Swiss Re, ABB & Co. - Vorsprung der Insider-Aktienfavoriten auf den SPI schmilzt

Der cash Insider zieht auch für August eine positive Bilanz bei seinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017. Ausserdem verrät er, ob er bei Swiss Re und Clariant noch einsteigen würde.
04.09.2017 12:30
cash Insider
Vorsprung der Insider-Aktienfavoriten auf den SPI schmilzt
Bild: fotolia.com

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Über Wochen hinweg bewegte sich der Swiss Market Index (SMI) im Abstand von bis zu 200 Punkten um die als wichtig geltende Marke von 9'000 Punkten. Umso überraschter zeigten sich die Marktauguren, als das viel beachtete Börsenbarometer am vergangenen Montag vorübergehend in die Nähe von 8750 Zählern absackte. Dennoch verlief das Handelsgeschehen in geregelten Bahnen. Panik kam keine auf - ganz im Gegenteil: Einmal mehr nutzten Anleger den Rückschlag, um Aktien zuzukaufen.

Folglich trennen den SMI mittlerweile gerademal noch 3 Prozent von den Jahreshöchstständen von Anfang August bei rund 9'200 Punkten. Dem Swiss Performance Index (SPI) fehlen sogar nur noch 2,8 Prozent bis auf 10'470 Zähler.

Wer wie ich in der ersten August-Woche beim SPI nach dem Vorstoss auf über 10'400 Punkte mit umfangreichen Anschlusskäufen rechnete, wurde enttäuscht. Der Vorstoss erwies sich rückblickend als blosses Strohfeuer (siehe Kolumne vom 2. August).

Bei den Aktien von Logitech und Credit Suisse wurde ich deshalb schon wenige Tage später mit überblickbaren Kursverlusten ausgestoppt. Letzteres kostete meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 einiges an Performance. Mit einem Plus von 13,6 Prozent bis und mit Ende August übertreffen die Favoriten den um 13,1 Prozent höheren SPI aber noch immer.

Ich kann mich nicht daran erinnern, in meiner Laufbahn jemals ein ähnlich selektives Handelsgeschehen angetroffen zu haben. Selten zuvor lagen Erfolg und Misserfolg bei einzelnen Schweizer Aktien derart weit auseinander.

Zur Veranschaulichung: Während Sich der Börsenwert des Sensorenherstellers AMS oder des Solarzulieferunternehmens Meyer Burger seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt hat, ist jener früherer Überflieger wie des Softwareherstellers Myriad, des Nahrungsergänzungsmittelprozenten Evolva, des Backwarenherstellers Aryzta, des Technologiekonzerns Kudelski oder des Insulinpumpenproduzenten Ypsomed in derselben Zeitspanne zwischen 20 und 70 Prozent geschmolzen.

Deshalb bin ich froh, dass meine Aktienfavoriten selbst unter Einbezug der taktischen Barmittel wenigstens mit dem breiten Markt schritthalten könnten.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016

- 3,7 Prozent

- 1,7 Prozent

2017*

+13,6 Prozent

+13,1 Prozent

* Schlusskurse vom 31. August 2017

Keine Freude bereiteten in den letzten Wochen die dividendenstarken Aktien von Swiss Re. Der Grund: Wirbelsturm Harvey sorgte an der Südostküste Nordamerikas für schwere Überschwemmungen. Expertenschätzungen gehen derzeit von einem wirtschaftlichen Schaden von mehr als 90 Milliarden Dollar aus. Da liegt es auf der Hand, dass auf den führenden Rückversicherungskonzern aus Zürich schmerzhafte Schadenersatzforderungen zukommen. Allerdings bewegen sich die von Analysten genannten 350 bis 450 Millionen Dollar im Rahmen des Schadensbudgets für die zweite Jahreshälfte. Und auch das milliardenschwere Überschusskapital spricht nach wie vor für einen Vollzug des geplanten Aktienrückkaufprogramms (siehe Kolumne vom 28. August). Ich bleibe deshalb dabei: Das aktuelle Kurs- und Bewertungsniveau bietet Anlegern interessante Einstiegsgelegenheiten.

