Stratege überdenkt negative Haltung für Schweizer Aktien

Der cash Insider verrät, weshalb der Schweizer Aktienmarkt bei Kepler Cheuvreux nicht mehr ganz so pessimistisch eingeschätzt wird - Und: Wird aus dem Vermögensverwalter GAM die nächste Gategroup?
28.02.2017 12:30
cash Insider
Stratege überdenkt negative Haltung für Schweizer Aktien
Bild: fotolia.com

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Noch im Sommer 2015 waren die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis beim Swiss Market Index (SMI) für zwei Drittel der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Damals notierten die Aktien von Novartis im dreistelligen Frankenbereich und die Genussscheine des Erzrivalen Roche flirteten mit 300 Franken.

Mittlerweile entfällt noch jeder zweite Indexpunkt auf die drei Schwergewichte. Das ist Fluch und Segen zugleich. Ein Fluch dann, wenn der Wirtschaftsmotor wie geschmiert läuft und die gewichtigen Aktien den SMI ausbremsen. In Zeiten konjunktureller, finanzieller oder politischer Unsicherheiten erwiesen sie sich hingegen als ein Segen für den hiesigen Markt. Gerade Nestlé haftet schon seit einer gefühlten Ewigkeit der Ruf des "Fels in der Brandung" an.

In den vergangenen Monaten waren die defensiven Qualitäten von Nestlé, Roche und Novartis alles andere als gefragt. Folglich machten mächtige Grossinvestoren und bekannte Anlagestrategen gleichermassen einen grossen Bogen um unseren Heimmarkt.

So auch der für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätige Experte. Er riet seiner Kundschaft zu einem Untergewicht bei Pharma- und Nahrungsmittelwerten und senkte den Daumen über den Schweizer Aktienmarkt.

Nun sieht sich der Stratege überraschend dazu veranlasst, seine negative Haltung für Aktien aus der Schweiz zu überdenken. Er empfiehlt bei europäischen Bankaktien Geld vom Tisch zu nehmen und stuft diese von "Overweight" auf "Neutral" herunter. Im Gegenzug werden die Pharmawerte von "Underweight" auf "Neutral" heraufgestuft. Dasselbe gilt für den gesamten Schweizer Aktienmarkt.

Die Valoren von Nestlé (grün) und Roche (violett) hinken dem SMI hinterher (Quelle: www.cash.ch).

Die beidseits des Atlantiks zu beobachtende Stabilisierung bei den Aktien aus der Pharmaindustrie rechtfertige nicht mehr länger eine Untergewichtung dieses Titelsegments, schreibt der viel beachtete Experte. Im Hinblick auf die Wahlen in Frankreich und Italien sowie der davon ausgehenden politischen Ungewissheit rät er zu Umschichtungen aus den dortigen Aktien in solche aus der Schweiz, den Niederlanden sowie aus Dänemark.

Nach der starken Kursentwicklung der letzten Wochen müssen die Aktien von Swiss Life jenen von Novartis auf der "Swiss Top Pick Liste" Platz machen. Weiterhin auf der Liste bleiben die Valoren von Adecco, Cembra Money Bank, Dufry, Geberit und Sika.

Ob sich der Schweizer Aktienmarkt einem von New York ausgehenden Rücksetzer entziehen kann, wage ich zu bezweifeln - auch wenn die schon seit dem Spätsommer vor zwei Jahren ungeliebten hiesigen Indexschwergewichte in den Portfolios mächtiger ausländischer Grossinvestoren stark untervertreten sein sollten...

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RBR Strategic Value dürfte hierzulande wohl vor allem den früheren Aktionären der Gategroup ein Begriff sein. Der für seine aggressive Einflussnahme bekannte Hedgefonds erlangte im Zuge einer vereitelten Palastrevolution bei der einstigen Swissair-Tochter Gategroup mediale Bekanntheit.

Leer ging der Grossaktionär dennoch nicht aus, liess sich das Cateringunternehmen aus Zürich doch für viel Geld an den übernahmehungrigen Mischkonzern HNA aus China verkaufen.

Nun gilt es an diesen Erfolg anzuknüpfen. Wie seit gestern bekannt, hat sich RBR Strategic Value im Dezember beim Vermögensverwalter GAM eingekauft. Der Grossaktionär musste sich nur deshalb zu erkennen geben, weil er im Vorfeld der diesjährigen Generalversammlung eigene Kandidaten zur Wahl in den Verwaltungsrat stellt.

Die Beteiligungsnahme durch RBR lässt den Kurs der GAM-Aktien kräftig steigen (Quelle: www.cash.ch).

Vorerst lässt sich bloss über die Pläne des Hedgefonds spekulieren. Allerdings dürfte es auch bei GAM darum gehen, innerhalb kurzer Zeit mit einem möglichst satten Gewinn wieder auszusteigen. Mit gerade mal 2,1 Prozent der Stimmen muss RBR Strategic Value beim Vermögensverwalter weitere Grossaktionäre ins Boot holen und von der eigenen Sache überzeugen können.

Mit Abstand grösster Einzelaktionär ist Silchester International mit 15 Prozent der Stimmen, gefolgt von Kiltearn Partners und T. Rowe Price Associates mit jeweils gut 5 Prozent.

Die genauso überraschende wie einschneidende Gewinnwarnung vom vergangenen Juni hat den Aktien von GAM sichtlich zugesetzt. Hält die ehemalige Tochtergesellschaft von Julius Bär an ihren Dividendenplänen fest, errechnet sich für das vergangene Geschäftsjahr eine attraktiv hohe Rendite von knapp 6 Prozent. Die regelrecht weggebrochenen erfolgsabhängigen Verwaltungsgebühren sollten jedoch keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.
 

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