Strategische Neuausrichtung - Nehmen die Umgestaltungspläne bei ABB Form an?

Bei ABB stehen die Zeichen auf Veränderung. Noch reagieren die Aktien aber überraschend unterkühlt - Genfer Privatbank rät bei den Aktien von Sonova zum Wiedereinstieg - Und: Kauft ein Grossaktionär bei Comet kräftig zu?
18.10.2018 12:30
cash Insider
Nehmen die Umgestaltungspläne bei ABB Form an?
Bild: fotolia.com

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Ein am frühen Donnerstagmorgen veröffentlichter Artikel der Nachrichtenagentur Bloomberg hat es in sich: Beim Industriekonzern ABB hätten die Vorbereitungsarbeiten für eine mögliche Abspaltung des Stromübertragungsgeschäft (Power Grids) oder Teilen davon begonnen. Dem Unternehmen stünden die Credit Suisse sowie das Beratungsunternehmen Dyal zur Seite, so ist zu lesen.

Damit knüpfen meine für Bloomberg tätigen Kollegen an einen Artikel von Ende August an. Schon damals kursierten Spekulationen, wonach der Verwaltungsrat von ABB den Forderungen grosser Aktionäre wie Cevian Capital oder Artisan Partners nun doch nachgeben wolle. Diesen Spekulationen gingen kritische Worte der beiden Finanzinvestoren voraus, pochen sie doch seit einer gefühlten Ewigkeit auf eine Abspaltung des Stromübertragsgeschäfts (siehe Ist ABB-Chef Spiesshofer «realitätsfremd»? vom 7. August).

Dass der Industriekonzern aus Zürich ausgerechnet jetzt einlenken könnte, kommt nicht von ungefähr. Wenn er heute in einer Woche den Zahlenkranz für das zurückliegende dritte Quartal vorlegt, droht ihm Analysten zufolge nämlich eine weitere Enttäuschung.

Erst vor wenigen Tagen tauchte der Aktienkurs von ABB auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. (Quelle: www.cash.ch)

Ob sich mit einer Abspaltung des Stromübertragungsgeschäfts oder Teilen davon Aktionärswerte schaffen lassen, ist ziemlich umstritten (siehe ABB: Verkauf von Power Grids ein Fehler? vom 24. August).

Ich bleibe jedenfalls bei meiner Einschätzung: Alleine schon aufgrund des mageren Leistungsausweises bei milliardenschweren Grossübernahmen schüttet ABB das Stromübertragungsgeschäft am besten den eigenen Aktionären als Sachdividende aus. So kann jeder Aktionär letztendlich selber darüber entscheiden, ob er sich von den zugeteilten Aktien trennt oder nicht - und was mit dem Verkaufserlös geschieht.

Bei früheren Gelegenheiten hätte der Artikel der Kollegen von Bloomberg bei den Aktien von ABB wohl ein kleineres Kursfeuerwerk gezündet. Heute reagieren die Papiere allerdings überraschend unterkühlt. Das wiederum lässt sich mit den Ergebnisängsten erklären.

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Ziemlich genau vier Wochen ist es her, dass Analyst Daniel Jelovcan von Mirabaud Securities die Aktien des Hörgerätespezialisten Sonova von "Buy" auf "Hold" herunterstufte - vier Wochen, die den Aktionären zweistellige Kursverluste bescherten (siehe Der Höhenflug von Sonova ist auch Analysten nicht mehr geheuer vom 17. September).

Nun meldet sich der bekannte Medizinaltechnikanalyst zurück und macht seinen damaligen Schritt rückgängig. Alte Liebe rostet eben nicht.

Dass sich der Weltmarktführer anlässlich des Investorentages vom vergangenen Dienstag nicht zu den diesjährigen Zielvorgaben bekennen wollte, scheint Jelovcan nicht weiter zu beunruhigen. Sonova habe sich noch nie an einem Investorentag zum Tagesgeschäft geäussert, so schreibt er.

Anders als einige seiner Berufskollegen macht der für Mirabaud Securities tätige Analyst bei der neuen Technologieplattform Marvel genügend Differenzierungsmerkmale aus, um die zukünftigen Produkte aus dem Hause Sonova von jenen anderer Rivalen kommerziell abheben zu können. Er errechnet deshalb neuerdings sogar ein Kursziel von 198 (zuvor 190) Franken für die Papiere des Weltmarktführers.

Zumindest in einem Punkt muss ich Jelovcan Recht geben: Das Kursgewitter rund um das Bekanntwerden des Eintritts von Bose in den Markt für nicht-verschreibungspflichtige Hörgeräte scheint etwas gar übertrieben.

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Seit Tagen wird mir bei den Aktien von Comet von einem geheimnisvollen Käufer berichtet. Dass dieser im Grossaktionariat des Halbleiterzulieferers aus Flamatt zu suchen ist, liegt nach dem erst kürzlich bekanntgewordenen Einstieg von Veraison geradezu auf der Hand.

Denn der Vermögensverwalter geht stets nach demselben Muster vor: Auf einen Einstieg mit gut 3 Prozent folgt jeweils ein Ausbau des Aktienpakets auf etwas mehr als 5 Prozent.

Seit wenigen Tagen haben die Aktien von Comet wieder Auftrieb. (Quelle: www.cash.ch)

Die Beteiligungsnahme durch Veraison folgt auf den Zukauf von Aktien durch den Camox Master Fund. Eines haben diese Grossaktionäre übrigens gemeinsam: Sie beide sind berüchtigt für ihre aktive Einflussnahme bei Unternehmen.

Ich wäre deshalb nicht überrascht, würden die beiden Finanzinvestoren bei Comet gemeinsame Sache machen. Mittlerweile mit an Bord: die Genfer Privatbank Pictet & Cie als Trittbrettfahrerin mit gut 5 Prozent der Stimmen (siehe Machen bei Comet zwei Grossaktionäre gemeinsame Sache? vom 20. September).
 

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