Steht die Syngenta-Übernahme auf der Kippe?

Der cash Insider weiss von eher verstörenden Entwicklungen rund um die geplante Übernahme von Syngenta durch ChemChina zu berichten - Und: Meyer Burger gefangen in einem Teufelskreis.
10.10.2016 12:30
cash Insider
Steht die Syngenta-Übernahme auf der Kippe?
Bild: fotolia.com

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Die Aktien von Syngenta haben heute Montag über weite Strecken einen schweren Stand. Der Grund: Ein eher verstörender Bericht des chinesischen Wirtschafts-Magazins "Caixin", wonach die Finanzierung der Übernahme durch ChemChina noch immer nicht in trockenen Tüchern sei. Der staatlich kontrollierten Käuferin würden nicht weniger als 15 Milliarden Dollar fehlen, so heisst es unter Berufung auf mit der Firmentransaktion betraute Personen.

Zuerst versperrte sich der Verwaltungsrat monatelang einem Verkauf an den Rivalen Monsanto. Als seitens von ChemChina dann endlich ein angemessenes Barangebot vorlag, legte die amerikanische Politik den beiden heiratswilligen Unternehmen Steine in den Weg. Und obschon diese seit wenigen Wochen ebenfalls aus dem Weg geräumt sind, kommen die alles andere als erfolgsverwöhnten Aktionäre von Syngenta dennoch nicht zur Ruhe.

Allerdings würde ich den aus China eintreffenden Bericht vorerst nicht überbewerten. Spätestens nach dem Zusammenschluss von DuPont mit Dow Chemical und jenem von Bayer mit Monsanto dürfte sich die Regierung in Peking der strategischen Bedeutung der milliardenschweren Übernahme durchaus bewusst sein. Ausserdem bleiben der staatlich kontrollierten ChemChina noch mehrere Monate, die Finanzierung sicherzustellen.

Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass die Wetten gegen die in New York gehandelten Aktien von Syngenta in der zweiten Hälfte September um mehr als 50 Prozent erhöht wurden. Die heutige Kursschwäche kommt den Leerverkäufern deshalb vermutlich gerade recht.

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Während ich auf Zypern mit meiner Familie viel Zeit am Strand verbringen durfte, durchliefen die Aktionäre von Meyer Burger in den vergangenen zwei Wochen einmal mehr ein Wechselbad der Gefühle.

Ende September verordnete sich das finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt ein umfassendes Sparprogramm. Diesem fällt bis Ende Jahr voraussichtlich jede sechste Stelle zum Opfer.

An der Börse hielt die anfängliche Euphorie nicht lange. Meyer Burger spare sich ins Verderben, so der Vorwurf. Diesen schien das Unternehmen gut eine Woche später mit der Bekanntgabe zweier Aufträge für Diamantdrahtsägen im Gegenwert von 15 Millionen Franken entkräften zu wollen. Doch auch diesmal blieb ein grösseres Kursfeuerwerk aus.

Ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern, als dem Berner Solarzulieferer nur Aufträge in dreistelliger Millionenhöhe überhaupt erst eine Pressemitteilung wert waren. Wie das jüngste Sparprogramm erahnen lässt, gehören solche jedoch wohl endgültig der Vergangenheit an.

Denn im Hinblick auf die im kommenden Frühling zur Rückzahlung anstehende Obligationsanleihe ist Meyer Burger in einen gefährlichen Teufelskreis geraten. Um das Interesse neuer Investoren wecken zu können, muss das Unternehmen den Gürtel offensichtlich enger schnallen. Das wiederum schmälert seine Fähigkeit, grössere Bestellvolumen überhaupt noch innerhalb nützlicher Frist abarbeiten zu können. Ausserdem gehen neue Grossaufträge mit Vorabinvestitionen in die Produktion und einer Kapitalbindung beim Umlaufvermögen einher.

Tief lässt diesbezüglich auch die Forderung von Veraison in der Wochenendpresse blicken. Der bekannte Vermögensverwalter hält eine Kapitalerhöhung für unumgänglich. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass Veraison über die im Jahr 2020 fällig werdende Wandelanleihe bei Meyer Burger investiert ist (siehe Kolumne vom 15. Juli). Eine Kapitalerhöhung würde die Stellung des Vermögensverwalters als Anleihengläubiger stärken. Die Zeche hätten einmal mehr die Aktionäre zu zahlen.

 

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