Taktische Verkaufsempfehlung - Daumen runter für die renditestarke Zurich-Aktie

Der cash Insider berichtet von einer taktischen Verkaufsempfehlung aus Deutschland für die Aktien der Zurich Insurance Group - Und: Julius Bär mit einer geballten Ladung Zuversicht für Schweizer Aktien.
08.02.2019 12:30
cash Insider
Daumen runter für die renditestarke Zurich-Aktie
Bild: fotolia.com

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Die Frage war nicht ob, sondern vielmehr wie viel tiefer die Zurich Insurance Group für die Aktionäre in die Tasche greifen wird. Seit gestern Donnerstag gibt es auf diese Frage eine Antwort: Für das vergangene Geschäftsjahr werden 19 Franken je Aktie ausbezahlt. Das ist 1 Franken mehr als im Jahr zuvor und entspricht zu heutigen Kursen einer Rendite von ziemlich genau 6 Prozent - womit dem traditionsreichen Versicherungskonzern der Dividenden-Thron bei den Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) für ein weiteres Jahr sicher sein dürfte.

Dennoch überwogen gestern die enttäuschten Gesichter. Der Grund: In Analystenkreisen hatte man sich eine noch höhere Dividende sowie eine Neuauflage des Aktienrückkaufprogramms versprochen. Dabei dürfte eigentlich spätestens seit dem Investorentag von Anfang Dezember klar gewesen sein, dass keine 22 oder 23 Franken je Aktie zu erwarten sind.

Das hält die Deutsche Bank allerdings nicht davon ab, eine taktische Verkaufsempfehlung für die renditestarken Aktien der Zurich Insurance Group auszusprechen. Während die Grossbank die solide Bilanz und die defensiven Qualitäten zu würdigen weiss, rechnet sie aufgrund der bereits ziemlich hohen Markterwartungen sowie der Fragezeichen in Bezug auf die Margen beim Neugeschäft über die nächsten Wochen mit einer rückläufigen Kursentwicklung. Offiziell werden die Papiere mit "Hold" und einem Kursziel von 300 Franken eingestuft.

Es mag gut sein, dass die Aktien des Vorzeigeunternehmens aus Zürich um den Dividendenabgang von Anfang April herum für gewöhnlich keine grossen Sprünge machen. Sich deswegen gerade mal wenige Wochen vor Auszahlung der satten Jahresdividende von diesen Papieren zu verabschieden, macht aber schlichtweg keinen Sinn.

Die Zurich-Aktien (rot) konnten in den letzten zwölf Monaten problemlos mit dem SMI (grün) Schritt halten. (Quelle: cash.ch)

Die Deutsche Bank ist übrigens in guter Gesellschaft. Der bekannte Versicherungsanalyst Vinit Malhotra - er war früher für die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs tätig - wartet zwar nicht gleich mit einer Verkaufsempfehlung auf, stuft die Aktien der Zurich Insurance Group jedoch mit einem Kursziel von 351 Franken von "Outperform" auf "Neutral" herunter. Dabei argumentiert der mittlerweile für die Mediobanca tätige Malhotra mit dem fehlenden Überraschungspotenzial.

Doch genau das gefällt mir letztendlich so gut an der Zurich Insurance Group unter der Führung von Firmenchef Mario Greco: Sie liefert zuverlässig Ergebnisse, zahlt eine hohe Dividende und sorgt für keine unliebsamen Überraschungen.

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Allen Unkenrufen zum Trotz näherte sich der um Dividendenabgänge korrigierte Swiss Market Index (SMIC) gestern Donnerstag auf weniger als 2 Prozent dem bisherigen Rekordhoch. Letzteres geht auf Ende Januar letzten Jahres zurück und liegt bei etwas mehr als 19'000 Punkten.

Zumindest in den Handelsräumen von Julius Bär dürfte man den Champagner vorsorglich schon mal kühl gestellt haben. Rückblickend etwas voreilig, denn es sollte anders kommen: Im Nachmittagshandel gerieten dann auch bei den Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis die Kurse ins Rutschen - und mit ihnen das Börsenbarometer. Knapp vorbei ist auch daneben.

Dennoch bleibt die drittgrösste Bank der Schweiz auf Aktien aus der Heimat getrimmt. In der neusten Ausgabe der "Technical Investment Strategy" stufen Mensur Pocinci und Alexis Chassagnade den SMI von "Neutral" auf "Bullish" herauf. Die beiden bekannten Markttechnikexperten sehen den dividendenkorrigierten SMIC auf neue Höchststände steigen. Im Zuge dessen trauen sie dem regulären SMI wenigstens einen Vorstoss auf über 9500 Punkte zu.

Bilanz des SMI mit Dividendenkorrektur über die letzten fünf Jahre. (Quelle: cash.ch)

Das könnte auch erklären, weshalb Julius Bär das Indexschwergewicht Nestlé seit Tagen lauthals anpreist. Erst setzte die Zürcher Bank den Nahrungsmittelhersteller als einziger Vertreter aus der Schweiz auf die Liste der "10 Aktien, die man 2019 unbedingt haben sollte". Anschliessend erklärte sie ihn zur "Aktie der Woche". Dabei griff man tief in die Kiste für Spezialeffekte und bediente sich bei den altbekannten Veräusserungsfantasien rund um das L'Oréal-Paket.

Mich beschleicht der Verdacht, dass man sich hier gezielt des Indexschwergewichts bedient, um den dividendenkorrigierten SMIC auf Rekordkurs zu bringen. Aber vielleicht bilde ich mir das ja auch bloss ein...
 

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