hinzu.

Gerade im angelsächsischen Raum sei der Investorenanlass von dieser Woche auf Anklang gestossen, so wird mir berichtet. Das erklärt auch die auffälligen ausserbörslichen Blocktransaktionen der letzten Tage. Nichts kommt bei den renditehungrigen Grossinvestoren aus Übersee besser an, als wenn ein "Gemischtwarenladen ausgemistet wird".
 

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