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Ende Juni ging ein Raunen durch den heimischen Berufshandel. Auslöser war eine Unternehmensstudie aus dem Hause J.P. Morgan zu Syngenta. In der Studie stufte der in der Schweiz bis dahin kaum bekannte Verfasser die Namenaktien von "Neutral" auf "Underweight" zurück. Hohe Wellen warf allerdings nicht das einer Verkaufsempfehlung gleichkommende Anlageurteil, sondern das auf 250 (340) Franken zusammengestrichene Kursziel.

In einer aktuellen Studie legt der Experte nun nach und bekräftigt das zwischenzeitlich sogar auf 240 Franken reduzierte Kursziel. Davon lässt sich vom gestrigen Schlusskurs ein Abwärtspotenzial von nicht weniger als 25 Prozent ableiten.

Grundsätzlich hat der Studienverfasser viel Lob für Syngenta übrig. Der Basler Agrarchemiehersteller habe seinen Umsatz seit dem Jahr 2000 verdoppelt, so schreibt er. Der Aktienkurs habe sich in dieser Zeit sogar vervierfacht, was eine Erfolgsgeschichte sei.

Nach dieser kurzen, aber galanten Einleitung findet der Experte dann aber kaum noch positive Worte für das Unternehmen. Über die kommenden vier Jahre würden gleich mehrere wichtige Wirkstoffe den Patentschutz verlieren und dem Wettbewerb seitens von Billiganbietern zum Opfer fallen. Die davon betroffenen Wirkstoffe seien für knapp einen Drittel des Jahresumsatzes sowie für 40 bis 50 Prozent des Jahresgewinns verantwortlich.

Obschon Syngenta ein überzeugendes Abwehrdispositiv aufgebaut habe, droht dem Studienverfasser zufolge nicht nur Preisdruck, es drohten auch Marktanteilsverluste. Mit seinen nächstjährigen Gewinnschätzungen liegt der Experte jedenfalls um mehr als 10 Prozent unter Konsens.

Gerade amerikanische Marktakteure scheinen die negative Haltung von J.P. Morgan zu teilen. Denn alleine in den zwei Wochen bis Mitte November wurden bei den in New York gehandelten Titeln die Wetten auf rückläufige Kurse um rund 25 Prozent ausgebaut.

Die drohende Patentklippe scheint in unseren Breitengraden bislang weder bei Händlern noch bei Analysten ein Thema zu sein. Dass 40 bis 50 Prozent des Jahresgewinns betroffen sein könnten, stimmt mich schon sehr nachdenklich. Vermutlich gilt für Syngenta dasselbe wie in der Landwirtschaft: Auf sieben gute folgen sieben magere Jahre.

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Tecan wird hierzulande schon eine ganze Weile als mögliches Partnerunternehmen für eine Auslagerung ähnlich ausgerichteter Teilbereiche des Diagnostikgeschäfts von Roche gehandelt.

Nach einem Besuch bei Roche Diagnostics in Rotkreuz dämpft die UBS die von einer solchen Transaktion ausgehende Fantasie jedoch. Das Unternehmen mache keine Anstalten, die Entwicklung von Diagnostikplattformen auszulagern, so schreibt der verantwortliche Experte.

Diese Erkenntnis kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn erst gestern reduzierte Tecan überraschend die firmeneigenen diesjährigen Umsatzprognosen. Enttäuscht zeigt sich insbesondere der für die Berenberg Bank tätige Experte, hatten doch die Entscheidungsträger im Kontakt mit Analysten und Investoren noch bis vor kurzem Zuversicht verbreitet. Die Pressemitteilung lese sich wie eine Kopie jener vom vergangenen Jahr. Die zwei Warnungen innerhalb von nur zwei Jahren untergrabe die Zuversicht in das Unternehmen und seinen CEO David Martyr, Versprechungen einzuhalten.

Unter seinem Vorgänger sah sich Tecan gleich mehrmals zu Umsatz- und Gewinnwarnungen gezwungen. Diese Vergangenheit scheint nun auch Martyr einzuholen. Einmal mehr werden die Aktionäre in die Zukunft vertröstet und ich frage mich, wie lange deren Geduld noch anhält.

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An den Märkten braut sich etwas zusammen. Nachdem bei Nestlé schon seit mehreren Wochen immer wieder grössere ausserbörsliche Blocktransaktionen zu beobachten waren, nahmen diese gestern ganz neue Dimensionen an. Am frühen Nachmittag wechselten einmal 685'000 Namenaktien zu je 72,95 Franken und einmal sogar 1,6 Millionen Titel zu je 72,70 Franken die Hand. Bis Börsenschluss wurden im regulären Handel 4,9 Millionen Aktien und ausserbörslich weitere 2,9 Millionen Titel herumgereicht.

Wie mir aus dem Berufshandel berichtet wird, findet bei ausländischen Grossinvestoren regelrecht eine Flucht in die als defensiv geltenden Papiere des Westschweizer Nahrungsmittelherstellers statt. Diese Flucht lässt kaum Interpretationsspielraum offen: Entweder suchen diese überaus mächtigen Marktakteure Schutz vor einem erneuten Rückschlag an den Aktienmärkten oder aber vor negativen Nachrichten aus der Wirtschaft.

Dieser Schutz hat allerdings seinen Preis, errechnet sich aus den nächstjährigen Konsensschätzungen doch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 20. Damit liegt die Bewertung von Nestlé am ganz oberen Ende der historischen Bandbreite.

Ich bin jedenfalls gespannt, ob solche ausserbörsliche Blocktransaktionen in den nächsten Tagen zum "courant normal" werden.