Strategischer Entscheid - Credit Suisse geht bei Aktien mehr Risiken ein

Die Strategen der Credit Suisse raten bei europäischen Aktien zu mehr Risiko und halten Anleger an, bei Roche, Nestlé und Co. Positionen «auszudünnen». - Und: Gibt es eine Verschwörung rund um die SNB?
18.03.2019 12:30
cash Insider
Credit Suisse geht bei Aktien mehr Risiken ein
Bild: fotolia.com

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Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit - doch nun greift die allgemeine Börseneuphorie auch auf Chefstratege Andrew Garthwaite und seine Londoner Abteilungskollegen bei der Credit Suisse über. Sie, die Ende November letzten und im Januar dieses Jahres noch zur Ausdünnung von westlichen Aktien in Stärkephasen rieten, wollen bei Aktien nun wieder mehr Risiken eingehen.

Die Strategen senken defensive Aktien aus Europa von "Benchmark" auf "Underweight" und erhöhen im Gegenzug konjunkturabhängige Aktien von "Benchmark" auf "Overweight". Mit anderen Worten: Anleger sollten ihre Engagements bei Nestlé, Roche und Co. ausdünnen und den Verkaufserlös hierzulande beispielsweise in die Papiere des Verpackungsmaschinenherstellers SIG Combibloc oder des Automobilzulieferers Klingelnberg fliessen lassen.

Optimistisch geben sich Garthwaite und seine Abteilungskollegen auch für hiesige Nebenwerte wie den Privatkreditanbieter Cembra Money Bank, den Milchverarbeiter Emmi, den Sicherheitstechnikspezialisten Dormakaba, den Peripheriegerätehersteller Logitech oder den Flughafen Zürich.

Eines haben diese Aktien gemeinsam: Sie alle sind in den letzten Wochen bereits kräftig gestiegen und notieren zwischen 10 Prozent (Flughafen Zürich) und 26 Prozent (Emmi, Logitech) über dem Stand von Anfang Januar. Auch an der Börse kommt der Appetit beim Essen.

Der SMI mit Dividendenkorrektur (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem Stoxx Europe 600 Index (grün) (Quelle: www.cash.ch)

In einem Punkt muss ich den Strategen der Credit Suisse beipflichten: Auch in der Schweiz machen die defensiven Schwergewichte einen ziemlich überhitzten Eindruck. Im Wissen um die Eintrübung bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen scheint mir der Zeitpunkt für solche Umschichtungen allerdings alles andere als günstig.

Getreu der Direktive Das eine tun und das andere nicht lassen, habe ich in den letzten Wochen bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 erste Gewinne ins Trockene gebracht und taktische Barmittel angehäuft.

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Über Wochen hinweg fristeten die Aktien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an der Börse ein Mauerblümchen-Dasein. Am vergangenen Dienstag dann das: Die Kurse schossen kräftig nach oben und die Papiere gingen um satte 25 Prozent höher aus dem Handel.

Meine anfängliche Vermutung - nämlich, dass dieses Kursfeuerwerk auf eine Kaufempfehlung durch einen bekannten deutschen Börsenbrief zurückgeht - sollte sich bewahrheiten. Um dem Börsenbrief hier keine Plattform zu bieten, verzichte ich nach reiflicher Überlegung, diesen nicht länger namentlich zu erwähnen.

Denn seit nunmehr fast zwei Jahren empfiehlt der Autor des Börsenbriefs die Aktien unserer SNB mit immer neuen fadenscheinigen Argumenten zum Kauf - was angesichts der schlechten Handelbarkeit meist ein Kursfeuerwerk nach sich zieht. Dabei dreht sich alles um die offensichtliche Diskrepanz zwischen dem rechnerischen Eigenkapital von 120 Milliarden Franken und dem aktuellen Börsenwert von "nur" 500 Millionen Franken.

Seit wenigen Tagen machen die SNB-Aktien wieder Bocksprünge (Quelle: www.cash.ch)

Was der Autor allerdings nicht sagt - und irgendwie auch nicht kapieren will: Die SNB ist keine privatrechtliche Aktiengesellschaft. Für sie gelten andere Gesetze. Da die Privataktionäre in ihren Stimm- und Eigentumsrechten arg beschnitten sind, macht es keinen Sinn, das rechnerische Eigenkapital nach bester Milchbuch-Manier auf die 49'000 Aktien herunter zu brechen.

Interessant ist, dass der Autor neuerdings gar eine Verschwörung wittert. Der Kurs werde momentan bei etwa 5340 Franken von zwei oder drei Banken festgehalten beziehungsweise gesteuert, so schreibt er in der aktuellsten Ausgabe des Börsenbriefs. Zudem beklagt sich der Autor, dass keine Schweizer Zeitung die besonderen Umstände rund um die SNB thematisiert. Er vermutet hier ein Meinungskartell.

Die Gründungsväter würden sich vermutlich im Grab drehen, wüssten sie, dass die Aktien der SNB immer mehr zum Spielball der Spekulanten verkommen. An einen Rückzug unserer Notenbank von der Börse aus Reputationsgründen glaube ich dennoch nicht...

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