Steigt die Nestlé-Aktie auf 118 Franken?

Ein Branchenexperte sieht Nestlé in Zukunft mit der grossen Kelle anrichten - Und: Die MainFirst Bank feiert den Halbleiterhersteller AMS als heissen Übernahmekandidaten.
18.07.2016 12:30
cash Insider
Steigt die Nestlé-Aktie auf 118 Franken?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Ohne die tatkräftige Mithilfe der Aktien von Nestlé wäre der Swiss Market Index (SMI) in den vergangenen Tagen womöglich wieder unter die magische 8000er-Marke gefallen. Schliesslich ist das Schwergewicht aus der Westschweiz beim Börsenbarometer für jeden vierten Indexpunkt verantwortlich.

Seit Ulf Schneider vor gut zwei Wochen zum Nachfolger von Nestlé-Chef Paul Bulcke nominiert wurde, legte sein zukünftiger Arbeitgeber an der Börse mehr als 20 Milliarden Franken an Wert zu. Noch nie zuvor waren Anleger bereit, so viel Geld für eine Aktie des Nahrungsmittelkonzerns aus Vevey in die Hand zu nehmen.

Gerade im angelsächsischen Raum sind die Analysten richtiggehend aus dem Häuschen. So erstaunt es nicht, dass Schneider in einer mir aus London zugespielten Unternehmensstudie von RBC Capital Markets mit dem vielsagenden Titel "Hungrig wie ein Ulf" in den höchsten Tönen gelobt wird.

Filetstück der Studie sind Berechnungen des Autors, wonach die als träge verschrieenen Aktien von Nestlé im günstigsten Fall sogar auf 118 Franken klettern könnten. Aus heutiger Sicht wäre das ein Anstieg um über 50 Prozent.

Der Experte nennt auch gleich die Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen. Neben einem Verkauf der an L'Oréal gehaltenen 23-Prozent-Beteiligung fordert er auch einen Ausstieg aus dem Geschäft mit Süsswaren. Darüber hinaus erhofft er sich vom zukünftigen Konzernchef eine Bilanz- und Kostenoptimierung sowie eine bessere Kommunikation.

Für Fantasie sorgt nicht zuletzt der überzeugende Leistungsausweis von Ulf Schneider in seiner langjährigen Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Fresenius-Gruppe. Wie der Studienautor weiter schreibt, hat sich der Börsenwert des deutschen Gesundheitsunternehmens seit dem Antritt Schneiders im Jahre 2003 mehr als verzwölffacht. Jener von Nestlé liegt hingegen nur dreimal höher als damals.

Ich will den makellosen Leistungsausweis des zukünftigen Nestlé-Chefs bei seinem jetzigen Arbeitgeber weder in Abrede stellen, noch schmälern. Ob sich dieser beim Nahrungsmittelkonzern aus Vevey 1:1 wiederholen lässt, wie man sich das bei RBC Capital Markets erhofft, wage ich dennoch zu bezweifeln. Oder um es mit den Worten von Francis Ford Coppolas "Pate" zu sagen: "Es ist nichts Persönliches, Sonny. Das ist bloss Geschäft."

***

Heute in einer Woche ist es soweit: Beim Halbleiterhersteller AMS, einst ein Lieblingskind hiesiger Anleger, steht die Quartalsergebnispräsentation an. Allerdings müssen sich die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre an diesem Tag bis eine halbe Stunde nach Börsenschluss gedulden. Erst dann haben sie Gewissheit, ob Zahlenkranz und Ausblick den Analystenerwartungen gerecht werden.

Nach einer Reihe von Ergebnisenttäuschungen und Umsatzwarnungen ist die Nervosität verständlicherweise gross. In den letzten Tagen setzten sich an der Börse nun erstmals Hoffnungen durch, dass die Umsatzentwicklung bei AMS die Talsohle im zurückliegenden zweiten Quartal endlich durchschritten haben könnte.

Bei der MainFirst Bank empfiehlt man die Aktien des Herstellers von Sensoren wie bis anhin mit "Outperform" und einem Kursziel von 40 Franken zum Kauf. Die Gewinnschätzungen werden im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung vorsichtshalber um 3 Prozent reduziert.

In einem Kommentar zum Rivalen Dialog Semiconductor wird auch AMS einmal mehr als heisser Übernahmekandidat gehandelt. Nachdem chinesische Käufer sich im vergangenen Jahr bei der amerikanischen Micron Technology die Zähne ausgebissen haben, werden sie dem Autor zufolge nicht darum herum kommen, auf Europa auszuweichen. Für den Experten steht fest: Jegliche Kursschwäche könnte bei den beiden kleineren Halbleiterherstellern in einem Angebot aus China enden. Er hält das Rückschlagspotenzial bei diesen Aktien deshalb selbst im Vorfeld der Quartalsergebnispräsentation für begrenzt. Sein Wort in Gottes Ohr...
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.