Strategische Kehrtwende bei der CS?

Nomura hält auch bei der Credit Suisse eine Abkehr vom Investment Banking für möglich - Erste Steuerstreit-Rückstellungen noch in diesem Jahr - Und: Mittelgrosse Schweizer Firmen wieder optimistischer.
04.12.2013 12:30
cash Insider
Strategische Kehrtwende bei der CS?

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Als die UBS vor gut zwei Jahren den Rückzug aus weiten Teilen des Investment Bankings verkündete, erwarteten Branchenkenner auch bei der Credit Suisse eine strategische Kehrtwende. Wider diesen Erwartungen hielt die Schweizer Grossbank allerdings unbeirrt am bisherigen Geschäftsmodell fest.

Den Firmenverantwortlichen brachte das im ersten Moment Kritik ein, die mit der Aufhellung der Rahmenbedingungen im Investment Banking immer mehr verstummte. Spätestens seit der Diskussion rund um noch strengere Eigenmittelvorschriften für die Schweizer Banken sind vermehrt wieder kritische Stimmen zu vernehmen. Denn sollten die neuen Vorgaben für die Kernkapitalquote durch solche für das Leverage Ratio ergänzt werden, müsste die Credit Suisse möglicherweise noch einmal über die Bücher.

In einem Ausblick für die Schweizer Banken auf das kommende Jahr warnt der für Nomura tätige Verfasser vor einem weiterhin schwierigen Umfeld. Gerade im Investment Banking werde dieses von verhaltenen Geschäftsaktivitäten, Prozessrisiken und dem zunehmenden Regulierungsdruck überschattet.

Dennoch setzt man bei Nomura auf die Aktien der Credit Suisse und gibt ihnen gegenüber jenen der UBS den Vorzug. Und dies nicht ohne Grund, hält der Experte es doch für möglich, dass sich auch die zweite Schweizer Grossbank aus weiten Teilen des Investment Bankings zurückzieht.

Eine strategische Kehrtwende halte ich allerdings nur dann für denkbar, sollte die Credit Suisse durch noch strengere zukünftige Eigenmittelanforderungen quasi zu einer solchen gezwungen werden. Und ob die Aktien der Schweizer Grossbank dann ebenfalls eine Neubeurteilung und -bewertung nach dem Vorbild der Erzrivalin UBS erfahren würden, darf bezweifelt werden.

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Unsere Finanzmarktaufsicht lässt den rund 300 Schweizer Banken bis zum kommenden Montag Zeit darüber zu entscheiden, ob sie im Rahmen des Programms zur Beilegung des Steuerstreits mit den US-Behörden zusammenarbeiten wollen. Bis dahin sollte auch klar sein, welcher der vier vordefinierten Kategorien die jeweiligen Institute angehören.

Und darf man dem für die UBS tätigen Bankenexperten Glauben schenken, dann werden einige der betroffenen Banken die Rückstellungen für den Vergleich noch ins laufende Ergebnis packen. Noch seien solche Rückstellungen an den Märkten kein Thema, obwohl die drohenden Vergleichszahlungen von materieller Grössenordnung seien.

Dem Experten zufolge ist bereits bekannt, dass 14 Banken der Kategorie 1 angehören. Gegen alle diese Institute seien von den US-Behörden bereits Ermittlungen eingeleitet worden. Unter diesen 14 Banken würden neben Julius Bär auch die Credit Suisse vermutet. Mit Blick auf Vergleiche vergangener Tage sei bei der Credit Suisse mit einem Vergleich im hohen, bei Julius Bär hingegen im tiefen dreistelligen Millionenbereich zu rechnen. Die Credit Suisse habe bereits 275 Millionen Franken für eine Einigung zurückgestellt.

Eine negative Marktreaktion hält der Experte vor allem bei den Aktien der in die Kategorie 2 fallenden Banken für wahrscheinlich. Als potenzielle Kandidaten für diese Kategorie nennt er neben Vontobel auch EFG International, St. Galler Kantonalbank und die Banque Cantonale Vaudoise. Auf Basis der bankeigenen Schätzungen hätten Rückstellungen für den Vergleich bei diesen Instituten einen materiell tieferen Reingewinn zur Folge.

Die Buchführungsvorschriften verlangen, dass Rückstellungen für drohende Vergleichszahlungen gebildet werden müssen, sobald deren Ausmass absehbar wird. Liegt der für die UBS tätige Experte richtig, dann ist dies für viele Banken nach der Wahl der jeweiligen Kategorie der Fall. Vermutlich werden die Märkte von den ersten Rückstellungsankündigungen auf die übrigen betroffenen Institute genauso wie auf die gesamte Vergleichssumme Rückschlüsse ziehen. Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Beilegung des US-Steuerstreits die Schweiz tatsächlich die in den Medien herumgereichten 10 Milliarden Franken kosten wird.

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Schon im letzten Jahr lieferte die von der Credit Suisse organisierte Swiss Mid Cap Conference ein recht aufschlussreiches Stimmungsbild der teilnehmenden Unternehmen. In Zürich trafen Ende vergangener Woche 160 geladene Investoren auf die Vertreter von 26 mittelgrossen Schweizer Firmen wie Bucher, Dätwyler, Evolva, Galenica, Gategroup, Georg Fischer, Kaba, Leonteq, Nobel Biocare, OC Oerlikon, Partners Group, Rieter, Sonova, Sulzer, U-blox oder Zehnder.

Einem Kommentar der Schweizer Grossbank entnehme ich, dass sich die Stimmung unter den Vertretern konjunkturabhängiger Unternehmen aufgehellt hat. Die an der Konferenz in Bezug auf die erste Hälfte nächsten Jahres gemachten Aussagen werden als ermutigend bezeichnet. In einem Grossteil der Absatzmärkte seien Erholungstendenzen auszumachen und nur einige wenige würden noch immer zur Schwäche neigen. In Bezug auf die Entwicklung der Rohmaterialpreise oder Verschiebungen im Währungsgefüge gebe es ebenfalls keine grösseren Vorbehalte.

Für viele Unternehmen werde im kommenden Jahr die Verwendung des reichlich vorhandenen Überschusskapitals und damit verbundene Anpassungen in der Bilanz zu einem Schlüsselthema.