Die Aktien von Dätwyler wurden hingegen für einen durchwachsenen Zahlenkranz abgestraft. Obwohl sich der Umsatz und der operative Gewinn (EBIT) im Rahmen der Analystenerwartungen bewegten, blieb der Reingewinn dahinter zurück. Was die Zielvorgaben betrifft, so wurde die Zielbandbreite für den Umsatz auf 1,27 bis 1,31 Milliarden Franken verengt. Die operative Marge (EBIT) soll dem Unternehmen zufolge im oberen Bereich des Zielbands zu liegen kommen. Meines Erachtens bleiben die Dätwyler-Valoren einer der letzten ungeschliffenen Rohdiamanten im Segment der Schweizer Nebenwerte.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert*

Erfolg

G/V

Barmittel

   

 14'778,05

   

ABB N

465

21,50

10'323,00

325,50

+ 3,26%

Clariant N

737

20,95

17'054,20

1'224,05

+ 7,73%

Nestlé N

137

73,15

11'144,95

1'123,40

+11,21%

Novartis N

135

74,15

10'921,50

911,25

+ 9,10%

Swiss Re N

115

88,90

9'987,75

-235,75

- 2,31%

Basilea N

137

72,60

11'186,05

1'239,85

+12,47%

Burckhardt N

30

304,25

8'437,50

-690,00

- 7,56%

Dätwyler I

73

137,60

10'971,90

927,10

+ 9,23%

Meyer Burger N

12'600

0,79

8'757,00

3'870,00

+75,95%

           

Total

   

113'561,85

 

+13,56%

* Schlusskurse vom 31. August 2017

Rückblickend als richtig erwies sich die Absicherung der Aktien von Novartis im Hinblick auf den Fachkongress European Society of Cardiology (ESC) von vor zwei Wochen. Dem Gesundheitskonzern aus Basel erging es mit dem Medikament Ilaris nicht viel besser als zuvor dem Platzrivalen Roche mit dem Krebspräparat Perjeta. Die detaillierten Studienergebnisse konnten die im Zuge vielversprechender Vorabinformationen aufgebauschten Erwartungen nicht erfüllen (siehe cash-Artikel vom 28. August). Prompt gerieten auch bei Novartis die Aktiennotierungen ins Rutschen.

Ob sich die Aktien wieder bei Kursen über 80 Franken einpendeln, ist nicht zuletzt von der allgemeinen Börsenwetterlage abhängig. Von der Gesamtmarktentwicklung abkoppeln wird sich das SMI-Schwergewicht vermutlich erst, wenn man sich am Hauptsitz in Basel endlich zu einer Abspaltung des Sorgenkinds Alcon oder anderen strategischen Befreiungsschlägen durchringen kann.

Meyer Burger machte mit grösseren Verschiebungen im Aktionariat Schlagzeilen. Wie aus dem hiesigen Berufshandel zu hören ist, wurde am späten Donnerstag ein zuvor über mehrere Wochen laufender Verkaufsauftrag abgeschlossen. Prompt kamen die Aktien des Solarzulieferunternehmens in den Genuss einer technischen Erholung. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX zu entnehmen ist, fiel der Stimmenanteil von Generation Investment wenige Tage nach der Halbjahresergebnispräsentation von Mitte August unter den Schwellenwert von 3 Prozent (siehe Kolumne vom Freitag). Diese Beteiligungsreduktion legt nahe, dass es sich beim mysteriösen Auftraggeber des mehrwöchigen Verkaufsauftrags um die Beteiligungsgesellschaft des ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore gehandelt haben könnte.

