Stützt China heimlich die eigene Wirtschaft?

Gerüchten zufolge stützt Peking still und leise die chinesische Wirtschaft - Sulzer auf Versöhnungskurs mit den Aktionären - Und: Verliert Kühne + Nagel den Status als Börsenliebling?
21.08.2013 12:30
cash Insider
Stützt China heimlich die eigene Wirtschaft?

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Um China ranken sich seit je her die wildesten Gerüchte. Vermutlich deshalb, weil sich die Regierung in Peking nicht gerne in die Karten blicken lässt – und schon gar nicht vom Westen.

Unbestritten ist, dass die chinesische Wirtschaft in den vergangenen Monaten an Fahrt verloren hat. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent und damit langsamer als im Krisenjahr 2009.

Offiziell hat die Regierung in Peking bisher keine Massnahmen zur Stützung der heimischen Wirtschaft ergriffen. Darf man allerdings Gerüchten Glauben schenken, dann interveniert China schon eine ganze Weile im Verborgenen. Die Wirtschaft sei über zwei grosse staatliche Bankinstitute mit einer grosszügigen Liquiditätsspritze versorgt worden, so heisst es hinter vorgehaltener Hand.

Ob China auch wirklich solche Massnahmen ergriffen hat und ob diese ihre Wirkung entfalten können, steht derzeit noch in den Sternen. Den Rohstoffmärkten zumindest scheinen alleine schon diese Gerüchte zu helfen.

Ähnliches könnte sich hierzulande auch in den Aktien von Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus dem Reich der Mitte abspielen.

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Der Terminkalender der Firmenverantwortlichen von Sulzer ist schon seit Wochen vollgepackt. Neben Branchenkonferenzen sind auch Auftritte vor Investoren geplant. Nach der Ergebnisenttäuschung von Anfang August setzt das Winterthurer Traditionsunternehmen alles daran, das verlorene Vertrauen der Aktionäre zurück zu gewinnen.

Diese Vermutung lässt zumindest eine Rückmeldung der Berenberg Bank von einer Präsentationsreihe vor Investoren in Lugano und Mailand zu. Man habe bei Sulzer begriffen, dass das Vertrauen der Aktionäre mit der Ergebnisenttäuschung und den damals wenig überzeugenden Erklärungsversuche gelitten hätte, so der Verfasser im Kommentar.

Die Firmenverantwortlichen hätten anlässlich der Präsentationsreihe von einem guten Start ins laufende dritte Quartal berichtet. Die Auftragslage unterstreiche das Vertrauen in die Erreichbarkeit der Gesamtjahresprognosen. Insbesondere im zuvor verhaltenen Pumpengeschäft gebe es ermutigende Anzeichen für eine Belebung, sowohl bei den Absatzvolumen als auch bei den Preisen.

Der für die Berenberg Bank tätige Experte äussert diesbezüglich allerdings gewisse Bedenken: In der ersten Jahreshälfte habe vor allem das Geschäft mit Abwasserpumpen und solchen zur Entwässerung enttäuscht. Beide Bereiche seien vor zwei Jahren mit der Übernahme der britischen Cardo Flow erworben worden und kämen schon seit damals nicht so richtig in Fahrt. An eine rasche Aufhellung will man bei der Berenberg Bank deshalb nicht so recht glauben.

Auch in Bezug auf den Verkaufsprozess für Sulzer Metco hätten sich die Firmenverantwortlichen nicht so recht in die Karten blicken lassen: Sulzer habe einzig bestätigt, dass es mehrere Interessenten für die zum Verkauf stehenden Geschäftsaktivitäten gebe.

Sulzer darf sich vorerst keinen Fauxpas mehr leisten. Nach dem schwachen Abschneiden in der ersten Jahreshälfte sind die von Sulzer anlässlich der Ergebnispräsentation bestätigten Gesamtjahresprognosen mehr als ambitiös. Am besten wäre gewesen, die Firmenverantwortlichen hätten damals auch gleich die Prognosen ausgesetzt. Und auch bei der Verwendung des für Sulzer Metco zu erwartenden Verkaufserlöses wird der Markt dem einstigen Mutterhaus genauestens auf die Finger schauen.

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Die Namenaktien von Kühne + Nagel liegen seit der ersten Handelsstunde im Angebot. Der Grund liegt bei einer Rückstufung der Papiere von «Outperform» auf «Underperform» durch die MainFirst Bank. Das Kursziel wird unverändert mit 115 Franken angegeben.

Innerhalb von nur vier Wochen sei die zuvor unterdurchschnittliche Kursentwicklung wieder aufgeholt worden, so schreibt der verantwortliche Experte. Damit liege die Bewertung des Innerschweizer Transportunternehmens auf Basis der nächstjährigen Gewinnschätzungen wieder am oberen Ende der historischen Bandbreite.

Gleichzeitig macht der Experte Entwicklungen aus, welche für eine in Zukunft tiefere Unternehmensbewertung sprechen. Gefahren sieht er im Zusammenhang mit dem geplanten Vorstoss von SAP ins Fracht-Management-Geschäft, möglichen Kosten bei einem Ausstieg aus dem deutschen Überlandfrachtbereich und einem gemässigteren Branchenwachstum.

Sollte die MainFirst Bank mit ihren Befürchtungen richtig liegen, steht für Kühne + Nagel der Status als Börsenliebling auf dem Spiel.