Freude bereiteten in den letzten Tagen die Aktien von Clariant. Die Firmenvertreter aus Basel und jene des amerikanischen Spezialitätenchemieherstellers Huntsman lassen derzeit keine Gelegenheit aus, um auf die Vorzüge des geplanten Zusammenschlusses und die angeblich hohe Akzeptanz unter den Aktionären hinzuweisen. Allerdings dürfte auch die oppositionelle Aktionärsgruppe um White Tale nichts unversucht lassen, um gewichtige Mitaktionäre hinter sich zu scharen. Darf man Gerüchten aus dem Berufshandel Glauben schenken, dann hat die Aktionärsgruppe zuletzt weitere Clariant-Aktien zugekauft. Ich halte es sogar für möglich, dass White Tale derzeit nach einem industriellen Käufer für das Basler Unternehmen oder nach Interessenten für einzelne Geschäftsbereiche sucht. Neusten Spekulationen zufolge soll Clariant gar aufgespaltet werden. Doch egal ob eine Gegenofferte für den Basler Spezialitätenchemiehersteller eintrifft, er aufgespaltet wird oder der Zusammenschluss mit Huntsman zustande kommt - die Aktien bleiben meines Erachtens ein Kauf.

Bisherige Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

30.12.2016

Dätwyler I

Kauf

73

137,60

CHF

10'044,80-

30.12.2016

Zurich N

Kauf

36

279,80

CHF

10'072,80-

30.12.2016

Syngenta N

Kauf

24

405,90

CHF

9'741,60-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

30.12.2016

Ascom N

Kauf

626

15,95

CHF

9'984,70-

30.12.2016

Basilea N

Kauf

137

72,60

CHF

9'946,20-

30.12.2016

Novartis N

Kauf

135

74,15

CHF

10'010,25-

30.12.2016

ABB N

Kauf

465

21,50

CHF

9'997,50-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

137

73,15

CHF

10'021,55-

30.12.2016

OC Oerlikon N

Kauf

1'004

9,96

CHF

9'999,84-

06.01.2017

Ascom N

Verkauf

626

15,80

CHF

9'890,80+

06.01.2017

U-blox N

Kauf

52

190,00

CHF

9'890,80-

12.01.2017

U-blox N

Verkauf

52

174,10

CHF

9'053,20+

26.01.2017

Meyer Burger N

Kauf

12'600

0,79

CHF

9'954,00-

09.02.2017

Burckhardt N

Kauf

30

304,25

CHF

9'156,50-

28.02.2017

OC Oerlikon N

Verkauf

1'004

10,80

CHF

10'843,20+

11.04.2017

Puts ABBBJZ

Kauf

7'000

0,13

CHF

910,00-

20.04.2017

Puts ABBBJZ

Verkauf

7'000

0,11

CHF

770,00+

05.05.2017

Zurich N

Verkauf

36

277,00

CHF

9'972,00+

05.05.2017

Swiss Re N

Kauf

115

88,90

CHF

10'223,50-

18.05.2017

Syngenta N

Offerte

24

460,70

CHF

11'056,80+

02.06.2017

Clariant N

Kauf

477

20,95

CHF

10'022,15-

15.06.2017

Meyer Burger N

Verkauf

6'300

1,22

CHF

7'657,00+

04.08.2017

Logitech N

Kauf

170

34,75

CHF

5'907,50-

04.08.2017

Credit Suisse N

Kauf

400

14,88

CHF

5'952,00-

04.08.2017

Clariant N

Kauf

260

22,45

CHF

5'837,00-

10.08.2017

Credit Suisse N

Verkauf

400

14,52

CHF

5'808,00+

10.08.2017

Logitech N

Verkauf

170

34,10

CHF

5'797,00+

17.08.2017

Puts WNOB4V

Kauf

8'100

0,06

CHF

486,00-

28.08.2017

Puts WNOB4V

Verkauf

8'100

0,08

CHF

648,00+

 

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